Burghart Klaußner über Nazi-Jäger Fritz Bauer "Ohne ihn würde es uns heute schlechter gehen"

Der Habitus des Rauchens: Burkhart Klaußner als der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer.

(Foto: Alamode Film)

Burghart Klaußner spielt im neuen Film von Grimme-Preisträger Lars Kraume den Nazi-Jäger Fritz Bauer - voller Respekt und viel Freude an dessen schwäbischer Mundart.

Von Paul Katzenberger

Burghart Klaußner ist einer der gefragtesten Schauspieler Deutschlands, einer der wenigen, die sowohl auf der Leinwand als auch auf der Bühne regelmäßig Erfolge feiern. Bei Regisseuren ist er beliebt, weil er im Ruf steht, stets der Sache zu dienen und trotz seines schauspielerischen Vermögens keine Ego-Show zu zünden. "Keiner fällt so sichtbar aus der seelischen Balance, ohne mit der Wimper zu zucken", schrieb die Berliner Zeitung einmal.

Timing und Reduktion, das sind Klaußners Stärken, die er nun auch in dem Kinofilm "Der Staat gegen Fritz Bauer" einzusetzen weiß. Er spielt den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der in den Fünfzigerjahren gegen den vielfachen Widerstand des von Alt-Nazis durchdrungenen Justizapparates dafür sorgte, dass Täter des NS-Regimes vor Gericht kamen. Zu seinen Ermittlungserfolgen zählte 1960 die Ergreifung des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann in Argentinien.

Einer, der nachbohrt

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SZ.de: War Ihnen Fritz Bauer als historische Figur bekannt, als sie das Angebot bekamen, ihn darzustellen?

Burghart Klaußner: Fritz Bauer war mir aus meiner Studentenzeit Ende der Sechzigerjahre absolut ein Begriff. Er gehörte zu den Vorbildern meiner Generation, also jenen Leuten, die aus dem Exil zurückgekommen waren, sich nichts mehr gefallen lassen wollten und entscheidend zur Aufklärung der Nazi-Verbrechen beigetrugen. Meine Wahrnehmung von ihm ist also schon sehr lang sehr positiv.

Konnten Sie sich da die Rolle überhaupt unvoreingenommen aneignen?

Das war ein schmaler Grat. Einerseits muss man einer historischen Figur, die man bewundert, Respekt entgegenbringen. Auf der anderen Seite muss man auch aus der Generation erzählen, aus der diese Persönlichkeit stammt.

Können Sie das an einem Beispiel erklären?

Es geht da um Details im Habitus und des Gestus in den Fünfzigerjahren: Wie jemand raucht, welche Kleidung die Menschen tragen, wie die Umgebung aussieht. Die waren ja nicht nur Fritz Bauer so gegeben. Für mich war es hilfreich, dass ich in dieser Zeit ja Kind war und einiges aus der Generation der Väter noch in Erinnerung habe.

Hat es Sie auch gereizt, Fritz Bauer zu spielen, weil er ein recht exzentrischer Mensch war?

Auf jeden Fall. Um mich auf das Casting vorzubereiten, hatte ich mir einen Ausschnitt aus der Sendung "Heute Abend Kellerclub" angesehen, die der Hessische Rundfunk 1964 ausstrahlte, und in der Bauer mit Studenten diskutierte. Seine Art, zu reden, sich zu geben, hat mich tief beeindruckt. Da sprach eine sehr nachdrückliche, sehr ausdrucksstarke Persönlichkeit.

Den Film kann man als Verneigung vor einem Helden betrachten, Sie stellen diesen Fritz Bauer aber abgehärmt und nicht als strahlende Heldenfigur dar.

Das war Bauer ja auch nicht. Er hätte sich selbst nicht als Helden bezeichnet. Er hat schweres Gepäck mit sich herumgetragen. Er saß als Sozialist einige Monate im KZ. Dann kam die Emigration, aber in Dänemark war man auch nicht sicher. Kaum waren die Nazis einmarschiert, ging's weiter nach Schweden. Die meisten Exilanten sind damals im Fischerboot über den Sund gefahren, so wie heute die Flüchtlinge über's Mittelmeer.

Burghart Klaußner: "Die Vorbereitung auf eine Rolle ist immer ein gelebtes Leben."

(Foto: Getty Images)