Warum gibt es so viele Tibetinitiativen aber kaum etwas über die Uiguren? Weil die Uiguren keinen Dalai Lama haben? Weil sie Muslime sind und keine Buddhisten? Weil das Land sich als Marke nicht so effektiv in Szene setzen lässt wie Tibet?
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Wenn man das so formuliert, klingt es, als seien die Tibeter clever-zynische Branding-Experten. Eher ist es so, dass die Himalayahochebene namens Tibet einfach das Glück hatte, sich unter dem Licht unserer gierigen Projektionsscheinwerfer in ein spirituelles Wellnessparadies zu verwandeln. Xinjiang dagegen ist bis heute ein weißer Fleck - ein Assoziationsraum, leer wie die Taklamakanwüste, die Teil der kargen Provinz ist.
Ein kleines Büro in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Hier hat der "Weltkongress der Uiguren" (WUC) seinen Sitz. Weltkongress, das klingt nach UNO, Brüssel oder Genf, aber bestimmt nicht nach den schäbigen Schränken, die in dem engen Flur stehen.
Der Weltkongress besteht im Grunde aus vier Mitarbeitern und ein paar alten Computern. Sie haben ihr Büro hier aufgeschlagen, weil in München die größte uigurische Exilgemeinde außerhalb Asiens lebt: Während des Kalten Krieges hatte Radio Free Europe ein uigurisches Programm aufgebaut, das bis Zentralasien sendete. So bekam München für viele Uiguren eine Aura, wie sie andernorts in jenen Jahren vielleicht New York besaß. Europa, das hieß München, so dass heute über 500 Uiguren hier leben.
Dolkun Isa, der Generalsekretär des WUC, ist selbst Flüchtling und auf die Frage, ob er einen eventuell in Kontakt bringen könne mit Uiguren, die Ähnliches zu erleiden hatten wie das, was Ai Weiwei aller Wahrscheinlichkeit nach gerade widerfährt, stutzt er kurz und sagt dann: "Da können sie eigentlich jeden von uns fragen."
Gut. Fragen wir zwei von ihnen, fragen wir B.K. und Gülnihal Ablet. Hinter den beiden stehen an einer Tafel ein paar halbverwischte Sätze aus einer Deutschklasse, die man als unfreiwilliges Gedicht eines Exilanten lesen könnte:
Wo ist der Koffer?
Das Buch ist nicht hier.
Wer bist Du?
Was tust Du?
Dein Geist
Unbekannt
Wer bist du? Was tust Du? B. K. möchte seinen Namen nicht in der Zeitung sehen, weil er Angst hat, dass die chinesischen Behörden Rache nehmen an seiner Frau und seinen Söhnen, die er zuletzt in der Nacht vom 16. September 1993 gesehen hat, der Nacht, in der 12 Polizisten kamen und ihn mitnahmen. Sein Verbrechen: Er hatte eine Beschwerde bei der autonomen Regierung eingereicht, die um eine Frage kreiste: Warum verbietet die chinesische Regierung alle religiöse Unterweisung, obwohl das chinesische Grundgesetz Religionsfreiheit garantiert? Die Regierung antwortete nicht. Stattdessen kamen die 12 Polizisten.
Die Haft, die Folter, es bricht aus B.K. heraus, als habe das Schweigen in ihm sich über die Jahre zusammengezogen wie eine rostige Feder, die plötzlich aufspringt, der Dolmetscher kommt kaum hinterher, die Nächte, in denen B. auf dem Betonboden knien musste, mit ausgestreckten Armen, die Handschellen, die nicht an den Handgelenken festgemacht wurden, sondern über den Fingerknöcheln, die Eimer eisigen Wassers.
Bitterkeit gegessen
B.'s Mund wird klein beim Erzählen, wenn man ihm zuhört, muss man an das chinesische Sprichwort denken, jemand habe Bitterkeit gegessen. B'.s Kinder sind mittlerweile volljährig, der ältere Sohn wird regelmäßig verhört wegen des angeblich gemeingefährlichen Vaters, der als Fabrikarbeiter in München sitzt und nach einer Viertelstunde den wildfremden Journalisten fragt, ob der ihm Angela Merkels Adresse geben könne, seine Kinder seien in Gefahr.
Gülnihal Ablet sitzt zunächst stumm neben B.K., fast wie ein scheues Tier, das im unsichtbaren Scheinwerferlicht eines längst vergangenen Schreckens erstarrt zu sein scheint. Aber sobald sie anfängt zu erzählen, kann auch sie nicht mehr aufhören.
Ablet war im Juli 2009 mit ihrem Bruder bei den Demonstrationen in Urumqi dabei, bei denen Han-Chinesen und Uiguren ums Leben kamen. Danach wurde Xinjiang für 10 Monate von der Außenwelt abgeschnitten, kein Internet, kein Handynetz, es gab Schauprozesse, Tausende wurden verhaftet, viele sind bis heute verschwunden, so wie auch Ablets Bruder, den sie zuletzt am Tag der Demonstration gesehen hat. Niemand weiß, wo er sich befindet und ob er noch lebt, die Familie erhielt nur ein Formschreiben, dass er im Gefängnis sei.
Offene Bespitzelung
Ablet zog nach den Zusammenstößen zusammen mit anderen Frauen, deren Männer oder Brüder verschwunden waren, vor das Gebäude der Provinzregierung. Die friedliche Demonstration wurde gewaltsam aufgelöst, die chinesische Staatssicherheit hängte tags darauf in der Stadt Fotos der Demonstrantinnen auf.
Ablet versteckte sich wochenlang in der Wohnung einer Cousine, schlug sich nach Peking durch, wo sie eineinhalb Jahre lang illegal lebte, bis sie das Geld für zwei Schlepper zusammen hatte, die sie nach Deutschland brachten. Im März dieses Jahres bat sie hier um Asyl.
Seit den Ausschreitungen vom Juli 2009 hat sich die Situation in Xinjiang eindeutig verschärft. Was man bis in diese Räume am Münchner Hauptbahnhof spüren kann: Nach den Demonstrationen hinterließen Anrufer beim WUC Botschaften auf chinesisch, in denen sie drohten, den Mitarbeitern werde es "so ergehen wie den Uiguren in der Heimat, wir wissen, wo euer Büro ist."
Die chinesische Regierung weiß überhaupt verblüffend viel über die Arbeit des Weltkongresses. Der WUC wird nicht nur bespitzelt, die chinesische Botschaft bemüht sich nicht einmal darum, diese Spitzelarbeit zu vertuschen: Als im November 2006 zwölf Grünen-Abgeordnete eine Einladung zum Weltkongress der Uiguren erhielten, wurde der damalige Generalkonsul Huiqun Yang umgehend mit einer Liste aller Eingeladenen bei den Grünen vorstellig und drohte, dies stelle eine ernste Belastung der deutsch-chinesischen Beziehungen dar.
Den Namenlosen ein Gesicht geben
Man kann auf die Schilderung solcher Geschichten mit Robert Gernhardts Frage kontern: "Ja, bin ich denn das Weltgewissen?" Natürlich nicht. Aber wenn man den Begriff der Aufmerksamkeitsökonomie weiterdenken möchte, könnte man sagen, Ai Weiwei hat ein geradezu bizarres Aufmerksamkeitsmonopol inne. Ganz München hängt voll mit Plakaten, Postern, Aufrufen, fast so, als sei er der Pandabär des internationalen Kunstbetriebs.
Könnte man nicht einen Teil dieses Engagements umleiten, etwa auf den Schriftsteller Nurmuhemmet Yasin, der wegen seiner Kurzgeschichte "Wildtaube" zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde?
Weiweis Aufmerksamkeitsmonopol ist auch deshalb so merkwürdig, als es Weiwei in vielen seiner Aktionen der letzten Jahre darum zu tun war, selbst nurmehr wie ein Mediator oder Scheinwerfer zu funktionieren, mit seinem Ruhm die im Dunkeln anzustrahlen, namenlosen Opfern ein Gesicht zu geben: Nach dem Erdbeben von Sichuan schickte er Freiwillige aus, damit sie die Namen aller gestorbenen Schülerinnen und Schüler sammeln.
Petitionen nur nach hartem Lobbying
Ai selbst sagt übrigens, er verdanke seinen oppositionellen Geist der Erfahrung der Verbannung und Willkür: Als er zwei Jahre alt war, wurde sein Vater, der Dichter Ai Qing, zusammen mit der Familie für 18 Jahre in den äußersten Westen des Landes deportiert - nach Xinjiang, ins Land der Uiguren.
Zu Ai Weiwei hat das Europaparlament am 7. April, also schon wenige Tage nach seinem Verschwinden eine Petition verabschiedet. Um eine ähnliche Petition zur Lage der Uiguren zu formulieren, hat es viele Monate gedauert und, so die WUC-Mitarbeiterin Jana Brandt, "es war sehr harte Lobbyarbeit, das Parlament überhaupt so weit zu bringen."
Ershidin Israel übrigens wurde vor sieben Tagen, am 31. Mai, von der kasachischen Regierung an China ausgeliefert. Und Gülnihal Ablets Asylgesuch wurde soeben abgelehnt.
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(SZ vom 07.06.2011/pak)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Wichtig zu erwähnen ist :
die Zentralregierung in Peking hat absichtlich dieses Gebiet als Atombomben Test und -Abwurfgebiet erklärt !
Versucht doch mal ein Visum für diese Region zu bekommen !
insbesondere für die Dörfer !
1990 wurde nach einem "Uigurischen Frühling" 3000 in einem Sportstadium in aller öffentlichkeit mit einem Genickschuß hingerichtet.
zu den vorrednern kann ich nur sagen: nicht nur Israel hat bezahlte Lobby schreiber . . .
Es wundert mich, dass die SD Artikel von Autoren publiziert, die
a. augenscheinlich keine Ahnung vom Thema haben und
b. ideologisch voreingenommen sind
1." Die Uiguren sind ein Turkvolk, das im Osten Chinas lebt"
Xinjiang liegt also irgendwo zwischen Peking und Schanghai....
Diese GeographieUNkenntnis hat die Redaktion ja mittlerweile gerade gebogen.
In der Provinz Xinjiang leben aber nicht nur Uiguren,
sondern auch viele andere Voelker, z.B. die Kasachen.
2."Schon im Namen der Provinz macht China keinen Hehl aus seiner Annexionspolitik: "
Diese Unterstellung ist an den Haaren herbeigezogen und zeigt, dass Herr Rühle sich ueberhaupt nicht mit der Geschichte der Region befasst hat.
3. "Die Uiguren werden den Han-Chinesen gegenüber auf allen Ebenen benachteiligt. von freier Meinungsäußerung, Religionsfreiheit und einem gerechten Bildungssystem können sie nur träumen."
Womit begruendert Herr Rühle die fehlende Religionsfreiheit ?
Was ist mit den extra Punkten fuer Minoritaeten an chin. Universitaeten ?
Herr Rühle weiss anscheinend hier auch nicht Bescheid,
und klaubt hier und da Beispiele heran, um sein Meinungsbild zu zementieren.
4."An uigurischen Universitäten, Schulen und Kindergärten ist Han-Chinesisch offizielle Unterrichtssprache."
Und was ist daran bitte schlecht ?
Umgekehrt sollen in Deutschland die "Tuerken" aber
unbedingt anstaendiges Deutsch koennen.
5."Danach wurde Xinjiang für 10 Monate von der Außenwelt abgeschnitten, kein Internet, kein Handynetz,..."
Das sind auch wieder aufgebauschte Halbwahrheiten.
Das Mobilfunknetz war nur fuer Anrufe aus dem Ausland nach Xinjiang gesperrt, innerhalb Chinas konnte man XJ problemlos erreichen.
6."Als er zwei Jahre alt war, wurde sein Vater, der Dichter Ai Qing, zusammen mit der Familie für 18 Jahre in den äußersten Westen des Landes deportiert - nach Xinjiang, ins Land der Uiguren."
Nach all den Un- ud Halbwahrheiten, die hier geschrieben wurden,
bezweifele ich auch die "Deportation". Der Autor sollte sich Mal mit der Geschichte des Landes und insbesondere der Region vertraut machen. Auch ist XJ nicht das Land der Uiguren.
Liest man solche Artikel, so ist es nicht verwunderlich,
dass die chin. Regierung viele westliche Reporter gaengelt.
Singkiang: bis 1754 war das "neue Land" schlicht und einfach die --> Westmongolei, bewohnt von, genau: Mongolen. Dann wurde das riesige Gebiet von China militärisch erobert und die ansässige Bevölkerung, tja, ausgerottet . Kollektiv-schmerzliches Gesichtverziehen aller Chinabesoffenen: Riesenkultur, Riesengeschäfte und die tiefen Sünden des Westens in der Kolonialzeit... da darf man doch nicht... doch doch!
Die Ansiedlungs- und Kolonisierungsträume der Kaiser von AD 1754 funktionierten aber nicht: die Chinesen hatten kaum Interesse, in diese landwirtschaftlich uninteressanten Gebiete (Halbsteppe/Steppe/Wüste) zu ziehen, mit Ausnahme weniger Flußtäler und Marktflecken. So "sickerten" nach und nach andere Völker mit der Gegend angepassten Lebensformen (Nomaden, Pferdezüchter) in die JETZT weitgehend unbesiedelten Gebiete ein. Vor allem die Uighuren.
***
Bis ins 18. Jhdt. gehörten all die landwirtschaftlich uninteressanten Gebiete (Halbsteppe/Steppe) im Norden und Westen nie zu China, sondern waren "Pufferzonen" zu "unruhigen" Nachbarn. Mit Ausnahme der Tangzeit (7.-10. Jh.), die die Seidenstraße in Teilgebieten militärisch sichern wollten, waren diese Gebiete vorher und nachher nie unter chinesischer Herrschaft.
Im 18. Jhdt.eroberte die neue (Mandschu-) Dynastie dann all diese Gebiete, einfach weil mans konnte: zur Mehrung des militärischen Ruhms. Mit den "unruhigen" Völkern räumte man meistens ein- für allemal auf - durch Ausrottung.
Bis zu den Atom- und Rohstoffträumen seit 1950 blieben die "neuen" Gebiete ein reines Zuschußgeschäft. Alle Kaiser in den 2000 Jahren zuvor (ex-Tang) wollten sich mit ihrer militärischen Sicherung nicht finanziell belasten - kluge Leute.
Bei allem kommunistisch pflichtgemäßem offiziellen Antifeudalgerede findet das heutige hypernationalistische China diese "große" Zeit der letzten Dynastie im 18. Jh. janz doll, denn:
nie war "China" flächenmäßig größer. Bis heute stellen diese Maximalgrenzen mit den frisch vereinleibten Nachbarvölkern (bzw. was man davon übrig liess) die Wunschgrenzen von Chinas Regierung dar, alles "heilige Erde".
Die "nationalen Minderheiten" braucht man nicht, alles potentielle Feinde eine rassistischen Diktatur.
-- Die Unterdrückungs- und gelegentliche Ausrottungspolitik des aktuellen Chinas hat also eine 300jährige Tradition.
NB das Lamentieren der Chinapropaganda über die schlimme Unterdrückung/Semikolonialisierung durch den böh-szen Westen (1860/1949)
"Die Uiguren sind ein Turkvolk, das im Osten Chinas lebt, in einer Gegend, die viereinhalb mal so groß ist wie die Bundesrepublik, 1949 okkupiert wurde und seither offiziell Autonomes Gebiet Xinjiang heißt."
Sorry, Herr Rühle, Xinjiang liegt im Westen Chinas.