Biografie Standhalten

Alois Prinz: Bonhoeffer: Wege zur Freiheit. Gabriel-Verlag, Stuttgart 2017. 272 Seiten, 16,99 Euro.

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Der Theologe Dietrich Bonhoeffer verkörperte in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg das andere, bessere Deutschland. Er gründete den Pfarrernotbund und versuchte die Kirche zu reformieren, dass sie Widerstand leisten konnte.

Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Dietrich Bonhoeffer wurde 1906 in eine Welt hineingeboren, die es nicht mehr gibt. Sie war leise, noch kaum von Maschinen beherrscht und belärmt. Das deutsche Kaiserreich, erst dreißig Jahre alt, verhieß Sicherheit, und Eltern meinten mit Recht, auf eine bessere Zukunft für ihre Kinder hoffen zu können.

Vor diesem Hintergrund erzählt Alois Prinz von einer Familie, die auf beispiellose Art in die Geschichte ihres Landes einging: die Bonhoeffers. Der Vater, ein berühmter Mediziner, war wohlhabend und gesellig, seine Frau für Reformen offen, die auf Vernunft und Freiheit gründeten. Dietrich war das sechste Kind von acht, zehn Minuten vor seiner Zwillingsschwester Sabine geboren. Alle Geschwister waren begabt und wurden in den ersten Schuljahren von der Mutter unterrichtet. Prinz schildert ihre Jugend vor dem Ersten Weltkrieg als die Zeit, in der Dietrich erlebte und erkannte, wie die Familie mit ihrem ganzen Umfeld ein Übungsgelände für das Leben ist.

Dietrich hatte sich für die Theologie entschieden. Er studierte in Tübingen, wurde zwanzigjährig nach Barcelona gesandt und zwei Jahre später zu einem Studienaufenthalt nach New York. Von 1931 an lehrte er als Privatdozent, Studentenpfarrer und Hilfsprediger am Prenzlauer Berg. Das waren die Jahre, in denen sich Hitler an die Macht brachte. Jahre, in denen Bonhoeffer den Pfarrernotbund gründete, die Kirche so zu reformieren suchte, dass sie Widerstand leisten konnte, und nicht aufgab, als er von der Gestapo bedrängt wurde und die Lehrerlaubnis verlor. Sein Gerechtigkeitssinn verbot ihm jedoch, alle pauschal zu verurteilen, und bei seinen Besuchen in England versuchte er, daran zu erinnern, dass es auch ein anderes Deutschland gab. Im Bischof von Chichester fand er jemanden, der Bonhoeffers Mahnung übernahm. Es war aber vergeblich. Winston Churchill, der die Macht des Gegners kannte, brauchte ein klares Feindbild.

Dietrich Bonhoeffer hatte viele Freunde, Schüler und Förderer, doch in diesen Jahren musste er immer wieder allein entscheiden, was gut und richtig war, was ihm der Glaube an Gott bedeutete und die Liebe zu der sehr viel jüngeren Maria von Wedemeyer. Und ob man in Zeiten des Krieges und der Gewalt standhalten soll, schließlich, ob der Tyrannenmord eine Sünde ist und deshalb eine schlechte Basis für den idealen Staat, den Dietrich und seine Freunde und Brüder entwarfen.

Dem Vater galt es nur, das Leben seines Sohnes zu retten. Er schaffte es, Dietrich noch 1939 in die Vereinigten Staaten, in Sicherheit vor Verfolgung zu bringen. Dietrich Bonhoeffer reiste jedoch nach einigen Wochen zurück nach Berlin. Er hätte es frevelhaft gefunden, seine Gemeinde im Stich zu lassen, und dazu seine Brüder und Schwäger, die gleich ihm ihr Leben für die Freiheit und ihr Land einsetzten und auf grausamste Art und Weise verloren.

Muss man noch sagen, dass man diese Biografie mindestens in jeder Schulbibliothek wünschte. (junge Erwachsene)