Blauer Dunst im Film Asche auf´s Haupt!

Professor Stanton A. Glantz hat seine ganze Wissenschaftlerkraft in die Erforschung eines Kino-Phänomens gesteckt - und Heureka! In zeitgenössischen Hollywood-Produktionen werden pro Film-Stunde 10,7 Zigaretten geraucht. Das ist statistisch gesehen ein Rückschritt in die finsteren 60er Jahre und der Professor ist erschüttert.

Unvergesslich, die junge lebenslustige Frau, wie sie sich durch das Gedränge manövriert auf einer dieser typischen New Yorker Szene-Parties, mit zauberhaftem Lächeln, und wie sie dabei ihren superlangen Zigarettenhalter hoch- und runterschaukeln lässt: Audrey Hepburn, als Holly Golightly in ¸¸Frühstück bei Tiffany", einem der Kino-Glanzstücke der Sechziger, unverändert attraktiv damals, jetzt und in Zukunft.

Nein, diese Dame hat keinen verlängerten Lippenstift iun der Hand, sondern - oh Graus! - eine Zigarettenspitze. (nd dann heißt sie auch noch Holly Golightly.

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Back to the future, das ist auch das Fazit von Professor Stanton A. Glantz und seinen Mitarbeitern vom Center for Tobacco Control Research and Education. Sie haben die Stärke des blauen Dunstes im vergangenen halben Jahrhundert studiert, durch den die Leinwandstars einen ganz besonders herben Glamoureffekt erhalten sollten. Wir sind, klagt der Professor, wieder auf dem Stand der Sechziger. 10,7 Glimmstengel-Aktivitäten pro Filmstunde gab es Ende der Fünfziger und in den Sechzigern, dann ging es zurück bis aufs Minimum von 4,9 Anfang der Achtziger. Nun aber, während die Warnungen und offiziellen Einschränkungen gegen Raucher radikal zunahmen, ist man auf den Leinwänden wieder bei dichten 10,9 pro Stunde.

Eine traurige Bilanz, aber auch nicht weiter verwunderlich - das Kino bleibt der Ort der Evasion par excellence. Bedenklich nur die Wirkung auf Jugendliche, der Nachahmungseffekt, wenn hemmungslos gequalmt wird in Filmen wie ¸¸Chicago" oder ¸¸Seabiscuit" oder in Disneys ¸¸102 Dalmatiner". Und die nikotinsüchtigen Aliens in ¸¸Men in Black"! Der Professor empfiehlt daher, den Umgang mit den Stengeln bei der Filmfreigabe für Jugendliche zu berücksichtigen, so sorgfältig, wie man es bereits bei den notorischen F-Wörtern tut. Duty free in Sachen Dunst bleiben Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, Churchill ist ohne Zigarre einfach undenkbar.

Natürlich kommt der Professor ein wenig spät, im Internet gibt es bereits detaillierte smoking lists, in denen das gute/schlimme Verhalten der Stars verzeichnet ist. Was den Casus Golightly angeht, da zeigt sich auch ein positiver Effekt - als sie den grässlichen Hut einer Lady mit ihrer Zigarette in Brand steckt. göt