Von Caroline Daamen

Verkopft, vertrackt oder doch so einfach gestrickt wie ein AC/DC-Stück? Wenn Pearl Jam aufspielen, schwingt jede Menge Erinnerung mit. Und immer auch die Chance auf einen Hit.

Was, mit Verlaub gesagt, macht man heutzutage mit den Vertretern des guten alten Grunge? Als Mitglieder im Club der ewig Gestrigen einstufen, taktvoll übergehen und sich den Gitarren-Bands der Jetzt-Zeit zuwenden oder aufgrund des unverwüstlichen Seattle-Nimbus' gleich in die Kategorie "unantastbar" einsortieren? Schwer zu sagen.

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Pearl Jam 2006: Aufgeräumt, kritisch und vor allem: Spielfreudig. (© Foto: Danny Clinch /SonyBMG)

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Doch es gibt Momente, in denen man in diesen Kategorien gar nicht denken will. Und auch nicht muss. Weil man sich wohl fühlt, im Hier und Jetzt, mit Musik, die durch Zeitlosigkeit und echte Intensität besticht.

Die Band: Pearl Jam. Titel des Albums: Pearl Jam. Genau, die Pearl Jam, die Anfang der 90er mit den Nachbarn aus Seattle die Szene ordentlich durchrüttelten. Während Nirvana und vor allem Kurt Cobain nach dessen Selbstmord zur Ikone einer neuen Musikwelt wurden, machten PJ einfach weiter. Und mussten einige Kritik einstecken.

Mittlerweile sind 15 Jahre Band-Geschichte und acht Studio-Alben zusammengekommen. Das anfängliche Massen-Phänomen Pearl Jam zu Zeiten von "Ten" und "Vs." ist über die Jahre ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Manches war einfach zu sperrig, zu verkopft, wie es so schön heißt.

Und gleichzeitig so schön - gedacht sei nur an Schmückstücke wie "Given to fly" von "Yield" (1998), "Light Years" von "Binaural" (2000) oder auch "I am mine" vom letzten Studioalbum "Riot Act" (2002).

Dennoch: So massentauglich wie zu Beginn war das nicht mehr. Und damit genau im Fahrplan, weil den Freunden aus Seattle besonders der schnelle Ruhm unheimlich geworden war.

Auch ein Grund, weshalb die Herren um Frontmann Eddie Vedder eigensinnig genug sind, nur dann Musikvideos zu produzieren, wenn ihnen der Sinn danach steht. Was recht selten der Fall ist. Große Promotion in eigener Sache liegt ihnen nicht. Dafür steht den treuen Anhängern über den Fan Club stets die Tür offen für spezielles oder freies Material. Denn Vedder, die Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready, Bassist Jeff Ament, Drummer Matt Cameron und Keyboarder Boom Gaspar machen vor allem eines: Musik für die Fans.

Alles andere ist Gelassenheit. "Wir hatten ziemlich viele Hochs hinsichtlich unserer privaten Beziehungen und unserer Live-Auftritte", findet Gitarrist Gossard, "aber wenn es darum geht, wie uns die Welt draußen wahrnimmt, da gibt es für uns vielleicht noch die Möglichkeit, einen Hit zu landen. Aber wenn es nicht in diesem Jahr ist, dann vielleicht im nächsten. Man weiß es nicht."

Ein Hit.

Warum eigentlich nicht. "Pearl Jam" trumpft mit den üblichen Pearl Jam-Assen auf: Aggressivität, griffige wie direkt Ansagen und dabei jede Menge Gefühl.

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