Björk-Ausstellung im MoMA Björks Schwanenkleid hängt jetzt an einer Björk-Puppe

Die Gegenfrage könnte lauten, wie viele klassische bildende Künstler es überhaupt gibt, die ähnlich wirksam an den ästhetischen Fronten unserer Gegenwart arbeiten wie die Leute, die jetzt in der Entourage von Björk durch das MoMA rauschen. Kann sein, dass Arca, dieser sehr junge Musikproduzent, nur der Gegenstand eines vorübergehenden Hypes ist; kann aber auch sein, dass es stimmt, was so gehofft wird, dass also dieser junge Venezolaner definiert, wie die nächsten paar Jahre so klingen werden.

Und welcher Bildhauer wäre ähnlich unerschrocken wie der deutsche Modedesigner Bernhard Willhelm; welcher Künstler hätte in den letzten Jahren ein umstritteneres, gehassliebteres, gleichzeitig weltbekannteres Werk geschaffen als der Mazedonier Marjan Pejoski mit dem Schwanenkleid, in dem Björk die Oscar-Verleihung des Jahres 2001 als Versammlung dumm tuschelnder Puten dastehen ließ.

Im Schwanenkleid von Marjan Pejoski, schrieb sich Björk 2001 in die Mode-Annalen der Oscar-Verleihung ein.

(Foto: AFP)

Jetzt kann es an einer Björk-Puppe im MoMA besichtigt werden, zusammen mit den Kostümen von Willhelm, Alexander McQueen und all den anderen. Außerdem gibt es Notizbücher mit Songtexten, sogar Kinderfotos und derlei Dinge mehr. Die Memorabilien aus dem Leben und Schaffen der Sängerin Björk müssen in einem schwarzsamtenen Gedärm aus engen Gängen abgegangen werden, wo ihnen dramatisch Spotlights ins Gesicht leuchten, was gar nicht recht zu dem sonst so minimalistischen, offenen Inszenierungsstil von Biesenbach passen will.

Produktionsreliquien als auratische Objekte

Man bekommt außerdem einen Audioguide verordnet, der jeweils Musik aus dem Album gespielt, dessen Requisiten man da gerade passiert. Dazu spricht eine Isländerin, die nicht Björk ist, einen Text, den sich ein isländischer Autor ausgedacht hat, der ebenfalls nicht Björk ist, und in dem es vage um Björks Leben geht, aber als Märchen. Es ist, leider, ein ziemlicher Kitsch.

Vielschichtigkeit ist ganz offensichtlich das Wort, das einem dazu in den Sinn kommen soll. Oder auch der Begriff der "Immersion", der in den Neunzigern so wichtig wurde. Allerdings wurde damals auch die Rezeptionsästhetik in die Kunstgeschichte eingeführt, und so kann man heute nicht anders, als in dem Björk'schen Labyrinth immerzu auch die Ungeduld, schließlich die Verärgerung der anderen zu sehen.

Kann sein, dass sich an dieser Stelle die ehrenwerte Absicht, eine Ausstellung weniger über als zusammen mit Björk zu machen, nicht besonders auszahlt. Die Präsentation von Produktionsreliquien als auratische Objekte soll hier ein Erlebnis arrangieren, das dem Direktkontakt mit einem berühmten Gemälde (oder besser: den Vorstudien dazu) gleichkommt. Was es nicht so gut liefern kann, ist eine intellektuelle Erfahrung; dafür müsste einem vielleicht auch etwas anderes erzählt werden als Märchen.