Ihr Album "Jukebox", das große Songs der Musikgeschichte in neue Formen gießt, rettet die Ehre der Cover-Version: die amerikanische Rocksängerin Cat Power.
Seit einigen Jahren gehört Charlyn Marshall, die ihre Platten unter dem Künstlernamen Cat Power veröffentlicht, zu den besten Bühnensängerinnen ihrer Generation. Zwar unterbricht sie ihren Vortrag immer wieder, weil sie von Panikattacken und Ticks geplagt wird.
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Viel besser als die Band Nouvelle Vague: Cat Power. (© Foto: oh)
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Doch gerade weil sie ihre Bühnenängste pflegt, die manchmal die Form eines ausgeprägten Tourette-Syndroms annehmen, wirkt die Emotionalität in ihrer Stimme so ausdrucksstark und überraschend. Und weil sie dabei auch noch so aussieht wie eines jener "It-Girls" aus Andy Warhols Factory, wirkt sie wie ein Transplantat aus den Hoch-Zeiten der Rockmusik vor vierzig Jahren.
Gerade deswegen ist es gewagt, dass Cat Power nun mit "Jukebox" ein Album vorlegt, das fast ausschließlich aus Coverversionen besteht, denn sie ist wirklich keine modische Retronummer. Nun waren Coverversionen in der Popmusik schon immer eine Gratwanderung. Nicht die Raubzüge der frühen Rocker im Soul und Blues, sondern die Coverversion als Referenz, Hommage oder Statement.
Aus Dur wird Moll
Und seit das Nachspielen fremder Lieder bei Konzerten junger Bands zum Wettbewerb um das raffinierteste Verständnis von Ironie um Hippness geworden ist, kann man es sich kaum noch leisten, solche Anleihen auch noch aufzunehmen. "Jukebox" ist in diesem Kontext gerade deswegen interessant, weil Cat Power mit schuld daran ist, dass junge Musiker so ehrgeizig mit ihrem historischen Popwissen brillieren wollen.
Vor sieben Jahren hatte die heute 35-jährige Sängerin mit ihrem fünften Album voller Coverversionen ihren Durchbruch hatte. In Amerika war das die Zeit, als sich der Independent-Rock totgelaufen hatte, Elliott Smith, Conor Oberst und Will Oldham die Renaissance des Singer-Songwriter-Genres vorbereiteten und jeder, der etwas auf sich hielt alte Platten von Nick Drake und Bert Jantsch hörte. Da elektrisierte sie die Indieszene mit ihren minimalistischen Coverversionen. Sogar "Satisfaction" von den Stones, der abgenutzteste Song aller Zeiten, klang plötzlich zeitgemäß.
Ihr Trick war so einfach wie subversiv. Sie transponierte die Originale in düstere Molltonarten, reduzierte fröhliche Quinten zu melancholisch verminderten Terzen und verschleppte die Phrasierungen mit Backbeats. Damit kehrte sie die Methode um, mit der kommerziell orientierte Bandleader jahrzehntelang anspruchsvolle Popmusik massentauglich gemacht hatten.
Die Fußnote wurde zur Kunstform
Der Weltmarktführer für Hintergrundmusik Muzak L.L.C., Dirigenten wie Herb Alpert und James Last hatten in den sechziger Jahren Songs ihre Schärfe genommen, indem sie Dur-lastige Arrangements unter die Originalmelodien legten, scharfe Akzente verschliffen und die verminderten Septen aus den Akkorden strichen. Was Cat Power nicht abschätzen konnte, waren die Folgen, die ihre Methode haben sollte.
Zunächst wurde die Coverversion zur eigenen Kunstform erklärt. Was früher als dritte oder vierte Zugabe gespielt wurde, war nun Pflicht. Aus der Fußnote wurde eine Kunstform, mit dem man seinem eigenen Werk pophistorische Tiefe oder smarte Ironie verleihen wollte.
Oops!
Wenn Ben Folds dann ein Stück von Elton John spielte, war das eine selbstironische Hommage. Bald aber wurden die Referenzen immer obskurer. Man spielte längst vergessene Stücke von längst vergessenen Stilpionieren wie Big Star, The Babys, oder den Replacements. Oder man übte sich in ironischen Dreisprüngen. Wenn Travis "Oops!... I Did It Again" von Britney Spears als Zugabe spielen, oder die Donnas ein Stück von Kiss, war der Witz eindeutig.
Was es bedeutet, wenn Sufjan Stevens ein Stück von R.E.M. singt, wissen nur noch Eingeweihte. Vor drei Jahren adelte kein geringerer als Johnny Cash die Covermanie mit seinem Album "American IV", auf dem er unter anderen Nine Inch Nails, Depeche Mode und Sting interpretierte. Das allerdings war keine Ironie, sondern eine Anerkennung des jeweiligen Songschreiberhandwerks.
Lesen Sie auf Seite 2, warum Cat Power jetzt schon besser ist als Nouvelle Vague.
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