Bei der neuen Version von FIFA 2006 kann man sich realistischer als bisher in das Spiel einbringen: Gelingt das entscheidende Tor oder wird man zum Versager?
Computerspielen kann eine nervenaufreibende Sache sein: Vor allem bei Spielen aus dem Sport-Genre, die nicht nur eine virtuose Behandlung des Controllers erfordern, sondern auch Hingabe an das Sujet oder die Sportart. Da wird ein Spiel schnell zur Leidenschaft, bei der es um Leben und Tod geht - um den eigenen sogar.
Einmal Ronaldinho den Ball abnehmen: Virtuell ist das immer möglich. (© Foto: Screenshot)
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Bei FIFA 2006, der neuen Version der im jährlichen Turnus erschienenden Fußballreihe von EA Sports, ist es möglich, ein virtuelles Selbst zu erstellen, das den eigenen Ansprüchen genügen soll: Zehn Pfund weniger auf den Rippen, volleres Haar, weißere Zähne. Vor allem aber ist das virtuelle Alter Ego mit Talenten gesegnet, die einem im wirklichen Leben abgehen: die gut getimte Blutgrätsche, der tödliche Pass und vor allem die gefürchtete Linke Klebe. Kurz: Man kann im Spiel all das sein, was einem auf dem Bolzplatz immer versagt blieb. Ruhm und Ehr warten, sogar die Titelseite des "Kicker", mit dem EA Sports zusammenarbeitet.
Im entscheidenden Moment versagt
Nach knapp zwei Stunden ist das Abbild erstellt und in die Lieblingsmannschaft integriert. Selbstverständlich als Stürmer, denn die ernten die größten Lorbeeren. Die Champions League ruft, es geht mit Werder Bremen nach Barcelona in das ausverkaufte Stadion Camp Nou.
Lange ist das Spiel auf Messers Schneide, es steht bis zur 80. Minute 0-0. Dann die entscheidende Szene: Geniale Kombination im Mittelfeld, Pass nach außen, herrliche Flanke nach innen. Dort wartet das Alter Ego - die dicken Lettern auf dem Trikot verraten es - vollkommen ungedeckt. Jetzt nur noch einnicken und man ist der Held, der seine Mannschaft zum Sieg in der Champions League führte.
Doch es kommt anders: Beim Kopfball sind eher die Zuschauer in den Rängen in Gefahr als das gegnerische Tor. Barcelona fährt einen Gegenangriff und gewinnt das Spiel. Am Ende ist es so wie im wirklichen Leben: Im entscheidenden Moment versagten die Nerven und man ist der Loser. Endgültig.
Genau diese Tatsache macht FIFA 2006 am Anfang zu einer nervigen Angelegenheit. Die Spielsteuerung der Grundbewegungen ist wie immer so einfach gehalten, dass selbst Anfänger ihren Spaß haben werden. Doch für die Tricks der Meister - Übersteiger, gewagte Dribblings und perfektes Passspiel - sind Verrenkungen am Controller nötig, die nur wahre Experten vollführen können. Als ungeübter Spiele kommt man nur im Amateur-Modus weiter. Doch diese Schmach möchte man sich nicht antun. Amateur ist man auch im wahren Leben.
So bleibt dem Anfänger für maximalen Spielspaß nur das Spielen mit Freunden. Da dies auch im Online-Modus möglich ist, kann man tatsächlich gegen einen alten Schulfreund in einer entfernten Stadt daddeln und ihm die fußballerischen Grenzen aufzeigen. Kommentieren sollte man das Ganze allerdings selbst, denn die Aussagen von Patrick Wasserzieher gehen nach einer Weile mächtig auf den Senkel. Dann lieber selbst Reporter spielen.
Den Jubel der Menge genießen
Die Menüführung in FIFA 2006 ist wie gewohnt souverän gelöst und auch die große Anzahl an Spielmöglichkeiten sind eine Freude für jeden Zocker. So wird das Spiel zu einer echten Alternative zum Primus "Pro Evolution Soccer". Das Suchtpotential jedenfalls ist riesengroß.
Nach einigen Stunden Spielzeit nämlich gelingen einige einfache Tricks tatsächlich und irgendwann schießt das Alter Ego auch ein entscheidendes Tor. Und dann steht man auch in der Zeitung als der Held des Tages. Was man als Fußballer auf dem grünen Rasen nicht geschafft hat, kann man dann nachholen: Seinen persönlichen "Jubler" generieren und sich von der Menge feiern lassen. Darum geht es doch letztendlich beim Fußball - dem echten und dem auf der PlayStation.
FIFA 2006
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(sueddeutsche.de)
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