CIA über "Zero Dark Thirty" Weder dumm noch Sadisten

Doch die Einblicke, die die drei Männer in das Folterprogramm gewährten, gingen weit über das bürokratische Beiwerk hinaus. Einmal ins Reden gekommen, breiteten sie die ganze gespenstische Logik aus, die den "verschärften Verhören" zugrunde lag. Zwei Dinge wurden dabei deutlich.

In die "Zone der Zusammenarbeit"

Zum einen: Die gewaltsamen Verhöre waren - anders als Bigelow es zeigt - keine plumpen Versuche, Informationen aus einem Gefangenen herauszuprügeln. "Wir haben während eines verschärften Verhörs niemandem jemals eine Frage gestellt, zu der wir die Antwort nicht schon wussten", sagte Hayden. Ein bemerkenswerter Satz. Die Gewalt diente dazu, den Willen des Gefangenen zu brechen, ihn, wie Hayden es in kältester Stasi-Sprache ausdrückte, von der "Zone des Widerstandes" in die "Zone der Zusammenarbeit" zu bringen. Erst dann begann das eigentliche und friedlich geführte Verhör, bei dem die CIA-Agenten etwas Neues erfahren wollten. War der Gefangene einmal "kooperationsbereit", so war er nur noch ein Informationsbehälter, den die CIA-Analysten über Monate hinweg je nach Bedarf vorführen lassen und erneut befragen konnten.

Zum Zweiten: Hayden und seine Männer wussten, dass das Folterprogramm moralisch und ethisch eigentlich inakzeptabel war. Sie waren weder dumm noch Sadisten. Zu rechtfertigen war die Gewalt gegen Wehrlose nur, wenn man strikt in den Kategorien des "Krieges gegen den Terror" dachte: Amerika führt Krieg gegen al-Qaida, und die CIA hat die moralische Pflicht, den Feind zu bekämpfen. Dann jedoch war das Foltern von Gefangenen geradezu ein Muss, um weitere Attentate zu verhindern und Leben zu retten. "Manchmal", so Hayden, "muss man Dinge unterlassen, die der eigenen Ansicht nach ethisch, legal und wirksam sind, weil die zweit- und drittrangigen Folgen eines solchen Handelns einen langfristig weniger effektiv machen."

Folgt man Hayden in dieser Logik, dann endet man bei einer erschreckenden Erkenntnis: Es braucht gar nicht viel, um Folter unter gewissen Umständen wie ein wirkungsvolles, legitimes Instrument aussehen zu lassen. Und es ist nur ein bisschen Moral, die verhindert, dass man zu diesem Instrument greift.

(Ein Video von der Veranstaltung finde Sie hier)