Ein klassischer Fall von Kumpel-Nummer. Und doch kommen Snow Patrol damit durch. Weil sie sich nicht daran halten, dass eine Ballade nur traurig zu sein hat.
Vorsicht, Melancholie! Melodien mit Weichspül-Effekt.
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Mit offenen Augen durchs Leben: Snow Patrol. (© )
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Das muss man vorausschicken, bevor sich jemand an Snow Patrol heranwagt. Sonst könnte es schnell schwierig werden. Vor allem, wer mit Musik von Coldplay oder Keane Probleme hat, sollte die Finger von den irischen Schotten lassen.
So viel zur Vorwarnung. Und vergleichenden Werbung. Denn es ist durchaus nicht so, dass Snow Patrol es sich in der Heckwelle von Chris Martin & Co. bequem gemacht hätten. Im Gegenteil.
Die Briten, seit 2005 mit zwei Umbesetzungen am Bass und an den Keyboards, sind bereits seit Mitte der 90er unterwegs und haben mit "Music for Polar Bears" 1998 ihren ersten Longplayer unters Volk gebracht. Doch wirklich Notiz von Snow Patrol nahm die Welt der Chart-Platzierungen und Album-Verkaufszahlen erst im Jahr 2003, als Sänger und Chef-Schreiber Gary Lightbody und seine Mannen "Final Straw" vorlegten. Und die Single "Run", mit der sie sich ganz nach vorne in die Liga der Melancholie-Melodiker spielten. Nicht einfach so, sondern mit einigem Anlauf über die Jahre und einem harmonischen Gesamtwerk.
Im Anschluss daran: Touren. Mit U2 und selbstverständlich waren sie auch bei Live 8 mit dabei. Die politischen Ansichten heben sich Lightbody und seine Mitstreiter allerdings für Interviews und öffentliche Auftritte auf - Politisches ist auf den Platten nicht zu finden. Auch auf "Open Eyes" nicht.
Dann schon eher Eindrücke über die wenig glücklichen Beziehungsgeschichten des Frontmannes aus Belfast, der sich 1994 mit Schlagzeuger Jonny Quinn in Dundee aufmachte, eine Band zu gründen. Doch so hoffnungslos schwermütig die Texte von Lightbody auch sein mögen - die Musik dazu überrascht mir einer feinsinnigen Leichtigkeit, wo Coldplay und Keane oftmals in Pathos versinken.
Wenn Lightbody in "Shut your eyes" darüber sinniert, dass der Kummer immer größer wird, purzeln und perlen die Loops, singt und klatscht der Chor im Takt. Das klingt für sich betrachtet fürchterlich überladen, funktioniert aber trotzdem. Oder gerade deswegen. Diese geballte Ladung an Emotionen gibt Rätsel auf, weil der Rhythmus häufig so unbeschwert ist, wo es die Inhalte nicht sind. "You could be happy" wird - eigentlich ein Unding - mit Glockenspiel eingeläutet: "Don't think, just do". Also nicht weiter drüber nachdenken, nur zuhören.
Lightbody: "Es gibt Bands, die prahlen gerne, Bands, die sich einem aufzwingen. Und dann gibt es Bands, die einen auf eine ganz andere Art erreichen. Ich glaube, dass es etwas mit dem Wesen der Musiker zu tun hat. Dass es ein Intimitäts-Ding ist. Es fühlt sich dann fast schon so an, als ob man mit ihnen befreundet wäre. Ich glaube, dass wir so eine Band sind."
Genau. Die Kumpel-Nummer. Und sie zieht tatsächlich.
Und wer nach einem Nachfolger für "Run" sucht, ist mit der Ballade "Chasing Cars" auch ganz gut bedient. Ebenfalls Hitparadentauglich: Die erste Auskopplung "You're all I have".
Besser noch: Lightbody im tieftraurigen Duett mit Martha Wainwright in "Set the fire to the third bar": "There is no peace that I found so far / the laughter penetrates my silence". Melancholie in Großbuchstaben. Nicht für jederman geeignet.
Snow Patrol, Open Eyes (Universal)
1.You're all I have 2. Hands Open 3. Chasing Cars 4. Shut your eyes 5. Beginning to get to me 6. You could be happy 7. Make this go on forever 8. Set the fire to the third bar 9. Headlights 10. Open your eyes 11. Finish line
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