Vieles sieht gar sehr nach filmstudentischem Mummenschanz aus, nach einem fröhlichen "Wir spielen jetzt hier mal Zentrum der Macht". An dem strebsamen Fleiß wiederum, mit der Stone sich an gesicherten historischen Fußnoten entlanghangelt, erkennt man bald, dass er auch selbst nicht mehr wirklich aus einer Position der Stärke heraus filmt: Einmal zu oft als verschwörungsbesessener Geschichtsverdreher abgewatscht, traut er sich offensichtlich schon lange nicht mehr, seine gefürchtete Imagination von der Kette zu lassen. So aber entgleitet ihm auch die Kontrolle über seinen eigenen Film.
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Über weite Strecken, gerade in seinen vorpräsidentialen Zeiten, erscheint Bush - von dem erstaunlich überzeugenden Josh Brolin mit viel Herz versehen - nun nämlich so, wie auch seine Wähler ihn gerne gesehen haben: als zwar mit Fehlern behafteten, eher erfolglosen Kumpeltypen, der aber dennoch "echt" und quintessentiell amerikanisch bleibt, gern herzhaft in einen Burger beißt (das tut er ständig im Film), sich schließlich zum Guten wandelt und eigentlich nur das Beste will.
Allein im eigenen Albtraum
Als "verwundeten Sünder" bezeichnet ihn sein Pfarrer einmal - und ja doch, so sieht Oliver Stone sich selbst im Grunde auch, da ist er seinem Protagonisten plötzlich ganz nahe.
All die Küchenpsychologie dahinter, Bushs Wut auf den übermächtigen und doch entscheidungsschwachen Vater, seine Eifersucht auf den angeblich von den Eltern mehr geliebten Bruder Jeb, das fügt sich zu sauberen Biopic-Mustern und schmeckt doch durchweg mehr nach Stone als nach Bush.
Keine Frage, das Fazit von Bushs Wirken, auch in diesem Film, ist vernichtend. Am Ende steht der Präsident allein in seinem eigenen Albtraum, komplett ratlos, als Träger einer Last, die er nie hätte schultern dürfen.
Aber Oliver Stone hat offenbar beschlossen, seine Erzählung für sich sprechen zu lassen, dem Urteil der Geschichte nicht vorzugreifen. Letztlich ist George W. Bush so aber gerade nicht zu fassen. Das Ungeheuerliche seiner Amtszeit enthüllt sich erst aus der Perspektive der Wut, die in Amerika gerade um sich greift, deren Energie im Film aber noch weitgehend fehlt.
So erfüllt "W." unfreiwillig dann doch wieder das berühmte "History's Actors"-Diktum aus der Bush-Administration: "Wir sind die Akteure der Geschichte - und euch allen wird nichts als die Aufgabe bleiben, unsere Taten zu studieren."
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(SZ vom 09.10.2008/pak)