SZ: Weil was so schwierig war?

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Wall: Dadurch dass die Wartehäuschen und Werbetafeln immer wieder mutwillig beschädigt und zerstört wurden, drängte sich mir die Frage auf: Wie müssen öffentliche Einrichtungen eigentlich beschaffen sein, damit sie ästhetisch ansprechend bleiben? Also habe ich meine Produkte stadtbildschön, zierlich und leicht gemacht. Man kann ja nicht nur einen Kasten mit Dach und einer seitlichen Plakatfläche hinklotzen - das weckt bei den Leuten nur Aggressivität.

SZ: Vandalismus dämmt man tatsächlich mit Schmuck und Farbe ein?

Wall: Design ist eine unsichtbare Kraft, die auf uns alle einwirkt. Deshalb bin ich zu den besten Designern gegangen und habe mir richtig schöne Wartehäuschen oder intelligente Litfaß-Säulen mit integrierten Uhren und Telefonzellen entwerfen lassen. Mit meinem eigenen Produktionswerk konnte ich den Städten jeweils ein maßgeschneidertes Design anbieten. In Boston habe ich so die erste amerikanische Großstadt erobert.

SZ: Haben Sie sich je mit dem Wort "Stadtmöbel" anfreunden können?

Wall: Das hat mir noch nie gefallen - darunter stellt man sich doch Papierkörbe oder Parkbänke vor. Aber ich habe keinen besseren Ausdruck gefunden.

SZ: Kann man etwas aus Ihrer Geschichte für die Wirtschaftskrise lernen, die auch Deutschland sehr belastet?

Wall: Wer heute über die Krise jammert, flüchtet sich in Ausreden. Das war auch in meinen Anfangsjahren schon so. Damals waren meine größten Probleme nicht, gute Ideen aufzutreiben - sondern Geld. Heute gibt es ganz andere Chancen: Ich wollte immer die größte Feuertaufe auf dem amerikanischen Markt bestehen. Fragen Sie doch mal amerikanische Agenturen in Los Angeles oder New York. Die kennen nur einen deutschen Außenwerber - und der heißt Wall. Heute würde ich nach China expandieren.

SZ: Wären Ihre Memoiren auf ein anderes Finale zugelaufen, hätten Sie die Veränderung der Eigentümerverhältnisse in Ihrer Firma voraussehen können?

Wall: Ich bin mit der neuen Situation glücklich. Ich habe ja nicht verkauft, weil mir das Geld ausging. Bei uns hat keine einzige Bank gekündigt. Mit einem Umsatzeinbruch von minus zehn Prozent sind wir im Konkurrenzvergleich Branchensieger. Sogar JCDecaux hat 13 Prozent eingebüßt. Ich sah nur Probleme beim weiteren Expansionskurs, auf den ich nicht verzichten wollte. Jetzt kommen nämlich alle Städte der Städtereklame zur Ausschreibung - von Frankfurt über Bielefeld bis Bremen. Die erste Stadt, Münster, haben wir bereits gewonnen - die war 60 Jahre bei der DSM.

SZ: Durch den Einstieg Ihres langjährigen Konkurrenten JCDecaux aus Frankreich mussten Sie doch Macht abgeben.

Wall: Die Familie Decaux ist mir persönlich sehr nah gekommen. Wir sind inzwischen Freunde. Jean-François Decaux hat mir den Expansionskurs zugesichert und klargestellt, dass wir von Wall in Zukunft die Angebote abgeben können und nicht JCD Deutschland. Da habe ich für ihn den Weg frei gemacht. Jetzt kann ich auch mit 67 privat Schönes tun. Die Welt besteht nicht nur aus Buswartehäuschen und Toiletten.

SZ: Wie lange werden Sie denn Aufsichtsratsvorsitzender bleiben?

Wall: Ich möchte sicher nicht mehr mit 80 Jahren diesen Posten ausüben. Sobald das Kartellamt zustimmt, hat Jean-François Decaux die Mehrheit. Dann entscheidet er darüber, wie lange ich Aufsichtsratsvorsitzender bleibe. Ich denke, bis zu meinem 70. Geburtstag könnte ich schon weitermachen.

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  1. "Die Welt besteht nicht nur aus Toiletten"
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(SZ vom 23.10.2009/iko)