China-Konzerte von Bob Dylan "Wir spielten, was wir wollten"

Bob Dylans diplomatischer Umgang mit Regierungen erlaubte ihm schon, vor dem Papst und in der DDR zu spielen. Über Auftritte in China gab es unterschiedliche Gerüchte - die Dylan jetzt klarstellte.

Von Camilo Jiménez

In seinen Rolling-Stone-Zeiten hätte er eine Bühne gesucht, irgendeine Pressekonferenz oder einen befreundeten Journalisten, um über die Öffentlichkeit zu ätzen. Heute setzt sich Bob Dylan, 69, vor einen Bildschirm und schreibt seine Gedanken in seinen Blog. Am Freitagmorgen hat er da auf die "sogenannte China-Affäre" reagiert, also auf seinen Auftritt in Peking im vergangenen April und eine angeblich abgelehnte Präsentation ein Jahr zuvor.

Bob Dylan und die Auftritte in China: Die Musiklegende sorgte via Blog für Aufklärung.

(Foto: dapd)

In einem kurzen Post mit dem Titel "To my fans and followers" schreibt er, die Affäre laufe seit mehr als einem Jahr, weshalb er einiges richtig stellen wolle. Zahlreiche Medien hatten behauptet, dass Bob Dylan mit seiner Band in Peking habe auftreten wollen, aber keine Genehmigung erhielt. Als Monate später bekannt wurde, dass er dort 2011 spielen würde, kamen Journalisten des Magazins Billboard zu dem Schluss, Bob Dylan hätte sich dem Regime und dessen Zensur gebeugt.

Dylan streitet dies vehement ab. "Uns wurde nie eine Genehmigung verweigert, in China aufzutreten", schreibt er. Verantwortlich für die falsche Nachricht sei ein chinesischer Promoter gewesen, der damals versucht hätte, ihn im Rahmen einer Asien-Tour nach China zu bringen. Möglicherweise habe der Promoter schon Tickets gedruckt, bevor er eine negative Antwort bekam, mutmaßt Dylan. "Um seinen Kopf zu retten, behauptete er, ein chinesisches Ministerium habe uns nicht erlaubt, dort zu spielen."

Auch den Redakteuren des Magazins Mojo widerspricht Dylan. Diese hatten berichtet, dass ausschließlich US-Amerikaner das Pekinger Konzert besucht hätten und dass viele Sitzplätze leer geblieben seien. Die Mehrheit der Anwesenden seien junge Chinesen gewesen, kontert Dylan. Von 13 000 Plätzen seien 12000 verkauft worden, die übrigen Tickets habe er an Waisenhäuser verschenkt. Die chinesische Presse, schreibt er weiter, hätte ihn wie eine Ikone der sechziger Jahre präsentiert. Was das bedeute, habe das junge Publikum möglicherweise nicht gewusst. Auch nicht, welche seine früheren und welche seine jüngsten Songs sind.

Die Vorwürfe von Menschenrechtsaktivisten, Dylan habe die Setliste vor den geplanten Auftritten in Peking und Shanghai von Zensurbehörden absegnen lassen, seien falsch. Das Regime habe zwar nach den Titeln der Songs gefragt, die er spielen wollte. Aber da es "keine logische Antwort" auf eine solche Aufforderung gebe, habe er eine Liste der Lieder geschickt, die er auf seinen letzten Konzerten gespielt hatte. "Wenn Songs, Verse oder Zeilen zensiert wurden, habe ich das nicht erfahren", schreibt Dylan. "Wir haben alles gespielt, was wir spielen wollten." Vermisst wurden vor allem die Protestsongs "Blowin' in the Wind" und "The Times They Are a-Changin'".

Dylans diplomatischer Umgang mit Regierungen erlaubte ihm schon, vor dem Papst sowie 1987 in der DDR zu spielen. Man fragt sich, was das größere Symbol ist: Dylan oder seine Lieder. So lange er noch lebt, erübrigt sich die Frage.