Druck, Zwickmühle, Zensur: Die Chinesische Regierung verhindert den Auftritt einer regimekritischen Autorin bei der Frankfurter Buchmesse.
China beginnt, die Frankfurter Buchmesse nach seinen Vorstellungen zu organisieren. Mit massivem Druck auf die Veranstalter verhinderte das diesjährige Ehrengast-Land jetzt den Auftritt einer regimekritischen Autorin. Dai Qing, die bekannteste Umweltjournalistin Chinas, die in Peking Publikationsverbot hat, war zu einem Symposium im Vorfeld der Buchmesse eingeladen worden. Nein, sagte Chinas oberste Zensurbehörde - die Frankfurter knickten nun ein.
Die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse in der Klemme: Sie standen vor der Wahl, der Delegation aus Peking oder der umstrittenen chinesischen Autorin Dai Qing abzusagen. Nun muss Qing fernbleiben. (© Foto: AP)
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Das Symposium namens "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit" soll an diesem Wochenende im Institut Cervantes in Frankfurt stattfinden. Dabei solle die "Problematik des Gastlandes China auf der kommenden Buchmesse vorweggenommen werden", sagt einer der Mitveranstalter. Die Buchmesse, das deutsche PEN-Zentrum und das chinesische "Ehrengastkomitee" wollten diese Diskussion gemeinsam ausrichten. Doch an Dai Qing hat sich nun ein Streit entzündet, der für Chinas Auftritt auf der Buchmesse im Oktober nichts Gutes verheißt.
Die Chinesen hätten "unmissverständlich erklärt, wenn Frau Dai Qing auftaucht, dann ziehen sie sich voll zurück", sagt Peter Ripken, der zuständige Projektleiter der Buchmesse. Man befinde sich in einer "Zwickmühle", weil in diesem Fall die komplette zehnköpfige offizielle Delegation aus Peking nicht anreisen wolle. Per E-Mail überredete daher die Frankfurter Buchmesse die Autorin, an dem Symposium nicht teilzunehmen. Sie solle stattdessen im Oktober kommen. "Es ist ganz klar geworden, dass die Frankfurter Buchmesse der chinesischen Regierung diesmal nachgegeben hat", sagt Dai Qing.
Besonders peinlich ist die erfolgreiche Kraftprobe der Chinesen für das PEN-Zentrum, das sich als "Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller" bezeichnet. Bis zuletzt hatte dessen Generalsekretär Herbert Wiesner um ein Visum für die umstrittene Autorin gekämpft. Eine erste Einladung für Dai war von der Messe ausgerechnet an die chinesische Regierung geschickt worden, die sie jedoch nur postwendend nach Frankfurt zurückschickte.
Noch am Mittwoch war das PEN-Zentrum mit deutschen Diplomaten in Kontakt, um Dai Qings Anreise doch noch zu ermöglichen. Eine neue Einladung per E-Mail reiche möglicherweise aus, um ein Express-Visum auszustellen. "Doch diese Einladung kommt einfach nicht von der Frankfurter Buchmesse. Sie müssen Herrn Ripken fragen, warum", sagt Wiesner. "Da wird der Schwarze Peter herumgeschoben", verteidigt sich Ripken, und gibt ihn seinerseits an die Deutsche Botschaft in Peking weiter. "Unser Starautor Wang Hui wartet seit 30 Tagen vergeblich auf sein Visum. Das Problem ist eben manchmal die Deutsche Botschaft", sagt Ripken.
So will es keiner so richtig gewesen sein, obwohl sehr offensichtlich ist, dass allen Beteiligten ein Fernbleiben der offiziellen Chinesen äußert unangenehm wäre. Nun rächt sich die Strategie, dass die Buchmesse für Chinas Gastauftritt im Oktober ausgerechnet mit der obersten Zensurbehörde des kommunistischen Landes kooperiert. Die Pekinger "Behörde für Presse und Publikation" (Gapp) stellt das Ehrengastkomitee, das 100 dem Regime genehme Literaten nach Frankfurt schicken wird. Gapp-Generaldirektor Zhang Fuhai teilte den Veranstaltern der Buchmesse höchstpersönlich mit, dass diesmal entweder Dai Qing oder die offizielle Delegation komme. Er setzte sich durch.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 10.9.2009/jebe)
verliert der Kommerz an Attraktion. Und wer kurzfristige Ziele zur persönlichen Bereicherung vorzieht, vergisst seine Kinder, seine Werte.
Statt für die Meinungsfreiheit einzutreten knickt die Buchmesse d.h. die deutschen Verleger vor einer Zensurbehörde ein.
Was wäre denn so schlimm dran, wenn die offizielle Delegation aus China inklusive der 100 Regimelobhudler nicht käme? Natürlich gäbe das einen Skandal, aber der würde ja wohl auf China zurückschlagen und nicht auf die Buchmesse.
Unverständlich ist auch, welche Geschäfte sich die deutschen Verleger mit China erhoffen die dann nicht Zustande kämen. Wenn, dann möchten die deutschen Leser wohl in erster Linie die kritischen chinesischen Autoren lesen und nicht die regimekonformen.
schon verkommen, der Literaturbetrieb knickt vor dem Unrechtssystem der Rot- Chinesen ein -mir fällt daszu nur folgendes ein "PFUI DEIBEL"