Ein Stil, der auf den ersten Blick nichts mehr mit asiatischen Schriftzeichen und Ankern zu tun hat, die während Wachobs Lehre zum Tagesgeschäft gehörten. Stattdessen wirken ihre abstrakten Motive wie mit breiten Pinseln direkt auf die Haut gekleckst. Konturen gibt es nur noch selten, schwarz ist höchstens eine Farbe unter vielen. "Ich habe mich viel mit den abstrakten Expressionisten beschäftigt, vor allem mit Hans Hofmann, der viele Quadrate und Rechtecke gemalt hat. Und ich habe mich gefragt, wie seine Bilder wohl aussehen würden, wenn er statt flacher Leinwände eine dreidimensionale Oberfläche bemalen würde. Wie könnte ein abstraktes Tattoo zum Beispiel auf einem Arm aussehen?"

Was vor fünf Jahren als künstlerisches Experiment begann, hat Wachob inzwischen ein eigenes Studio in New York, Ausstellungen in Galerien und Museen und vor allem eine begeisterte Fanschar beschert. Auf einen Termin bei der Künstlerin kann man schon mal Monate warten. Wachob gehört zu einer neuen Generation von Tätowierern, die sich weniger als Dienstleister denn als Künstler und ihre Kunden als interessant geformte Leinwände sehen.

Das Buch Forever - The New Tattoo widmet sich dieser Szene, ordnet sie geschichtlich ein (denn immerhin wird das Tätowieren wie jede Form der Kunst von neuen Bewegungen belebt) und porträtiert Protagonisten wie Liam Sparkes, dessen Tattoo hier im Bild zu sehen ist. Die neuen Tätowier-Künstler leben und arbeiten meistens in den Metropolen der westlichen Welt, in Deutschland vor allem im subkulturfreundlichen Berlin. Einer von ihnen ist Valentin Hirsch, der, wenn nicht in der deutschen Hauptstadt, auch schon mal in Paris oder New York sticht.

Bild: Gestalten 14. Dezember 2012, 08:232012-12-14 08:23:07 © Süddeutsche.de/cag/pak/rus