Seit dem Kauf durch Holtzbrinck hat das StudiVZ ein Imageproblem. Jetzt bekommt die Online-Community Konkurrenz. Doch es bestehen auch Zweifel an Unabhängigkeit von Kaioo.
Die Szene könnte einem Videoclip von MTV entstammen. Zwei Hip-Hopper, der eine sonnenbebrillt, der andere mit Maske vorm Gesicht, rappen vor trister Kulisse: ein abgelegener Parkplatz, dahinter graue Lagerhallen. Feindbild ist keine andere Gang, sondern das Online-Netzwerk StudiVZ, im Video "StasiVZ" genannt.
Kaioo soll dem StudiVZ die Nutzer abluchsen. (© Screenshot: sueddeutsche.de)
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Die Rapper namens Stasido MC rufen in dem auf Youtube veröffentlichten Filmchen dazu auf, zum neu gegründeten Konkurrenten Kaioo.com zu wechseln und erklären auch warum: "Erst verkauft StasiVZ meine Daten. Und am Ende wirfst du Holtzbrincks Kohle in den Arsch".
Die StudiVZ-Macher prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen das Video. Dabei ist der von den Rappern verkündete "Krieg gegen StasiVZ" bislang nicht wirklich entfacht worden: 32.000 Nutzer haben sich bisher bei Kaioo registriert, StudiVZ , das zum Holtzbrinck-Konzern gehört, hat über 4,6 Millionen Mitglieder. Kaioo, seit November mit einer vorläufigen Beta-Version auf deutsch und englisch online, ist dem Konkurrenten recht ähnlich.
Nutzer erstellen eigene Profile mit Bussi-Fotos und jeder Menge persönlicher Angaben wie Ausbildung, Beruf, politische Einstellung, liebste Serien. Darüber hinaus gliedert sich Kaioo nicht nur landesweit, sondern auch in Subnetzwerke wie Stadt, Uni oder Arbeitgeber. Geflirtet wird über eine sogenannte Matchingliste, die man sich beim Google-Netzwerk Orkut abgeschaut hat und in Brasilien zurzeit der Renner ist.
Hinter Kaioo steht die Toro gemeinnützige Stiftungs-GmbH aus Hamburg. Vertretungsberechtigt sind Thomas Kreye und Rolf Schmidt-Holtz. Keine Unbekannten: Kreye war früher bei Bertelsmann in der Unternehmensentwicklung beschäftigt. Schmidt-Holz war Stern-Chefredakteur, Bertelsmann-Vorstand und ist derzeit Chef des Musikkonzerns Sony BMG, der zu 50 Prozent zum Gütersloher Medienkonzern gehört. Bertelsmann und Holtzbrinck haben es auf jüngere Internet-Nutzer abgesehen.
Mit Bertelsmann habe Kaioo nichts zu tun, sagte Kreye der Süddeutschen Zeitung. Es handele sich um ein privates Engagement. Schmidt-Holtz stelle die Anlauffinanzierung von geschätzt 500.000 Euro zur Verfügung, Kreye seine Arbeitskraft, dafür erhält er zwar ein Geschäftsführergehalt, das betrage aber nur ein Bruchteil des Bertelsmann-Gehalts. Kaioo würde sich durch Spenden finanzieren, alle späteren Werbeeinnahmen sollen selbst gespendet werden, an wen, würden dann die Nutzer entscheiden. Auch ein Bertelsmann-Sprecher dementiert jeden Zusammenhang: "Wir haben nichts damit zu tun."
Dabei wird in einschlägigen Foren im Internet darüber diskutiert, ob Kaioo wirklich unabhängig ist. Auch Steffen Roski vom alternativen Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Marburg schließt nicht völlig aus, dass Kaioo nur "das Privatvergnügen einiger Bertelsmänner" ist.
Von Bertelsmann sei die Strategie bekannt, Konzerninteressen unter dem "Deckmantel der Gemeinnützigkeit" zu verkaufen. Die junge Generation, insbesondere Studenten, seien für Bertelsmann als Zielgruppe interessant, etwa um Marketingstrategien oder Ansprachen zu testen. Zumal habe Bertelsmann den Web 2.0-Hype im Gegensatz zu Holtzbrinck (Zeit, Handelsblatt) bislang verschlafen.
Gerüchte vermeiden
Zumindest kommt Kaioo zur richtigen Zeit. Viele StudiVZler waren ohnehin schon verärgert über den Verkauf der Plattform Ende 2006 den Holtzbrinck-Verlag. Der will vor allem mit personalisierter, auf einzelne Nutzer zugeschnittene Werbung Geld verdienen. Um das rechtlich möglich zu machen, wurden die Mitglieder von StudiVZ im Dezember vergangenen Jahres aufgefordert, den neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zuzustimmen.
Tun sie das nicht, würde ihr Profil gelöscht, wurden sie informiert. Nach massiven Protesten wurden die AGBs jedoch wieder entschärft. Danach ist Werbung per SMS nicht mehr möglich, die Nutzerdaten sollen nach Ende der Mitgliedschaft bei StudiVZ gelöscht werden. Personalisierte Werbung sei aber weiterhin möglich.
Das soll es bei Kaioo nicht geben. Als "gemeinnützig, demokratisch und unabhängig" beschreibt sich die Plattform selbst. Es gehe nicht darum, Werbeeinnahmen zu maximieren, sagt Kreye.
Das umstrittene Video der beiden Rapper passt da nicht unbedingt ins Bild. In einem Kaioo-Forum distanziert sich Kreye denn auch davon: "Nur vorweg um Gerüchte zu vermeiden: Wir (kaioo.com) haben das nicht eingestellt."
- Facebook vs. StudiVZ Das Original jagt die Kopie 22.01.2008
- Werbung in StudiVZ Die Glasperlen des 21. Jahrhunderts 10.01.2008
- StudiVZ Nutzer ohne Nutzen 16.12.2007
(SZ vom 28.01.2008/woja)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
@telefonterror
Nicht ganz richtig, kaioo will sich über Spenden von Privatpersonen und Unternehmen finanzieren, genau wie Wikipedia. Da das Gehalt der beiden Mitarbeiter unabhängig von den Einnahmen ist, strebt kaioo also nicht nach Gewinnmaximierung und ist eher am User selbst interessiert. Außerdem wird kaioo vollkommen Transparent sein. Also mit xing, flickr, studivz, picasa oder wie der ganze community netzwerk sch... sich sonst noch schimpft nicht zu vergleichen ;)
Ich bin jetzt bei Kaioo da mich das Konzept überzeugt hat. Warum es solche Zweifel an einem guten und sozialem Projekt gibt ist mir schleierhaft. Das Thomas Kreye bei Bertelsmann gearbeitet hat (früher!!!) und Rolf Schmidt-Holtz das Geld (privat!!!) dafür gegeben hat ist nie ein Geheimnis gewesen. Wie man darin eine Bertelsmann Verschwörung sehen kann ist mir ein Rätsel. Wenn es handfeste Indizien gibt soll man sie recherchieren und nennen. Wenn man unbedingt wild rumspekulieren möchte, kann man ja auch mal überlegen, warum die ersten Verschwörungstheorien bei studivz aufgetaucht sind.
Die Fakten bisher sind:
-Kaioo ist eine staatlich anerkannte gemeinnützige Stiftung.
-Zur Zeit werden die AGBs von den Kaioo-Nutzer mitgestaltet. Demokratischer geht es wohl kaum noch.
-Kaioo wird sich allein über Spenden finanzieren.
-Die Werbeinnahmen werden komplett nach dem Wunsch der Nutzer gespendet.
Das verstehe ich unter einem Sozialen Netzwerk.
anstatt immer nur zu zitieren ,was andere sagen. Vor allem über sich selbst ! Wäre interessant - wie unabhängig ist Kaioo wirklich ?
ok wie will man sich finanzieren wenn die glemmer phase vorbei ist ... mit werbung, wollen das nicht alle? genau, also daten schutz, hiest daten sparsamkeit. egal ob flickr, picasa, xing, studivz, oder wie der ganze community netzwerk sch... sich sonst noch schimpft sollte mit entsprechender Vorsicht genossen werden (persönlich habe ich nur in einem Portal minimale daten hinterlegt ... komischerweise findet das jeder, der mich sucht, selbst mein geburtstag ist modifiziert) . perönlich will ich noch anfügen das alle leute die ich kenne und mit dataminig zu tun haben eine sehr dünne datenspur in solchen portalen hinterlassen.