Auch für fachfremde Gebührenzahler: Die Fußball-Bundesliga ist so spannend wie nie. Was macht eigentlich die ARD-"Sportschau" daraus?
Fußball ist ein komplizierter Sport. Es kommt vor, dass etwa der Stuttgarter Trainer Markus Babbel nach einem souveränen 3:0 des VfB in Köln miesepetrig vor die Kamera tritt und darüber klagt, sein Team habe "grauenvoll gespielt". Oder dass der Cottbusser Kapitän Timo Rost nach einer qualvoll anzusehenden Nullnummer in Karlsruhe glückstrahlend verkündet, er sei "sehr zufrieden" mit der Partie. Nach gängigen Kriterien sind hier entweder die Statements zu ganz anderen Spielen gesendet worden, oder die beiden leiden unter verschärften Wahrnehmungsproblemen. Da aber dem Fußball nur selten mit gängigen Kriterien beizukommen ist, hat das alles unbedingt seine Richtigkeit, und genau da liegt das Problem der Sportschau.
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Vor allen anderen: Die ARD zahlt viel Geld dafür, in der "Sportschau" als Erste über die Bundesliga berichten zu dürfen. (© Foto: dpa)
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Knapp sechs Jahre ist sie nun wieder auf Sendung am frühen Samstagabend, die ARD gibt viel Geld dafür aus, vor allen anderen in Wort und Bild über die Spiele der Bundesliga berichten zu dürfen. Und weil es wirklich sehr viel Geld ist, muss man den Fußball sehr vielen, auch fachfremden Gebührenzahlern nahebringen - knapp 5,5 Millionen schalten, so Redaktionsleiter Steffen Simon, seit Beginn der Rückrunde im Durchschnitt ein, ein Drittel davon sind Frauen, worauf Simon besonders stolz ist.
Die dem Sport innewohnende Irrationalität und weitgehende Unberechenbarkeit steht dem Anspruch, leicht verständliche Unterhaltung für die Massen zu präsentieren, zuweilen im Wege. Wie wenig plan- und inszenierbar die Sache ist, zeigt bereits der jeden Sendeblock einleitende Telefon-Werbespot: Da wirft Franz Beckenbauer vom Fernsehsessel aus den Ball hinein in ein Spiel des Telekom-Hausteams FC Bayern München - zu Nationalspieler Marcell Jansen, der aber seit einer ganzen Weile schon beim Hamburger SV kickt.
Gerade die Ereignisse bei den Bayern in den vergangenen Monaten zeigten die ganze Hilflosigkeit der Redaktion, den einfachen Nenner zu finden in der verwirrenden Eigendynamik dieses Sports. Denn natürlich verkündete der beim Bayerischen Rundfunk ansässige Reporter Bernd Schmelzer frohe Botschaften nach einem 4:0 über Eintracht Frankfurt: Vom "willkommenen Aufbaugegner" nach der Klatsche von Barcelona war die Rede, von der Gelegenheit der Bayern, "ihre Identität wiederzufinden", davon, dass "Plan B für die Zeit nach Klinsmann in der Schublade" bleibe.
Wer genau hinschaute, sah jedoch einen in sich versunkenen Manager Hoeneß, missmutige Fans und alles andere als "frohe Ostern statt rohe Ostern" (Schmelzer) in München: Die Tage des Trainers waren bereits gezählt; durch das schwer durchschaubare, nur bedingt nach messbaren Ereignissen wie Sieg und Niederlage funktionierende Beziehungsgeflecht zwischen Anhängern und Team ging ein Riss. Dass die Sportschau darüber hinwegsah, kann man ihr fast nicht vorwerfen: Etwas, das klingt wie: eine "Antwort der Bayern auf die Schmach in der Champions League", ist besser zu vermitteln als der Umstand, dass in diesem Spiel alles wichtig war, nur nicht das Ergebnis.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie die Zuschauer manchmal für dumm verkauft werden.
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Sportschau? das ist ein ueberholtes modell, denn wer die spiele nicht als konferenz beim bezahlfernsehen sah hat sich zumindest eine konferenz am computer angesehen oder wenigstens bei sport1.de mitverfolgt.
d.h. dass jeder die ergebnisse und die tabelle bereits kennt. man schaut sich das an wegen einingen interviews und um die torszenen zu sehen.