Überhaupt nehmen, wie es sich für ein "Soap"-Format gehört, die effektvoll zugespitzten Geschichten einen weitaus größeren Raum ein als die Gesangsversuche. Geplanter Höhepunkt der aktuellen Sendung war der Auftritt von "Deutschlands berüchtigtstem Superstar-Bewerber". Im RTL-Stakkatostil lautet die traurige Vita: "Staatsanwalt, Gerichtstermine, im Gefängnis".
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Zu einer zweijährigen Haftstrafe ohne Bewährung sei der Teilnehmer von 2005, Hasso "Menowin" Fröhlich, verurteilt worden. Er selbst gibt in jenem fast verbfreien Deutsch, das RTL hören will, zu Protokoll: "Computerbetrug, Körperverletzung, Waffenbesitz". Mittlerweile aber kann er von sich wie von einem Produkt reden - er habe "an dem Menschen Menowin gefeilt".
Nun wolle er tun, was alle tun wollen, "durchziehen, Gas geben und gewinnen."
Ob man Hasso Fröhlich wünschen soll, er möge nicht gewinnen? Damit er nicht spätestens 2011 durch die Neubesetzung der Rolle des Raubeins mit Herz ins Vergessen geschubst wird? Damit er nicht Gas gibt, um als Rummelbelustigung zu enden?
Nervtötende Effekte
Auf Dauer nämlich besteht hier nur die Jury. Nur sie bleibt und kehrt wieder und ändert sich nicht. Im Kern ist DSDS eine Einübung in Unterordnung, Gehorsam und Wegducken. Der Kasernenton triumphiert, die Aufmüpfigen werden der Lächerlichkeit preisgegeben - so wie die 16-jährige Jana. Zeremonienmeister Bohlen fragte sie instinktsicher: "Hast 'n Freund?". Das Nein war die Vorlage für Neumüllers anschließende Dreistigkeit, "aber geknutscht hast du schon?". Die Braven hingegen mit den knapp überdurchschnittlichen Stimmen und dem passgenauen Rollenprofil winkt man durch. Ihnen bleibt es erspart, in einem Meer anzüglicher Cartoons und Animationen zu ertrinken.
Nie war die Dichte an nervtötenden Effekten größer. Kein bildungsferner Vorsänger wird ohne Gefiepse und Geschnarre wie im Zeichentrickfilm verabschiedet. Fast keine Sekunde vergeht, ohne dass ein Comic-Bohlen als fliegender Superman oder schwebender Engel oder genüsslicher Paddler über die Scheibe huscht. In Großaufnahme und Zeitlupe werden seine schrillen Blicke ebenso vervielfältigt wie die feuchten Gesichter, die Speichelfäden und Hosenflecken überforderter Kandidaten.
Machosprüche, Machoposen
Dass, wie nun bekannt wurde, mancher Fäkal- und Flatulenzspruch nachträglich montiert wurde, vollendet den künstlichen Charakter der Veranstaltung. Ist es nicht egal, mögen die Macher sich denken, wer denn tatsächlich mit seltsamen Sprüchen ("Lieber Cholera auf dem Pillermann als dein Gesang" oder "Deine Stimme erinnert mich an 'ne volle Windel") bedacht worden ist? Es treffe ja wohl die Richtigen.
Jeweils rund sieben Millionen Menschen versammelte DSDS 2010 bisher pro Folge vor dem Bildschirm. Es dürften, wenn die Endrunden anstehen, eher mehr denn weniger werden. Bohlen, der konsequent die Poloshirts ein und derselben Marke trägt und für diese Marke zeitgleich wirbt, wird es freuen. Sein Werbewert bleibt hoch.
Auch Nina Eichinger, die "Trendexpertin", wird es freuen. Sie darf viele junge Menschen anlächeln und muss weiter nichts tun. Volker Neumüller wird es freuen, denn wo sonst bleiben Machosprüche, Machoposen derart zuverlässig unwidersprochen? Und wenn am Ende der Sieger für ein knappes Jahr den Markennamen "Superstar" tragen darf, ohne es zu sein, wird auch die Plattenfirma sich freuen.
Alle selbstgesetzten Ziele und Zwecke wird DSDS erreichen, und zwecklos ist hier rein gar nichts: Die Effizienz feiert sich selbst.
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(sueddeutsche.de/jja)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Die siebte Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" ist gestartet. Knapp 35.000 Bewerber hoffen, Dieter Bohlens fiese Sprüche zu überstehen, um Karriere im Showbusiness zu machen. Deutschlands Mütter sehen in Dieter Bohlen (55) ein schlechtes Vorbild für ihre Kinder. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Münchner Meinungsforschungsinstituts Iconkids & Youth. Bohlen, Musiker und Jury-Mitglied der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), liege auf Platz Eins der Negativ-Liste, teilte das Institut Ende Dezember 2009 mit. 15 Prozent der befragten Mütter nannten Bohlen spontan auf die Frage, welche Prominenten ein schlechtes Vorbild für ihr Kind seien.
Tip für SZ User:
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/?page=content%2Farticle_detail.php&docid=25583&source_page=&sitenr=0#bottom
(Ebenda viele Bilder und Kommentare. Über 500mal gelesen.)
Zu dem Thema ist längst alles gesagt.
Wir alle sollten uns um wichtigeres kümmern.
Hier in der "SZ" wird wenigstens noch kritisch über diese Sendungen berichtet. Wenn Henry Nannen sehen könnte, wie oft Bohlen in "seinem" "Stern" für die Gewinnmaximierung den kapitalistischen Mehrwert zum Wohle des Anteilseigner Bertelsmann puscht, würde ihm noch posthum speiübel werden und er würde sich im Grabe umdrehen. Diese armen "Stern"-Journalisten werden von den Besitzern des herausgebenden Verlages Gruner & Jahr, zur Bertelsmann-Gruppe gehörend, auch nur noch mißbraucht.
...welcome to schmonzeshausen. If U know, what I mean.
Gruß Mulholand
Die wievielte Staffel ist das? Wer da jetzt noch hingeht, weiss doch was ihn erwartet. Selbst der größte Depp müsste es inzwischen Verstanden haben.
Mitleid darf keiner der sich dafür hingibt erwarten.
Paging