#BrownRibbonCampaign Oscars: Diversitäts-Krise, die Zweite

Eva Longoria, hier beim diesjährigen Filmfestival in Cannes, ruft dazu auf, bei den Oscars auf den Mangel an hispanischen Filmschaffenden aufmerksam zu machen.

(Foto: AFP)

Nach den schwarzen Filmemachern protestieren jetzt auch die Latinos gegen ihre Unterrepräsentation bei den Oscars. Sie haben allen Grund dazu.

Von Luise Checchin

Kurz vor der Oscarverleihung hat Hollywood seinen zweiten Protest-Hashtag gefunden. Zu #OscarsSoWhite gesellt sich #BrownRibbonCampaign. Beide Hashtags sollen auf die mangelnde ethnische Diversität unter den Oscar-Nominierten aufmerksam machen.

Während #OscarsSoWhite sich gegen die Unterrepräsentation schwarzer Filmemacher und Schauspieler wendet, soll #BrownRibbonCampaign einen anderen Missstand anprangern: die eklatante Unterrepräsentation hispanischer Filmschaffender bei den Oscars.

Eva Longoria ruft zum Twittern auf

Prominenteste Unterstützerin der "BrownRibbonCampaign" ist Eva Longoria. Die Schauspielerin mit mexikanischen Wurzeln rief die Gäste der morgigen Oscarverleihung dazu auf, braune Schleifen zu tragen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Zuschauer vor den Bildschirmen sollten zu dem Hashtag twittern. "Ich kann den Tag kaum erwarten, wenn Diversität nicht nur ein angesagtes Gesprächsthema ist, sondern Wirklichkeit, die auf den Leinwänden abgebildet wird", sagte sie.

Allerdings sieht es so aus, als müsse Longoria noch etwas warten, bis sich ihr Wunsch erfüllt.

Nach Berechnungen des Economist gingen seit dem Jahr 2000 nur drei Prozent der Oscar-Nominierungen an hispanische Filmschaffende. In der US-amerikanischen Gesellschaft machen die Latinos derweil etwa 16 Prozent aus. Damit sind sie weit schlechter dran als ihre schwarzen Kollegen. Die haben laut Economist einen Bevölkerungsanteil von gut 13 Prozent und erhielten in den letzten 15 Jahren etwa 10 Prozent der Oscar-Nominierungen.

Die Unterrepräsentation der Latinos erscheint noch eklatanter, wenn man bedenkt, dass diese Bevölkerungsgruppe überdurchschnittlich oft ins Kino geht: 25 Prozent aller Kino-Tickets in den USA werden von ihnen gekauft.

Einige wenige Ausnahmen

Einige prominente Ausreißer gibt es freilich unter den Oscar-Nominierungen. Alejandro González Iñárritu ist dieses Jahr für seinen Film "The Revenant" als bester Regisseur nominiert und könnte damit einer der wenigen sein, die die Auszeichnung zwei Jahre hintereinander bekommen (2015 gewann er mit "Birdman"). Sein Landsmann, der Kameramann Emmanuel Lubezki, könnte den Preis für die beste Kamera sogar schon zum dritten Mal in Folge erhalten.

Und auch unter den Schauspielern gibt es Ausnahmen. Die Spanierin Penélope Cruz war schon drei Mal als beste Nebendarstellerin nominiert, 2009 gewann sie mit "Vicky Cristina Barcelona". Genauso ging es ihrem Ehemann Javier Bardem, der 2008 den Preis für den besten Nebendarsteller mit "No Country for Old Men" gewann.

"Es gibt keine soziale Bewegung"

Auffällig ist, dass keiner dieser prominenten Ausreißer in den USA aufgewachsen ist. Schaut man sich nur US-amerikanische Filmeschaffende mit hispanischem Hintergrund an, sieht die Sache wesentlich düsterer aus. Dann entdeckt man in den letzten 25 Jahren nur zwei Schauspieler, die für einen Oscar nominiert waren, nämlich Rosie Perez und Benicio Del Toro. Del Toro gewann sogar, allerdings nur in der Kategorie bester Nebendarsteller. Das letzte Mal, dass ein US-Amerikaner mit hispanischem Hintergrund einen Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten hat, ist schon 65 Jahre her: 1951 gewann José Ferrer für seine Rolle in "Der letzte Musketier".

Wieso haben es die hispanischen Filmschaffenden in den USA derart schwer? Der amerikanische Filmkritiker Noah Gittell hat dafür eine Erklärung. Der BBC sagte er: "Es gibt keine soziale Bewegung hinter ihnen oder zumindest keine, die so stark wäre, wie die Gleichberechtigungs-Bewegung der Afro-Amerikaner." Außerdem, so die Filmemacherin und Wissenschaftlerin Frances Negrón-Muntaner gegenüber dem Sender, würden die Latinos in den USA immer noch als Ausländer wahrgenommen, denen man nicht zuhören müsse.

Es sieht also so aus als würden Eva Longoria und ihre Anhänger bei der morgigen Oscar-Verleihung viel zu twittern haben.

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