Bildband Der schöne Schein

Ein Schweizer Designerbüro inszeniert mit viel Sinn für Symbole die Ästhetik der Geldnoten.

Von Kia Vahland

Geld ist Macht, und Macht ist natürlich auch eine ästhetische Herausforderung. Denn sie muss sich inszenieren, um zu wirken, muss immer wieder ihre Großartigkeit, ihre Unantastbarkeit bekunden, damit auch ja niemand sie infrage stellt.

Der Geldschein ist ein Bildmedium, er soll die Ansprüche einer Nation transportieren. Großbritannien druckt seine Königin, ihr stilisierter Blick durchdringt alle Bürger, ob sie die Blättchen nun in die Hosentasche knüllen oder bündelweise in Aktenkoffern stapeln. Ein bisschen Empire schwingt noch mit in dieser geradlinigen Frontalität, die klassischerweise Herrscherporträts vorbehalten ist. Um dagegen die Demokratie in Balance zu bringen, bat die Bank of England kürzlich Bürger um Vorschläge für eine zweite Figur auf der Zwanzigpfundnote. Alfred Hitchcock könnte es werden, Charlie Chaplin oder der Maler Anthony van Dyck. Es muss jemand aus den Künsten sein, um vom schnöde Monetären der Angelegenheit abzulenken.

Auch die alte Bundesrepublik sah sich als Heimat der Dichter und Denker: Die Naturforscherin Maria Sybilla Merian bewohnte den 500-Mark-Schein, die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff den Zwanziger. Unbezahlbar ist das kulturelle Erbe eines Reichs. Heute führen die Euro-Scheine durch die europäische Architekturgeschichte, in idealisierendem Brückenschlag.

Man kann natürlich auch Löwen pixeln, Fußballer, Flugzeuge, Atomkraftwerke oder glückliche Bergarbeiter. Die Bandbreite ideologisch durchdrungener Bildernoten führt ein schöner Band des Schweizer Designerbüros Prill Vieceli Cremers vor Augen (Money, Edition Patrick Frey, 60 Euro, unsere Abbildungen). Er kombiniert Details internationaler Geldscheine ohne Herkunftsnachweise: ein Panorama der Scheinheiligkeit.