Kubas berühmteste Bloggerin wird entführt, beleidigt, geschlagen. Nun schilderte sie Tat und Folgen ihrer "Entführung im Camorra-Stil".
Über ihre Erlebnisse auf Kuba schreibt Yoani Sánchez regelmäßig, das hat sie bekannt gemacht. Die 34 Jahre alte Autorin aus Havanna zählt zu den meist geehrten Bloggerinnen der Welt - bloß entgegen nehmen durfte sie keinen ihrer Preise im Ausland, weil den Castros ihre Texte weniger gut gefallen und ihr jedes Mal die Reise verweigert wurde. In ihren auch schon von der Deutschen Welle preisgekrönten Miniaturen auf www.desdecuba.com/generaciony berichtet die Chronistin über vieles, was in den Staatsmedien eher nicht vorkommt. Etwa einen schwarzen Taxifahrer, der nachts nur Weiße mitnimmt. Oder den US-Boykott, der angeblich auch Kakerlaken auf der Geburtsstation erklären soll. Nun schilderte sie Tat und Folgen einer "Entführung im Camorra-Stil", wie sie es nennt. Es war ihre eigene Entführung.
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Während in Berlin 20 Jahre Mauerfall begangen wurden, versucht Sánchez ihre Verletzungen zu überwinden. (© Foto: oH)
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Am vergangenen Freitag wurden Yoani Sánchez und ihr Kollege Orlando Luis Pardo mitten in der Hauptstadt in ein Auto gezerrt. Sie rief um Hilfe, doch die Kidnapper warnten Passanten: "Mischt euch nicht ein, das sind Konterrevolutionäre." Kubas Führung unterteilt die Bürger gerne in Revolutionäre und Konterrevolutionäre, das Fahrzeug hatte offenbar die Polizei geschickt. Als die Bloggerin sich wehrte, wurde sie beleidigt und geschlagen. "Bring' mich endlich um", schrie sie, so steht es in ihrer Kolumne. "Lass' sie atmen", riet der Chef des Prügelkommandos. Später wurden Sánchez und Pardo hinausgeworfen.
So erlebte Kuba eine Attacke auf eine der mutigsten Andersdenkenden, während in Berlin 20 Jahre Mauerfall begangen wurden. Menschenrechtler und Journalistenverbände protestieren. Sánchez versucht, ihre Verletzungen zu überwinden. Für sie war es "eine Demonstration der Machtlosigkeit und Intoleranz", das Internet kann selbst das Regime kaum kontrollieren. In der Klinik bekam sie Schmerzmittel und eine Krücke. In ihrem Beitrag "Die Schuld des Opfers" grübelt sie über jene, die so tun, als sei sie selbst verantwortlich, wie die Vergewaltigte im kurzen Rock. Unter dem Text stehen 4502 Leserkommentare. In den Zeitungen: kein Wort. Für Yoani Sánchez bleiben "meine wichtigste Therapie dieser Blog und die Tausenden von Themen, die ich darin noch behandeln muss".
(SZ vom 13.11.2009/iko)
Ich habe die angebliche Meinungsfreiheit in Deutschland früh zu spüren bekommen (vor knapp 20 Jahren, kleine Anti-Kriegs-Sitzblockade vor dem Eucom in Stuttgart-Vaihingen. Habe bei einer friedlichen Sitzblockade zugesehen (!), bin mit ca 30 weiteren Leuten festgenommen worden, hab mich vor Aufregung und Schock erst mal übergeben, war daher besonders verdächtig. Wir wurden zum Präsidium im Mannschaftswagen gefahren, fotografiert und erst nach Stunden frei gelassen. Meine Eltern meinten dann nur, die Polizei hatte sicher ihre Gründe, sollte sicher nur zur Abschreckung dienen, also völlig in Ordnung. Das ist nur ein Beispiel, ständig wird man als naiv oder unglaubwürdig abklassifiziert, wenn man an funktioierenden Sozialismus glaubt, und darf dann auch gerne mal verhaftet werden.
Komisch auch, ich hatte gerade bei nicknorris auf gut geklickt, und erschienen ist das als zehnte schlechte Bewertung. Na, ja, vielleicht hab ich nur nicht genau gezielt oder im gleichen Augenblick hat jemand auf schlecht geklickt. Vielleicht.
Man merkt auch immer in den Kommentaren, wie beleidigend und abwertend da formuliert wird ("sie merken es wohl wirklich nicht", "Außer Rotklicks nix gewesen" . . . ) sobald sich jemand Kapitalismuskritisch äußert.
Klar, war das nicht in Ordnung mit der Frau Sanchez, aber auch hier gibt es Mittel und WEge Leute fertigzumachen, die eine "falsche" Meinung haben.
die Geschichte mit dem "Farbigen" war schlimm...aber wo sollen da die Parallelen zu der Bloggerin sein?
Wo sind die Parallelen zu den Mitgliedern der "Sauerland-Gruppe"? Wo zu Baader und Meinhof? Haben die drei auch Blogs geschrieben? Wär mir neu...
Wenn Sie die Bloggerin tatsächlich auf eine so niedrige Stufe mit den beiden letztgenannten stellen wollen, dann sind Sie tatsächlich sehr viel weiter von der Realität entrückt. als ich bislang dachte...tut mir leid...
"Heißt nicht, dass unser System perfekt ist, aber besser als jedes bisher erprobte sozialistische / kommunistische System auf jeden Fall."
der sich angeschnallt am Zellenbett angeblich selbst verbrannte und da gibts immer noch die best bewachten Terroristen der Welt.
In ganz Deutschland waren wohl 3 Pistolen in Gefängniszellen, je eine bei Bader, Meinhof und Enslin. So ein Zufall.
"bei uns heißen sie Terroristen und bekommen die ganze Härte der Justiz zu spüren. "
Nennen Sie mir mal einen vergleichbaren Fall in Deutschland, lieber nicknorris, welche politsche Blogger oder auch Aktivist wurde in den letzten Jahren oder überhaupt in Deutschland entführt, geschlagen oder an der Ausreise behindert? Vom Staat...
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