Nachdem Schmidt und Pocher für ihre ARD-Sendung mit Lady "Bitch" Ray tüchtig Prügel bezogen haben, hatten sie nun Charlotte Roche zu Gast.
Ja, das Öffentlich-Rechtliche ist auf Privatfernseh-Niveau angelangt. Harald Schmidt und Oliver Pocher traten in der Nacht zu Freitag einmal mehr an, dies zu beweisen: Pocher hielt gleich zum Start der Sendung seinen Hintern in die Kamera, Gott sei Dank noch angezogen, lieferte später eine denkbar schlechte Oli-Kahn-Parodie ab und tat auch sonst wenig, was seinen Job rechtfertigen würde.
"Ich traue mich nicht, mich als Schriftstellerin zu bezeichnen": Charlotte Roche. (© Foto: ddp)
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Schmidt trat die Flucht nach vorn an und witzelte zum Thema Heuschrecke: "Moment! Wir meinen das Tier, nicht unseren Arbeitgeber. Wir sind zwar nicht bei den Privaten, aber beim Öffentlich-Rechtlichen weiß man ja auch nicht, wer dahintersteckt." Und beim besten Witz des Abends lachte aus dem Publikum leider niemand: "Wieso sollten wir Spinnen abschaffen? Das sind doch so nützliche Tiere?" Pocher: "Ja, aber unangenehm, wenn man sie im Haus hat." Schmidt: "Man muss sie ja nicht ins Haus lassen, es gibt ja Parkplätze."
Das Publikum ist also auch nicht mehr das, was es mal war. Und die Öffentlichkeit, ja, die Öffentlichkeit zieht es nun ebenfalls vor, laut über die ARD-Sendung "Schmidt und Pocher" zu schimpfen, seit Lady "Bitch" Ray dort zu Gast war. Wir erinnern uns: Die Rapperin hatte im April die beiden Herren in ihrer Sendung mit einem ungewöhnlichen Geschenk (Intim-Sekret) verblüfft und auch sonst kein Blatt vor den Mund genommen. "Ekelerregend" empörte sich jüngst eine Rundfunkrätin über den Auftritt - und warf Schmidt und Pocher vor, sie hätten die heikle Sendung geschickter moderieren sollen.
Was macht man also? Man lädt eine alte Bekannte ein, die sich bisher nie für einen Gag zu schade war, von der man weiß, dass sie Medienerfahrung mitbringt und deshalb zwar gerne, dafür aber nie unangemessen über die Stränge schlagen würde, die außerdem Autorin ist, auch wenn sie sich nicht als solche bezeichnen würde, und die aber eigentlich über dasselbe Thema spricht wie der zuletzt genannte Gast. Mit anderen Worten: Mit Charlotte Roche sollte nichts schiefgehen.
So war es denn auch. Im braven dunkelblauen Blümchen-Kleid mit geübtem Augenaufschlag ließ sich die Ex-Viva2-Moderatorin von Harald Schmidt vor allem feiern: "Dein Buch ist 600.000-mal verkauft worden, seit Wochen Platz eins der Bestsellerliste, eine liebe Freundin von uns ist auf dem Weg zum Nobelpreis - alles andere wäre eine Schweinerei", kündigte er sie an.
Ob sie der Erfolg überrascht habe? "Unfassbar, ich bin immer noch in einem Schockzustand", säuselte die 30-Jährige. Zwölf Jahre lang sei sie beim Fernsehen die Quoten-Loserin gewesen und habe sich eingebildet, was sie dort mache, sei zu schlau für die Massen. "Was mache ich nun mit diesem Buch?"
Ob sie sich selbst als Schriftstellerin bezeichnen würde? "Ich traue mich das nicht", so die Antwort. Sonst käme sie sich "arrogant und abgehoben" vor: "Ich wollte tatsächlich nur ein Buch schreiben, das euch beiden gleichermaßen gefällt, mit den beiden großen Themen Muschi und Hämorrhoiden." Was offenbar das Stichwort für Schmidt war, aufzudrehen: "Ich weiß nicht, ob du das wusstest, so sollten wir ursprünglich heißen! Aber Marianne und Michael haben den Titel nicht freigegeben."
Also ließ auch Charlotte Roche ihrer Laune freien Lauf und warf in die Runde, dass ihr als Engländerin vorgeworfen werde, sie führe den Zweiten Weltkrieg weiter, indem sie in Deutschland solche Bücher veröffentliche.
Schließlich ließ Schmidt sich noch über seine Favoritin für die Rolle der Hämorrhoiden-geplagten und Intimpflege verabscheuenden Romanfigur Helen Memel aus: "Wenn ich Bernd Eichinger wäre, hätte ich Veronica Ferres schon klargemacht."
Mit Pocher dagegen tauschte Roche nur den Handschlag und die Begrüßung: "Wir kennen uns von früher - von diesem Kindersender, für den wir gearbeitet haben" - sagte wohlgemerkt sie. Den Rest des dann doch noch erfrischenden Gesprächs bestritt sie mit Schmidt alleine. Ob's für die Intellektuellen-Variante von Lady Ray dann doch nicht gereicht hat bei Pocher? Womöglich war ihm Charlotte Roche schlicht nicht ordinär genug. Vermutlich hatte er aber einfach nur Angst vor einem neuen Geschenk.
Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/ihe)
Whitney Houstons beste Songs
Alles, was über dieses Buch gesagt wurde, betraf nur die ersten beiden Seiten. Auch ich habe es nicht fertig gebracht, umzublättern.
Sie wollen es nicht begreifen.
Sexualität ist was intimes, was unter anderem zwischen zwei Menschen abläuft.
Und wenn diese beiden es antörnt zu popeln, so ist es diesen beiden unbenommen dies zu tun. Sie müssen es ja nicht machen.
Um es kurz zu machen, es gibt keine ISO oder DIN Norm für Sexualität - Gott sei Dank.
Ich zitierte Sie nicht korrekt, Gerhardt: Sie sprachen davon, dass ich "überkommene" Vorstellungen von Sexualität hätte. Hierzu: Von mir aus. Sie gefallen mir immer noch, meine "überkommenen Vorstellungen": Ich mag es, wenn mein (Sexual)Partner keine stinkenden Füße hat, seine Genitalien sauber hält usw. und mir somit zeigt, dass Rücksichtnahme für ihn eine Selbstverständlichkeit ist. Das Gleiche darf er von mir erwarten.
Ja, ich kann mir keine erotische Situation mit einem Mann vorstellen, der in der Nase popelt, seine Blähungen ungeniert ablässt, sich am Hintern und zwischen den Beinen kratzt o.ä. macht. Das finde ich eklig und ich kenne auch keinen einzigen Mann, der ein solches Verhalten bei einer Frau sexuell faszinierend fände.
Das sind übrigens alles Verhaltensweisen, die man eigentlich einer Beziehung zuschreiben würde, die längst am Ende ist: der Beziehung, in die das sich-gehen-Lassen Einzug gehalten hat und ihr den Todesstoß versetzt.
@Gerhard, verstehe ich Sie richtig: Weil ich Scheidensekret hinterm Ohr und Menstruationsblut am Griff der Fahrstuhltür des Krankenhauses und weitere unreif-kindisch-verklemmte "Befreiungsversuche" zu Lasten der Allgemeinheit alles andere als sexuell stimulierend, sondern im Gegenteil ausgesprochen eklig, abtörnend und unglaublich ungezogen und asozial finde, bin ich nicht mehr "zeitgemäß"?
Ja von mir aus. Gern. Danke für das Kompliment.
Hm, kann das sein, das Sie eine überkommene Vorstellung von Sexualität haben?
Paging