Von Meike Mai

Ein neues Buch, ein neuer Film, eine Serie, Hörspiele und ein eigener Wanderweg: Sherlock Holmes ist zurück. Weshalb der berühmte Detektiv gerade jetzt neu entdeckt wird.

Sherlock Holmes ist zurück. Jahrelang spielte das hagere Kombinationsgenie neben Wallander, Columbo und Co. eher eine untergeordnete Rolle - nun darf er auftrumpfen.

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Robert Downey Junior als versoffener, prügelnder, actiongeladener Sherlock Holmes. (© Warner Bros.)

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Das liegt an einem neuen Film, einem neuen Buch und einer TV-Serie. An neuen Schildern für einen Wanderweg, Hörspielen und einem ganz besonderen Jubiläum. Aber der Reihe nach:

Haben wir Sherlock Holmes je vergessen? Richtig weg war er nie. Seine Fälle sind wie CSI vor 125 Jahren. Die scharfsinnig kombinierten Fälle des Meisterdetektives sind Klassiker. Gehören in jede anständige Krimi-Bibliothek. Trotzdem: Sherlock umrankte ein Image. Und das war ziemlich britisch - man könnte auch sagen: steif. Da bedurfte es erst Robert Downey Junior, der, selbst gestrauchelt und dann wiederauferstanden, dem Ermittler seine Raubeinigkeit und seine Ironie für die Leinwand zurückgab. Damit bereitete der Schauspieler aus New York das Comeback des berühmten Schnüfflers aus London vor.

Downeys Holmes-Debüt unter der Regie von Guy Ritchie war einer der Überraschungs-Erfolge des Kinojahres 2009. Wenige Tage vor Weihnachten gibt es die Fortsetzung: Spiel im Schatten heißt der neue Sherlock-Film. Darin wird geballert und gezankt, geprügelt und, natürlich: ermittelt. Holmes' Erzfeind Dr. Moriarty spielt auch mit. Ein programmierter Kassenschlager kurz vorm großen Fest.

Dabei ist der Film längst nicht alles, was es derzeit vom Meisterdetektiv zu sehen gibt. Schon jetzt fiebern Fans dem 12. Dezember entgegen. Dann erscheint Das Geheimnis des weißen Bandes. Der Insel-Verlag bewirbt den 360-Seiten-Roman nicht nur als "Holmes' spektakulärsten Fall", sondern - und das ist das wirklich Spektakuläre - als ersten Sherlock-Roman seit dem Tod seines Erfinders Arthur Conan Doyle (1850-1930). Zumindest der erste offiziell autorisierte.

So viel Aufregung gab's seit Doyle nicht mehr

Bis heute liegen nämlich alle Rechte von Büchern, Werbung oder Merchandising in den Händen einer Stiftung der Doyle-Nachkommen. Eben jene Conan Doyle Estade LTD hat die nun erscheinenden neuen Abenteuer autorisiert.

Der englische Autor Anthony Horowitz hat sich den 61. Fall ausgedacht. Ob das Ganze nun eine Auftragsarbeit war, wie der englische Schriftsteller in einem Interview mit dem Nautilus Magazin suggeriert, oder eine Kooperation mit der Doyle-Gesellschaft, bleibt offen. Die Stiftung ließ den Autor in den eigenen Archiven stöbern, eine Recherche, die sich offenkundig auszahlte: Horowitz trifft den Stil des Erfinders.

Und so beginnt er mit den Worten: "Ich habe oft darüber nachgedacht, wie einzigartig die Verknüpfung von Umständen war, die zu meiner jahrzehntelangen Verbindung mit einer der ungewöhnlichsten und bemerkenswerten Gestalten meiner Epoche geführt hat ..." Verraten sei an dieser Stelle noch nicht viel mehr. Dafür gibt es nach Erscheinen eine Rezension auf sueddeutsche.de. 

Aber die englische Presse feiert den neuen Holmes bereits. "Es ist kein Flickwerk. Es ist eine Fortschreibung." Die Deutsche Sherlock-Holmes-Gesellschaft ist ebenfalls entzückt, aber nicht ganz so euphorisch: "Endlich mal eine anerkannte Erweiterung des Kanons! Horowitz greift viele bekannte Elemente auf, so dass man sich sehr schnell in der traditionellen Holmes-Atmosphäre wohlfühlt", lobt Sprecher Olaf Maurer. "Aber das Buch ist und bleibt eine Pastiche", also eine Nachahmung. Weshalb?

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