Die "größte redaktionelle Revolution" in der Geschichte der Brigitte soll eine Debatte entfachen: Die Frauenzeitschrift verabschiedet sich von Mager-Models - und sucht die "echte" Frau.
Hanseatisches Understatement geht anders: Um die "größte redaktionelle Revolution" in der Geschichte ihres Heftes zu verkünden, hatten die Brigitte-Chefredakteure Brigitte Huber und Andreas Lebert am Montag zur Pressekonferenz ins Hamburger Schanzenviertel geladen. Zudem, hieß es unbescheiden weiter, werde die Neuerung den "gesamten Frauenzeitschriftenmarkt aufrütteln und eine gesellschaftliche Debatte neu entfachen".
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Zu dünn für die "Brigitte": Ein Model bei der Rosa Cha Fashion Show in New York, 2006. Mager-Models soll es nach dem Relaunch in den Modestrecken der Frauenzeitschrift nicht mehr geben. (© Foto: ap)
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Was die Blattmacher aus dem von der Anzeigenkrise gebeutelten Verlagshaus "Gruner + Jahr" dann vorstellten, ist zwar schon aus manchen Werbekampagnen bekannt und darf getrost, eine Ebene tiefer, als PR-Coup verbucht werden - griffig aber ist es: Von 2010 an will der 14-tägliche Traditionstitel für Fotostrecken keine Models mehr buchen.
Stattdessen sollen in der Brigitte - inklusive aller Beiboote und Onlineportale - nur noch "echte Frauen" gezeigt werden. Damit, so Huber und Lebert, werde den Veränderungen in der Mode Rechnung getragen, die zunehmend "von Schauspielerinnen, Musikerinnen, Präsidentengattinnen" und "Street-Style" geprägt sei.
Laut Huber gebe es in der Branche länger schon "großes Unbehagen" über die Magermodels, mit diesem Schritt wolle man sich nun klar positionieren. Allerdings würden auch künftig Models im Heft zu sehen sein, räumte Lebert ein, etwa in Berichten von den großen Fashion-Shows; betroffen von der Neuerung seien 1500 von 4000 redaktionellen Seiten pro Jahr.
Ausdrücklich betonte Lebert, es handle sich um keine Sparmaßnahme: Die Amateur-Modelle würden "vergleichbar" entlohnt, überdies sei der Aufwand, kamera-unerfahrene Frauen in Szene zu setzen, höher. Die Akquise der Models soll auf vielen Ebenen erfolgen - via Internet, aber auch durch Ansprechen geeigneter Personen in der U-Bahn. "Keiner ist mehr sicher vor uns", so Huber.
Bei so viel Sendungsbewusstsein und dem erkennbaren Bemühen, angesichts sinkender Auflagen und Anzeigenerlöse positiv aufzufallen, wollte Lebert auf ein anderes Thema nur ungern angesprochen werden: An einer von der Brigitte in Zusammenarbeit mit einem schwedischen Möbelhaus erstellten Jubel-Beilage ("Komm, Billy, wir räumen auf!"), die unter anderem dem aktuellen Stern beiliegt und die verlagsintern für Unmut gesorgt hatte, mochte er nichts Anrüchiges erkennen: "Wir finden das eine sehr intelligente und gute Kooperation und sind stolz auf das Heft."
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(SZ vom 6.10.2009/rus)
Partyzone Flußufer
... aber einfach mal "normale Frauen" in solchen Zeitungen zu sehen wäre schon toll. In der SZ-Bilderstrecke sind fast nur die beiden Extreme abgebildet: extrem dürr oder mollig. Beides will niemand in normalen Modezeitschriften sehen, sondern einfach mal normalgewichtige Frauen.
Aber solange "Modedesigner" ihre Kollektionen auf Kleidergröße 34 schneidern, wird sich daran nicht viel ändern.
In meinen Augen hat das rein gar nichts mehr mit Ästhetik oder Anmut zu tun, sondern ist nur wiederlich. Diese "Magermodels" haben nichts Weibliches mehr. Aber vielleicht ist es ja auch so gewollt - weibliches Gesicht und knabenhafter Körper ...
Papperlapapp!
Um nichts anderes geht´s.
Ich jedenfalls will keine dicken Hausfrauen sehen, da brauch´ ich nur zum Supermarkt gehen.
Ich danke für die Aufmerksamkeit + dass Sie meinen Flüchtigkeitsfehler richtiggestellt haben!
Zitat "SZ-online hat das Thema scheinbar selbst nicht begriffen"
..... und Sie nicht den Unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend"
Nix für ungut !
SZ-online hat das Thema scheinbar selbst nicht begriffen.
In seinen begleitenden Bilderreihen setzt sie in "Kräftige Models ... Runde Sache" "Oversize-models" gegen magersüchtige, hinzu kommt eine Reihe "Magersucht-Kunst", die mit dem Thema anscheinend so gut wie gar nichts zu tun hat.
Die Wahrheit dürfte differenzierter ausfallen: Es geht nicht um Magersucht oder Oversize, sondern meist wohl um das, was von Magersucht bis Oversize reicht, mit einem Schwerpunkt auf halber Strecke dazwischen. Und dieser mittlere Bereich wird hier komplett ausgeblendet. Die Bilder zeigen allerdings trotzdem: Außer, dass sich die potentiellen Käufer/innen (-wie schaut's eigentlich bei der Männermode aus?-) sicher gerne mit ihrer authentischen Figur in den vorgeführten Modellen wiederfinden, ist folgendes Kriterium entscheidend: Die innere Haltung und ihre Ausstrahlung im Körperlichen, die haltungsgebende Identifikation der Models mit ihrem Körper. Da bestehen so wohl mollige als auch magere Models gegenüber einem mittleren mainstream, der zwar im letzten Jahrzehnt auf dem Laufsteg nicht aufgetreten sein mag, uns aber z.B. in Hauptrollen im Film ständig begegnet. Wichtig ist, das Kleidungsmodell zum richtigen Körper zu entwerfen, und nicht umgekehrt, den Körper in eine von der Gestalt (womit hier nicht die Kleidergröße gemeint ist) unpassende Hülle zu zwängen. Das zeigt, dass es keinen Sinn macht, auf dem Catwalk einen einheitlich proportionierten Typus auflaufen zu lassen.
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