"Bombay Beach" im Kino Loser und Loner in der Post-Apokalypse

Das Ende des amerikanischen Traums, im Dämmerlicht der Wüste: In "Bombay Beach" begleitet Alma Har'el die Menschen in einer sterbenden Stadt in Kalifornien. Und erfüllt dem ein oder anderen dabei einen Wunsch.

Von Martina Knoben

Die Zukunft war gestern. Heute ist Bombay Beach, einst als Ausflugsziel am Saltonsee in Kalifornien konzipiert, eine sterbende Stadt, in der allerlei Unangepasste eine Heimat gefunden haben, nicht selten im Trailerpark . Die Clip- und Werbefilmregisseurin Alma Har'el wollte eigentlich nur Aufnahmen zu einem Musikvideo dort drehen. Aber Bombay Beach faszinierte sie: Das Nest in der Wüste erinnerte sie an Israel, wo sie aufwuchs, und gab ihr das Gefühl, "dass es dort keine Zivilisation mehr gibt, oder (diese) nach einem schrecklichen Ende gerade erst neu beginnt".

Vom Ende des amerikanischen Traums erzählt nun ihr Film; das Licht, in das die Regisseurin, die auch die Kamera führte, ihre Aufnahmen taucht, ist das der Post-Apocalypse. Aber dieses Licht ist wunderschön, ist das eines Sonnenauf- oder untergangs in der Wüste, das noch den verlorensten Figuren und dem schäbigsten Trailerpark einen lyrischen Schimmer verleihen kann. Ob das den Bewohnern von Bombay Beach und dem benachbarten Slab City gerecht wird, mag man bezweifeln. Die Mischung aus Clip-Ästhetik und Sozialstudie aber ist nicht nur reizvoll, sie verleiht den Figuren auch einen Glamour, den diese Loser und Loner gut brauchen können.

Red etwa blickt auf ein rastloses Leben, eine Scheidung und die Trennung von seinen Kindern zurück. Wenn er mit sonorer Stimme aus dem Off zu hören ist, klingt er wie ein weiser Erzähler, bis er von seinen Vorstellungen von Rassentrennung erzählt. Da wird uns dieser Rumtreiber und Cowboy ziemlich unheimlich. Ein merkwürdiger Typ ist auch der siebenjährige Benny. Der Junge mit den großen, traurigen Augen ist hyperaktiv und hat Wutanfälle. Um ihn gesellschaftsfähig zu machen, wird er mit Medikamenten zugedröhnt: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Liebe in allen Aggregatzuständen

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Alma Har'el, die mit den Menschen in ihrem Film über Monate hinweg zusammenlebte, betrachtet die Wüste als Spielplatz und als magischen Ort. Hier wird für CeeJay, der aus L. A. nach Bombay Beach kam, nachdem sein Cousin erschossen wurde, der Traum vom College und von der großen Liebe wahr.

Bei anderen Träumen hilft die Regisseurin nach. So inszeniert sie für Benny dessen Wunsch, einmal Feuerwehrmann zu werden; andere Figuren sind in Tanzszenen zu sehen. Das ist nicht streng dokumentarisch, aber doch cinéma vérité, wie es gemeint war.

Bombay Beach, USA 2011 - Regie, Kamera: Alma Har'el. Schnitt: Joe Lindquist, A. Har'el. Musik: Zach Condon, Bob Dylan. Rapid Eye Movies, 76 Minuten.