Der Künstler Ai Weiwei will 1,7 Millionen Euro Steuern zurückzahlen, die er dem chinesischen Staat angeblich schuldet. Und das, obwohl ihm noch nicht einmal Beweise vorgelegt wurden. Doch nur so kann er anfangen, sich zu wehren.
Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei will seine angeblichen Steuerschulden von 1,7 Millionen Euro begleichen und sich damit von den Anschuldigungen der Steuerhinterziehung befreien. Dieser Vorwurf wird ihm von chinesischen Behörden gemacht. Erst nach Zahlung der Summe könne er in Berufung gehen und Beweise für die Anschuldigungen verlangen, sagte der 54-Jährige in einem ARD-Interview.
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Der chinesische Dissident vor wenigen Tagen, zu Hause in Peking. Seite Unterstützer interpretieren die Vorwürfe der Behörden, er habe Steuern hinterzogen, als eine Art Strafe für seine Kritik an der autoritären Regierung. (© AP)
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Die Anschuldigungen seien ihm bis heute nicht vorgelegt worden. Außerdem würden weiterhin von den Behörden die Unterlagen der Firma Fake Cultural Development zurückgehalten, die auf Ais Ehefrau Lu Qing eingetragen ist, erklärte der Künstler über Twitter. Buchhalter und Manager würden bedroht und dürften sich nicht mit ihm treffen.
Ai Weiwei bezweifelt, dass er nach der Zahlung ein freier Mann sein werde. "Sie können mir jederzeit wieder etwas vorwerfen", sagte er mit Blick auf die chinesischen Behörden. Das Verhalten des Staates sei beschämend. "Die wollten meinen Ruf ruinieren. Aber die Menschen wissen, wer hier der Kriminelle ist." Ai hatte schon kurz nach Publikwerden der Vorwürfe über Twitter geschrieben: "Sie sagten mit ernster Stimme: Wenn der Staat sagt, Du hast Steuern hinterzogen, dann hast Du Steuern hinterzogen."
Die Behörden "verachten Moral und juristische Fairness", schrieb Ai in dem Kurzbotschaftendienst, der in China gesperrt ist. "Alle Ministerien dieser Nation, all diese Männer und Frauen, haben keine Scheu zu Verfolgungswerkzeugen der politischen Machthaber zu werden."
Im chinesischen Internet formiert sich indes Unterstützung für den Regimekritiker Ai Weiwei. Nutzer der Mikroblog-Seite Sina überweisen Geld an den Künstler, um ihm bei der Begleichung seiner millionenschweren Steuerschulden zu helfen, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Ai Weiwei sagte der Blatt: "Es heißt immer, dass die Leute sich nicht beteiligen oder ihre Stimme erheben. Aber das ist nicht wahr."
Ai Weiwei ist der bekannteste chinesische Gegenwartskünstler. Vielen Chinesen gilt der Regimekritiker als "soziales Gewissen", weil er Korruption, gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten thematisiert. Anfang April war der 54-jährige Künstler zunächst ohne Begründung am Pekinger Flughafen festgenommen worden. Zweieinhalb Monate lang war sein Verbleib völlig unklar, bevor er aufgrund eines "Geständnis' bezüglich Steuerhinterziehung" freikam, wie die Behörden damals mitteilten. Ai Weiwei bestreitet jedoch sowohl das Geständnis wie auch die Steuernhinterziehung.
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(sueddeutsche.de/dapd/rela/gr)
Brasiliens Präsidentin Roussef