Mehr lüstern als listig

Nur der Mann besaß den Zauberstab, um dieses Frauenleidens Herr zu werden - der Hysterie. Heute ist sie aus der Mode, doch Platon war sich noch sicher: Hysterie gründet in der Gebärmutter, die mangels regelmäßiger Besamung durch den gesamten Weibskörper bis ins Hirn wandert. Im Fin de Siècle gaben Ärzte wie Freuds Ziehvater Charcot regelrechte Shows mit sich grotesk bäumenden Jungfern, die schrien und derart überspannt waren, dass man sie wie ein Brett über zwei Stuhllehnen spreizen konnte. Dieses Phänomen existierte aber nicht nur in der westlichen Welt. In Japan glaubte man die Betroffenen "vom Fuchs besessen" - davon erzählt Christine Wunnike in ihrem hoch konzentrierten und wunderbar absurden Roman, dessen Sprache sie pfiffig mit manch medizinischem Fachausdruck impft. Ihr Held ist ein gewisser Dr. Shimamura, den es wirklich gab. Als er sich bei einer Forschungsreise durch Japans Provinz selbst einen Fuchs einfängt, sucht er mehr lüstern als listig sein Heil in Europa. Was für eine irre Idee. Von ihm und der Autorin. Susanne Hermanski

Christine Wunnicke: Der Fuchs und Dr. Shimamura. Roman. Berenberg Verlag, Berlin 2015, 144 Seiten, 20 Euro.

Bild: Verlag 19. Juli 2015, 12:052015-07-19 12:05:53 © SZ.de/aper