Von F. W. Graf

In einem neuen Buch will Bischof Wolfgang Huber den christlichen Glauben nahe bringen. Doch den entscheidenden Fragen weicht er aalglatt aus.

Zwei Drittel der Deutschen gehören den christlichen Kirchen an. Nur wenige von ihnen sind mit dem Kirchenglauben gut vertraut. Wolfgang Huber will Abhilfe schaffen und "besonders den zweifelnden und suchenden Menschen" "die großen Worte und Bilder des christlichen Glaubens in unverstellter Frische" nahebringen.

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Bischof Wolfgang Huber: "Als Ebenbild Gottes trägt der Mensch Verantwortung für die Welt." (© Foto: dpa)

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In drei Hauptteilen "Glaube", "Hoffnung", "Liebe" geht es neben "Grund und Inhalt des Glaubens" auch um dessen "Lebensform", also Gebet, Andacht, Spiritualität, Gemeindegottesdienst und "ethische Verbindlichkeit".

Der Vorsitzende des Rates der EKD orientiert sich "an der reformatorischen Wiederentdeckung des Evangeliums, an der befreienden Entdeckung, dass Gott uns Menschen ins Recht setzt und nicht wir selbst".

Er ist peinlich bemüht, nur ja nicht bei den besonders Frommen im Lande anzuecken. Der Autor schreibt apodiktisch, affirmativ und politisch immer ganz korrekt.

Weder harte Arbeit noch Selbstironie

Den entscheidenden Fragen weicht er aalglatt aus. Die großen kritischen Traditionen protestantischer Theologie sind hier von vornherein entsorgt.

Wolfgang Huber präsentiert seinen Christenglauben als eine Gutmenschenreligion für Sinnhungrige, die Gott brauchen, um nachhaltig ihren Müll zu trennen und den gerechten Frieden zu fördern. Diese Theologie kennt weder harte Arbeit am Begriff noch Selbstironie. Ob man so die Zweifler ernst nimmt?

Ganz klassisch ist die Glaubenslehre trinitarisch aufgebaut, beginnend beim Schöpfergott. Die Bibel liest Huber als "Gotteswort im Menschenwort".

So will er die Schöpfungsmythen der Genesis nicht "wortwörtlich für wahr halten, sondern in ihnen eine Wahrheit entdecken, die über ihre zeitgebundene Gestalt hinausgeht".

Daher bestehe auch keinerlei Konkurrenz zwischen biblischer Schöpfungssicht aufs Leben und moderner Naturwissenschaft. Kreationisten und Vordenker des intelligent design teilten nur den fatalen Fehler ihrer Gegner, der neuen Weltanschauungsdarwinisten um Richard Dawkins, Schöpfungsglaube als eine Form der Welterklärung misszuverstehen. Er erschließe aber eine elementare "Weltgewissheit" und "Daseinsgewissheit, die meinem Leben Sinn verleihen".

Im Schöpfungsglauben gewinne man einen Zugang zum "inneren Sinn" der Wirklichkeit im Ganzen. Als Ebenbild Gottes trage der Mensch Verantwortung für die Welt.

Denunziationsrhetorik

Ebenbildlichkeit nimmt Huber als Äquivalent für die Würde des Menschen, die nur durch ihre Verankerung in Gott wirklich unantastbar sei. Die uralten Debatten, was den Menschen zum Ebenbilde Gottes mache, etwa seine Vernunft, hält er für obsolet. Ebenbildlichkeit sei keine Eigenschaft des Menschen, sondern eine Beziehung, eben sein Immer-schon-auf-Gott-Bezogensein.

Diese gut lutherische Behauptung stellt sicher, dass das Menschsein nicht vom Handeln des Menschen abhängig ist und niemand dem anderen das Menschsein absprechen kann.

Huber deutet sie ethisch als Unverfügbarkeit des Lebens und wendet sich gegen jede "eigenmächtige Bestimmung des Todeszeitpunkts". Man dürfe sein Leben nicht "leichthin aus der Hand geben".

Wer, außer Herrn Kusch und ein paar Dignitas-Geschäftsleuten, tut und will dies? Huber tendiert hier zu Denunziationsrhetorik. Er mag ein Menschenrecht auf selbstbestimmten Tod ablehnen.

Aber er sollte Andersdenkenden in einer so ernsten Frage nicht unterstellen, sie handelten "leichthin". Gut 70 Prozent der Mitglieder der beiden großen Kirchen plädieren in Umfragen für einen selbstbestimmten Tod und wollen sich nicht von Kirchenfunktionären vorschreiben lassen, wie sie zu sterben haben.

Dem Ratsvorsitzenden kann auch nicht entgangen sein, dass beide Kirchen noch vor zwanzig Jahren Palliativmedizin massiv bekämpft und so die gegenwärtige Problemlage mit erzeugt haben.

Würde der Natur

Gott selbst verfuhr bei der Schöpfung politisch korrekt. "Nachhaltigkeit" ist "eine alte, wenn auch lange verschüttete biblische Einsicht". Auch würden in der Bibel "Verantwortungsgemeinschaften zwischen Menschen gleichen Geschlechts ... gewürdigt", was dem Papst und konservativen Anglikanern entgangen zu sein scheint.

Huber kennt zudem eine eigene "Würde der Natur". Meint er den gestirnten Himmel über uns und die erhabene Schönheit der Berge? Oder soll der Nacktschnecke im Garten ein Recht auf Rechte zuerkannt werden?

Gelungen sind die Passagen zum Neuen Testament, in denen Huber Gleichnisse und die Bergpredigt vorstellt. Bei der theologisch zentralen Frage, wie die Kontinuität zwischen dem jüdischen Wanderradikalen Jesus und dem auferstandenen Christus zu denken ist, bleibt jedoch Entscheidendes unklar.

Natürlich lehnt Huber den alten kirchlichen Antijudaismus richtig entschieden ab. Dennoch spricht er gern von der "jüdisch-christlichen Tradition". So werden die Juden semantisch enteignet.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie sich Huber vom Katholizismus absetzt.

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