Von Pia Röder

TV-Star Sabine Christiansen klagte gegen die Veröffentlichung eines Fotos, das sie mit ihrer Putzfrau zeigte - und gewann vor dem Bundesgerichtshof. Der Verlierer, der Springer-Verlag, zeigte just am Prozesstag exklusive Fotos von Christiansens Hochzeit.

Das Bild zeigt eine Frau, wie man sie nicht hätte sehen sollen: Sabine Christiansen, ungeschminkt, zusammen mit ihrer Putzfrau beim Einkaufen. Dieses Foto der TV-Moderatorin war im Frühjahr 2005 unter der Überschrift "Was jetzt los ist auf Mallorca" in der Zeitschrift Bild der Frau erschienen.

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Christiansen-Abschied im Fernsehen 2007: Strahlendes Herniederkommen über Mediengalas. (© Foto: AP)

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Das war Sabine Christiansen, die so oft strahlend über Mediengalas herniederkommt, überhaupt nicht recht. Sie klagte gegen den Axel-Springer-Verlag. Der Fall wurde jetzt vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt - und der TV-Star gewann. Der Veröffentlichung solcher Fotos wurden enge Grenzen gesetzt. Andererseits musste die Monaco-Prinzessin Caroline den Abdruck eines Urlaubsbildes hinnehmen - weil im nebenstehendem Text darüber berichtet wurde, dass das Fürstenhaus Hannover neuerdings seine Villa in Kenia zur Vermietung anbiete.

Fehlende Bildnachweise

Just an diesem Dienstag, als sich die streitenden Parteien in Karlsruhe trafen, hatte Bild - das Mutterblatt von Springers großer Bild-Pressefamilie - erneut ein privates Foto von Sabine Christiansen exklusiv im Blatt. Diesmal war die blonde Dame, die mit weißen Hosenanzügen und Kostümen in ihrer einstigen ARD-Talkshow Mediengeschichte geschrieben hat, auf Seite eins zu sehen: Ganz in Weiß, mit einem Blumenstrauß.

Die Fernsehfrau, die oft auf Mallorca weilt, hat in Paris geheiratet - und Bild weiß mehr. Sehr heimlich kann der Trautermin mit einem französischen Textilunternehmer nicht gewesen sein, denn die Bilder in Bild sind weder unscharf noch verwackelt, sondern wirken eher wie offizielle Hochzeitsfotos.

Auffällig ist, dass ein Nachweis der Bildquellen fehlt. Genehmigt seien die Bilder laut dem Pressesprecher von Frau Christiansen nicht. Die Aufnahmen sollen von Fotografen der amerikanischen Agentur Abaca gemacht worden sein. Zu einer möglichen erneuten Klage wollte der Christiansen-Sprecher nichts sagen, wies aber darauf hin, dass man mit Paparazzi rechnen müsse, wenn man in Paris heirate. Auf Anfrage zu der bizarren Parallelität der Privatbilder konnte kein Sprecher von Bild oder Springer offiziell Stellung nehmen.

Irgendwie ist es von öffentlichem Interesse, wenn eine bekannte TV-Moderatorin in den Hafen der Ehe gefunden hat. Christiansen im weißer Chiffon-Bluse mit Blume im Haar, Christiansen mit weißem Blumengesteck - es sind Aufnahmen, die der Marke Christiansen gerecht werden. Die inkriminierten Bilder mit ihrer Putzfrau auf Mallorca bedienen dagegen offenbar nicht das geschliffene öffentliche Bild der Sabine Christiansen, 50.

Anders ist die Klage der TV-Moderatorin nicht zu erklären. Sie ging gegen das Foto, das sie mit ihrer Putzfrau beim Einkaufen im Hafenort Port d'Andratx auf Mallorca zeigt, mit aller Entschiedenheit vor.

Es geht um das alte Thema: Den Schutz Prominenter gegen Pressefotos aus ihrem Privatleben. In den Vorinstanzen hatte die TV-Moderatorin erreicht, dass das Mallorca-Bild und auch ähnliche Fotos aus ihrem privaten Alltag nicht mehr publiziert werden. Bilder, die dem in Mallorca aufgenommenen ähneln, dürfen weiterhin veröffentlicht werden, laut dem Urteil. Nach Auffassung des Berliner Kammergerichts von 2006 fehle jeglicher Bezug zur beruflichen Tätigkeit oder zu öffentlichen Auftritten von Christiansen. Ihr Interesse an Anonymität gehe vor, da sie selbst nur mit wenigen Informationen über ihr Privatleben an die Öffentlichkeit getreten sei.

Tabu-Bilder aus Mallorca

Der BGH treffe nun "eine weitere Entscheidung zu der Veröffentlichung von Prominentenfotos, die ohne deren Einwilligung erscheinen", sagt Medienrechtlerin Susanne Dieluweit von der Kanzlei Juchem & Partner. Sie verweist auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg ("Caroline-Urteil"). Danach sei "der Schutz der Privatsphäre auch dann anzuerkennen, wenn sich eine der breiten Öffentlichkeit bekannte Person an einem nicht abgeschiedenen Ort befindet".

Sabine Christiansen ist sich ihrer Rolle als Frau von öffentlichem Interesse bewusst. Sie kalkuliert offenbar genau, welche Bilder und Informationen von ihr veröffentlicht werden und welche nicht. Privates aus ihrem Leben liest man ohne ihre Einwilligung nicht. Während ihrer Trennung vom damaligen Ehemann Theo Baltz schwieg sie; das Thema verschwand schnell wieder aus der Presse. Bilder ihrer Villa auf Mallorca sind tabu.

Die andere Seite der Sabine Christiansen ist das der Star-Moderatorin, der Glamour-TV-Frau. Sie gibt sich gerne öffentlich, wenn der Anlass es zulässt. Wie auf dem Rosenball in Berlin, wo sie mit ihrem Freund, dem Promi-Friseur Udo Walz, einen Schautanz vollführt - nachdem sie ihn mit den Worten "Udo Schatz, kommst du bitte her?" zu sich zitierte. Dabei bleibt sie bescheiden: "Ich bin Journalistin und kein Star", hat sie einmal gesagt.

Mal sehen, was pressetechnisch aus der großen Hochzeitsfeier wird, die Sabine Christiansen anscheinend am 19. Juli auf dem Eiland Tagomago vor Ibiza feiern will. Eigentlich wäre es ein Pflichttermin für Bunte.

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(sueddeutsche.de/jja)