Hillary Clinton macht sich locker und lässt ihren Kampagnensong vom Netzvolk wählen. Durch die "YouTube Election" im Internet will sie jüngere Wähler erreichen. Mit Video.
Einen Monat hat der Wettbewerb im Netz gedauert. Und die Vorschläge waren nicht alle sehr nett, die Hillary Clinton erhalten hat. In einem Video auf der Web-Site ihrer Wahlkampagne hatte sie Amerikas Internet-Gemeinde aufgerufen, Vorschläge für einen Titelsong für ihre Präsidentschaftswahlkampagne zu machen und darüber abzustimmen. Immerhin 25 000 Vorschläge kamen. Darunter gemeine Titel-Empfehlungen wie "Cold as ice". Blogger nannten das ganze "lächerlich". Einer schrieb: "Wollt ihr mich verarschen?" - was Clintons Kampagne sofort veröffentlichte.
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Das alles soll natürlich nur eines zeigen: Dass Hillary gar nicht so ein Eisblock ist, wie viele behaupten. Dass sie locker drauf sein kann - was man bei ihrem Mann nie bezweifelt hat. Dass sie auch eine Sprache findet, jenseits der politischen Prosa, um mit dem Wahlvolk in Kontakt zu treten. Dass, mit einem Wort, selbst Hillary Clinton, mithalten kann bei dem, was inzwischen in den USA die "YouTube Election" genannt wird: Erstmals werden die Video- und Kontaktportale im Internet, die vor allem jüngere Menschen ansprechen, massiv für den Wahlkampf genutzt.
Partners in crime: Hillary und Bill geben die "Sopranos".
Immerhin 200 000 stimmten nach Angaben der Clinton-Kampagne über den Hillary-Song ab. Das Ergebnis verkündete sie ebenfalls auf YouTube. Da persiflierte sie gemeinsam mit Gatte Bill die letzte Szene aus der letzten Folge der Krimiserie "The Sopranos", die in den USA so viel Furore machte. Das Wahlvolk hatte allerdings wenig spektakulär entschieden. Celine Dions braves Lied "You and I" wird Hillarys Song, was passt für eine Kandidatin, die am Anfang ihrer Kampagne versprochen hat, einen Dialog mit allen Amerikanern führen zu wollen.
Doch trotz aller Bemühungen wurde Hillary einmal mehr von ihrem schärfsten Konkurrenten Barack Obama geschlagen. Bereits mehr als 1,5 Millionen Mal wurde auf YouTube das Fanvideo "I got a crush on Obama" (Ich steh' auf Obama) angeklickt.
(SZ vom 23./24.6.2007)
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