Von Simon Feldmer

Die ARD sucht dringend bessere Quoten im Vorabendprogramm - und bietet nun endgültig reine Kommerzware. Bruce Darnell ist der neueste Coup.

Dass Bruce Darnell manchmal von seinen Gefühlen übermannt wird, darf einen nicht wundern. So eine Karriere kann den stärksten Mann umhauen. Fallschirmspringer bei der US Army, Model auf den Laufstegen der Metropolen, gefragter Choreograph in Paris, Mailand, Tokio: Der gebürtige New Yorker musste einen leicht grauen Haaransatz bekommen, bis er es ins Fernsehen schaffte. Im Jahr 2006 wurde der schlanke Laufstegtrainer in Heidi Klums Castingshow Germany's next Topmodel auf Pro Sieben bekannt. Dort weinte er oft vor Glück.

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Unter dem Namen "Bruce" startet am 12. Februar Bruce Darnells neue Sendung. (© Foto: ddp)

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50 Jahre ist Bruce Darnell mittlerweile alt. Sein Bauch ist ein Waschbrett, sein Bekanntheitsgrad, besonders bei jungen Menschen, knapp unter dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel anzusiedeln. So jemand gehört in die erste Reihe, finden die Strategen der ARD - und haben ihn für ihr Vorabendprogramm eingekauft. Über seinen Marktwert ist sich Darnell im Klaren. Er wirbt für einen Billig-Handytarif, auf seiner Homepage für eine C&A-Kollektion. Dort gibt es T-Shirts mit Darnell-Sprüchen wie ,,Drama Baby'' oder ,,Die Handtasche muss lebendig sein'' zu kaufen.

Laufstegerfahrung für die ARD

Vom 12. Februar an wird Darnell im Ersten um 18.55 Uhr wochentags mit seiner neuen Show, die einfach nur Bruce heißen wird, loslegen. Das Konzept: Darnell will Unzufriedenen mit Styling- und Lebensweisheiten zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen. 20 Folgen sind in der ersten Staffel geplant. Bruce ist dem TV-Genre ,,Coaching'' zuzuordnen, das bisher eher von Pro Sieben bis RTL 2 kultiviert wurde.

Helfen sollen die Laufsteg-Erfahrungen auch der ARD. In der Zeitschiene zwischen 18.50 bis 19.20 Uhr habe das Erste ,,eine echte Schwäche'', analysierte ARD-Programmdirektor Günter Struve kürzlich. Viel wurde in den vergangenen drei Jahren auf diesem Programmplatz ausprobiert: Soaps, Telenovelas und Ratespaß-Reste wie Das Beste aus Verstehen Sie Spaß? Im vergangenen Frühjahr scheiterte dort auch Entertainer Harald Schmidt mit einer Wiederbelebung der Rateshow Psst... .

Allein die Serie Türkisch für Anfänger kam bei Zuschauern und Kritikern an und erreichte in den ersten beiden Staffeln zweistellige Marktanteile in der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Im Gesamtpublikum sackte die Quote auf dem Sendeplatz im vergangenen Jahr jedoch auf bittere sieben bis acht Prozent ab. Das ist zu wenig für die ARD-Lenker, auch weil in der Zeitschiene zwischen 18 und 20 Uhr ein Großteil der erlaubten 20 Werbeminuten am Tag abgespielt wird.

Die ARD-Gemeinschaftsredaktion Vorabend sucht nach Lösungen. Im Juni übernahm Gerhard Fuchs, Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, die Koordination des Vorabendprogramms. Für Fuchs ist Bruce Darnell ein ,,Liebling des jungen Publikums''. Für andere ist Darnell ein ,,letzter Abschiedsgruß von Günter Struve''. So sagt das ein Vertreter der privaten Konkurrenz. Programmdirektor Struve übernahm 1992 den Kampf gegen die Privaten, die mit billigen Werbepreisen und leichter Kost die Vorabendschienen der Öffentlich-Rechtlichen durcheinanderwirbelten.

Das ZDF schob wegen gesunkener Werbeeinnahmen lange einen Schuldenberg von 200 Millionen Mark vor sich her. Doch die Mainzer modernisierten, positiv formuliert, zielgruppengerecht. Heute ist das ZDF-Programm zwischen 17 und 20 Uhr eine Mischung aus Boulevard-Formaten wie Hallo Deutschland und Leute heute, SOKO-Krimis, Nachrichten und ländlich gefärbter Serienkost wie Rosenheim Cops oder Forsthaus Falkenau. Beim Gesamtpublikum ist das ZDF Marktführer in dieser Zeit, bei den jungen Zuschauern haben auch die Mainzer im vergangenen Jahr weiter verloren und kamen bei unter sieben Prozent Marktanteil an.

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