Clint Eastwood zum 80. Der Mann, der seine eigene Legende überlebte

Völlerei, Exzess, lange Besprechungen gab es nie bei Clint Eastwood: Der Mann mit der gemeißelten Kinnlinie wird heute 80.

Von Tobias Kniebe

Reden wir erst einmal nicht über den Oscargewinner für "Unforgiven" und "Million Dollar Baby"; über den Kommandanten der französischen Ehrenlegion; über den großen, späten, "Cinema for Peace"-tauglichen Historien-Clint, der genauso überzeugend in die Kriegshölle des Pazifik eintauchen kann wie zuletzt, mit seiner Nelson-Mandela-Hommage "Invictus", ins Südafrika einer gerade überwundenen Apartheid.

Der Mann, der niemals aufgibt: Hollywoods arbeitswütiger Opa will auch mit 80 Jahren nicht in Rente gehen. Im Bild ist er 1977 in "The Gauntlet" zu sehen - noch häter als "Dirty Harry".

(Foto: dpa)

Natürlich würde es an Irrsinn grenzen, diesen weisen alten Mann heute nicht zu verehren, zu feiern und mit Preisen zu überhäufen. Aber in dem Moment, wo Meisterschaft schließlich unübersehbar wird, versteht man oft nicht mehr, worauf sie gründet, wie sie über Jahre und Jahrzehnte erkämpft und errungen und den Umständen abgetrotzt wurde.

Stattdessen sollte man vielleicht zurückgehen in eine dieser bleiernen Zeiten, die es natürlich auch für Clint Eastwood gab. Wie in das Jahr 1983, in die tiefste Reagan-Ära. Da sind die frühen, bis heute geradezu unanständig lässigen Sergio-Leone-Triumphe, als er 1964 auf dem Rücken eines Maultiers in die Filmgeschichte einritt, zum Töten bereit "Für eine Handvoll Dollar" oder "Für ein paar Dollar mehr", längst vorbei.

Oder besser gesagt, sie sind bereits Legende geworden, endlos parodierfähig. "Das ist der Moment, wo es wirklich hart wird", hat Eastwood gesagt. "Weil man all das Zeug aus dem Kopf verbannen muss, damit man überhaupt zur Arbeit gehen kann."

Eastwood hat versucht, aus diesem unzerstörbaren, alles überschattenden Legendenbild das Beste zu machen: Er hat sich, auf halbem Weg zwischen Hollywood und San Francisco, ein gemütliches, von Meer und Golfplätzen umgebenes Nest in Carmel-by-the-Sea eingerichtet; hat seine eigene Firma Malpaso gegründet, eine Gruppe treuer und zuverlässiger Kinohandwerker um sich geschart, fast alle seine Filme auf eigene Rechnung produziert und oft auch selbst Regie geführt, weil es mit den zickigen, ewig unentschlossenen Regiediven des New Hollywood doch nur Probleme gab.

Million Dollar Grandpa

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