Besuch in der Filmstadt Ouarzazate "Wir profitieren vom Terrorismus"

In der marokkanischen Wüste dreht Hollywood seine Sandalen- und Terrorismusfilme - weil dort die Löhne billig sind und Marokko eine gute Location ist. Ein Besuch.

Von Susan Vahabzadeh

Das Beste an der Wüste ist, dass dort so ungeheuer viel Platz ist. Wenn man auf die marokkanische Stadt Ouarzazate am Rande der Sahara zufährt, sieht man seltsame Bauten im Sand, die von Ferne so aussehen wie mittelalterliche Ruinen. Dann kommen am Straßenrand zwei Filmstudios - das eine hat sich auf Innenaufnahmen spezialisiert, im anderen gibt es fest stehende Straßen und Häuser wie aus einer anderen Zeit. Ist aber alles in den vergangenen Jahren entstanden - auch die Bauten, die man in der Wüste sieht: Die einen dienen als altes Rom für jeden Filmemacher, der eine solche Kulisse brauchen kann. Die anderen meist als altes Jerusalem, sie haben unter anderem in Ridley Scotts "Königreich der Himmel" mitgespielt.

Überhaupt kennt in Ouarzazate jeder Ridley Scott, und zwar persönlich. Er hat hier in den letzten Jahren all seine Filme gedreht, nicht nur "Königreich der Himmel", sondern auch "Gladiator", "Black Hawk Down" und "Body of Lies", immer mit derselben Crew. Ouarzazate wurde schon vor fünfzig Jahren als Kulisse entdeckt, schon "Lawrence von Arabien" wurde hier gedreht. Und inzwischen hat sich die ganze Stadt aufs Kino spezialisiert.

In den beiden Studios, dem von Dino De Laurentiis begründeten CLA und Atlas-Film, die inzwischen zusammengehören, wurden auch "Prince of Persia" (2010), Oliver Stones "Alexander" (2004), Alejandro González Iñárritus "Babel" (2006), Bertoluccis "Himmel über der Wüste" (1990) gedreht, ebenso Tony Scotts "Spy Game" (2001), und "The Mummy" (1999). Auch Martin Scorsese war mehrmals hier - die Halle, in der der Dalai Lama in "Kundun" residiert, das Regal mit den nachgemachten Schriftrollen, die er liest, das hat man im CLA-Studio stehen lassen, als Touristenattraktion.

Ouarzazate liegt am Fuß des Atlas, im Umkreis von hundert Kilometern gibt es jede erdenkliche Landschaftsform, Gebirge, Wüste, üppige Vegetation, einen riesigen See, der fürs Kino auch gern mal ein Meer darstellt. Hier einen Film zu drehen, ist wesentlich günstiger als in den USA oder Europa - weil die Löhne niedrig sind. In der Halle liegen die Holzleichen aus "Gladiator" auf den Streitwagen, aber eigentlich sind hier vor allem Filme gedreht wurden, die viele lebende Komparsen brauchten - 3000 waren es bei "Gladiator".

In den Komparsenkarteien sind die unterschiedlichsten Typen gespeichert, in Marokko gibt es ein breites Spektrum von sehr hellhäutigen bis zu sehr dunkelhäutigen Menschen. Sogar ein Dorf, aus dem viele Männer für die Franzosen in Indochina gekämpft haben - viele der Männer haben damals dort geheiratet und die Frauen mitgebracht. Die Nachkommen spielen heute in Hollywoodfilmen die Chinesen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum die Region Ouarzazate Drehort Nummer eins in Afrika ist.

Ein Herz und eine Krone

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