Ein Album wie eine Zufallswiedergabe: Weil die drei New Yorker den Stilmix zum Credo erheben, wird ihre neue CD zur Grabbelkiste für jederman.
"Jedes Mal wenn wir ein Album machen, wollen wir das ultimative Mixtape zusammenstellen", betont Jeff DaRosa und verweist auf die Zufallswiedergabe bei iPod&Co. "Ich will, dass du dich mit unserem Album so gut fühlst, dass du nicht hin und her springst, weil dich jeder Song so packt". Auch mal ein Ansatz. Wenn auch kein außerordentlicher.
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Leben in New York - für die drei Herren von The Exit zwischen "beschissen" und völlig normal. (© )
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Der zweite Langspieler von The Exit ist dann auch tatsächlich ein buntes Sammelbecken der Musik-Stile, Stimmungs- und Tempowechsel und Spannungsbögen.
Auf "Home for an Island" ist jedenfalls genug Platz für zwei recht gegensätzliche Auffassungen von Songwriting - Grundlage für jedes echte Mixtape.
DaRosa ist nicht nur Bassist bei The Exit, sondern zusammen mit Bandkollege Ben Brewer (Gitarre) gleichzeitig und gleichberechtigt für Texte und Gesang zuständig. Das New Yorker Trio vervollständigt Schlagzeuger Gunnar.
Die Arbeitsteilung zeigt sich gerne dort, wo der eher introvertierte DaRosa die Federführung übernommen hat, bzw. Brewer forsch den Ton angibt - ein steter Wandel zwischen Dur und Moll, leichter Melancholie und druckvollen Vorwärtsdrangs, ein bisschen Folk und Dub Reggae oder direkten Gitarrenbrettern. Irgendwo zwischen der Verarbeitung persönlicher Befindlichkeiten, einem Hauch sozialkritischer Beurteilung des Hier und Jetzt ("So leave then") und Liebesliedern ("Darlin").
"Wouldn't it be nice if we just press restart in life?" ("Already gone") - ist als Lebensgedanke zumindest nicht wirklich schlecht.
Das Schöne und Überzeugende bei "Home for an Island" ist, dass The Exit sich bei diesem Experiment nicht im Nirwana der Möglichkeiten verlieren, sondern ein abwechslungsreiches und in sich doch sehr harmonisches zweites Album zusammengestellt haben. Da verzeiht man, dass das Ganze nicht mal an der Stundenmarke kratzt. Ein guter Mix sollte eben auch keine Längen haben. Das haben die Jungs schon drauf.
Ob die drei US-Amerikaner gleich zu Beginn zielstrebig und kraftvoll nach vorne preschen ("Let's go to Haiti"), oder sich über Hooks, Breaks und sanfter Stimmlage zum satten Brecher vorarbeiten ("The sun will rise in Queens"), ist eine Entdeckungsreise, die durchaus mehrere An- und Durchläufe braucht, bevor sie richtig zündet. Macht nichts. Kommt dann gut.
DaRosa und Brewer verfügen zwar über ein durchaus ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis, es liegt ihnen aber fern, Patentlösungen anzubieten. Bespielt wird einfach das Hier und Jetzt. Fertig.
"I left my home for an island / where rebels fly in on airplanes /.../ It's a feeling we're missing and I ain't your hero I only know how to survive".
Grundlage des Albums: "Ein beschissenes Jahr", erklärt DaRosa. "Ich war 21 und hab das erste Mal in meinem Leben allein gelebt und das in New York City. Ich hab mich in meinem Zimmer verkrochen, auf meiner Gitarre gespielt und mit niemandem gesprochen." Ist das nun wirklich traurig? Irgendwie auch wieder nicht.
Denn wenn "Home for an Island" das Ergebnis eines "beschissenen Jahres" war, stellt sich die Frage, ob man den Dreien auch auf dem Weg zum dritten Album zur Abwechslung eine Glückssträhne wünschen soll - oder vielleicht auch nicht.
The Exit, "Home for an Island" (Red Ink Music/Some Records)
1. Don't push 2. Let's go to Haiti 3. Back for the rebels 4. Home for an island 5. Pressure cooker 6. Tell me all again 7. The sun will rise in Queens 8. Soldier 9. Warm summer days 10. Darlin 11. So leave then 12. Already gone
(sueddeutsche.de)
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