Kranker kleiner Blockbuster: In der neuen Twilight-Vampir-Soap "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" geht es auf den ersten Blick um Kleinmädchenphantasien - beim zweiten Blick aber um Dinge wie Prügelsex.
Es ist eines der größten Pop-Ereignisse der Gegenwart: Schon 116 Millionen verkaufte Bücher, schon 1,8 Milliarden durch Kinotickets verdiente Dollar, dazu DVD-Verkaufszahlen aus den feuchten Träumen eines Saturn-Filialleiters. Das macht die Vampir-Seifenoper "Twilight" interessant: Glaubt man der Abstimmung an der Kasse, dann verrät auch der jetzt anlaufende vierte Teil etwas über die Sehnsüchte unserer Zeit.
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zoom - die Kinopremiere – "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" (© sde)
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Dabei geht es "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" auf den ersten Blick bloß um Kleinmädchenphantasien: die Traumhochzeit mit einem schönen, nachdenklichen, jungen Mann (Robert Pattinson), Flitterwochen auf einer einsamen Insel vor Brasilien, ein Haus am Strand mit Himmelbett, und dann eine ordentliche Tracht Prügelsex. Ja genau, Prügelsex: Auf den zweiten Blick ist dies nämlich ein ziemlich kranker kleiner Blockbuster.
Wie alle "Twilight"-Filme, die im Grunde avancierte Bedürfnisbefriedigung sind. Ihre Produzenten haben verstanden, dass sich zwar alle Menschen für Sex interessieren - aber nur selten besonders lange.
Darum sind die expliziten Filmchen auf den einschlägigen Webseiten meistens nur 10 Minuten lang: ihre Zuschauer bleiben immer nur bis zum nächsten Orgasmus dran. Um dieses Problem zu umgehen, hat die inzwischen vierteilige "Saga" eine brillante Lösung gefunden: Sie betreibt eine negative Theologie des Vögelns.
Das ist der Grund, warum sich die Hauptfigur Bella (Kristen Stewart) drei Filme lang vergeblich nach dem schönen Vampir Edward verzehren musste, warum sie gewartet und gewartet hat und jetzt, wie es sich gehört, noch einmal wartet: bis nach der Hochzeit.
Es kommt zu einem Kuss
Das Paar reist in die Flitterwochen nach Rio, es kommt zu einem Kuss, und dann - muss Bella erst noch einmal warten. Schließlich erwacht sie irgendwann doch aus ihrer Hochzeitsnacht: Sie ist voller Blutergüsse, ihr Bett ist zerstört, das Zimmer verwüstet. Was ist geschehen?
Man sieht es nicht. Die wohl am längsten vorbereitete Entjungferung der Filmgeschichte findet am Ende jenseits der Leinwand statt, im Dunkeln. Bella, die auf dem langen Pfad des Begehrens bereits geschlagen, gebissen, in die Depression getrieben, zwischen zwei Männern zerrissen und fast ermordet wurde, wird danach, na klar, grausam bestraft: Sie ist mit einem kleinen Dämon schwanger, der sie nicht nur von innen aussaugt, sondern auch (ganz der Vater) dafür sorgt, dass sie am ganzen Körper Blutergüsse bekommt.
So kommt es dann zu Abtreibungsdebatten unter Vampiren ("Das ist kein Fötus, das ist ein Baby") und digitalen Werwölfen ("Grrrrrrrr, grrrrrrr!"), womit endgültig geklärt wäre, wo dieser Film politisch steht: rechts, ziemlich weit rechts.
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Abholzungen im Amazonas-Gebiet
ich muss sagen, dass ich doch zumindest beim prügelsex-abschnitt heute morgen schallend gelacht habe, unabhängig davon was man zur intellektuellen=vampire -these denken mag. und zu vermuten, dass sich der gedanke sexueller enthaltsamkeit und eine gewisse skepsis ggü. abtreibungen ganz gut mit der gedankenwelt vieler jugendlicher in den usa deckt (beachte: vieler, nicht aller) halte ich auch nicht für allzu gewagt. was mich an diesem artikel eher etwas stutzig macht ist, dass sich da an der ein oder anderen stelle erstaunlich ähnliche formulierungen zu roger eberts kritik finden lassen: http://rogerebert.suntimes.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/20111116/REVIEWS/111119983 .
da wird sich doch nicht jemand über die maßen inspirieren lassen?
dieses Machwerk bekommt einen zweiseitigen Artikel, dass Ludwig Hirsch heute gestorben ist, kann man hier nur im Newsticker lesen.
Verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht.
Auwei. Prügelsex. Darum soll es also gehen? Was sagt denn der Herr Freud zu diesen Gedanken? Glaubt der Verfasser dieser Rezension tatsächlich, dass eine junge Autorin, deren Fantasie eine schmachtvolle, emotionale Jungmädchen-Romanze mit Vampiren ersponnen hat, sich auf den Kriegspfad gemacht hat, um unseren jungen Mädchen die abhanden gekommene Moral wieder schmackhaft zu machen?
In dem sie eine "Fiktion der Vergangenheit" schafft? "Eine Vergangenheit ohne Fortschritt, die ewig auf den gleichen absurden Verboten beharrt, ohne deren Widersprüche aufzulösen. Er ist gewissermaßen die Antithese zur notwendigen Fortbewegung der Geschichte." Das ist übrigens mein Lieblingssatz in dem Artikel. So schön. Sicher auch von einem Intellektuellen verfasst.
Von unreflektierten Boulevard-Medien deart wilde Interpretationen zu lesen, bin ich gewöhnt. Aber von der SZ?
Hier geht es um eine Geschichte in der Welt der Vampire, die der Fantasie entsprungen ist. Und der Sex wird aus rein praktischen Gründen nur deshalb so "lange" herausgezögert, weil Edward so tieeerisch stark ist (aber nicht in echt, sondern nur erfunden) - und Bella eigentlich zur Sicherheit vorher zum Vampir machen will, um sie nicht zu verletzen (ist fei auch nur erfunden, auch wenn es auf der Leinwand so echt aussieht). Und auch im Buch wird die erste Liebesnacht nicht en Detail beschrieben.
Wenn ein "Journalist" sich schon die Mühe macht, einen Teenie-Film derart zu zerdeuten, dann hätte mir doch eine Aussage der Autorin dazu ganz gut gefallen.
Ich hole das mal nach. Zitat Stephenie Meyer: "You know, my editor said that to me. (laughter) When I gave her the outline, she said, “What is the moral of the story?” and I said “There’s no moral of the story; the point is to have a good time. The message is, ‘Did you enjoy the ride?’ Hopefully, because that’s what it was about. It’s about having fun and entertainment and nothing beyond that was intentional.”
Und wenn wir über sachliche Rezensionen sprechen, dann lassen wir Edward bitte schön nicht darauf "beharren" ein ewiger Teenager sein zu wollen, da er das nämlich übrhaupt gar nicht möchte. So steht's in den Büchern. Hups. Kommt im Film nicht rüber? Na das wäre doch mal eine sachliche Kritik, mit der ich leben könnte.
Gemeinhin gilt der Vampir als Metapher für Sexualität. Das "Eindringen" in Form von Beißen, der Austausch von Körperflüssigkeiten, die schon bei Bram Stoker vorhandenen "Vampirbräute" usw.
Nun ja, darf ja jeder seine Meinung haben. Auch wenn man damit alleine steht.
... verdient kein Kommentar.
Hr. Füchtjohann schreibt zu emotional und anscheinend voreingenommen über etwas was ihm widerstrebt. Als guter Journalist sollte man neutraler sein.
Wer die Filme mag, soll sie sich doch ansehen und wer nicht, soll es lassen.
Liebe SZ, ich ärger mich in letzter Zeit immer wieder über so abgrundtief schlechte Artikel, da hat die Bild ja mehr Tiefgang. Schreiben bei Euch nur noch "Azubis"?
Paging