Zeitungen aus dem Murdoch-Konzern sollen Tausende Handys abgehört haben. Auch Gwyneth Paltrow gehört zu den Opfern.
Die mondäne amerikanische Film-Diva Gwyneth Paltrow und der proletarische ehemalige britische Vizepremierminister John Prescott haben auf den ersten Blick nicht viel mehr gemeinsam als den ersten Buchstaben ihres Nachnamens. Doch jetzt scheint sich herauszustellen, dass die Schauspielerin und der Politiker gleichermaßen Opfer eines Lauschangriffs britischer Boulevardzeitungen geworden sind - ebenso wie Londons Bürgermeister Boris Johnson, die Fernsehköchin Nigella Lawson, Fußballverbandschef Gordon Taylor, die Celebrity-Größe Jade Goody und zahllose Abgeordnete und Politiker aller Parteien.
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Laut Guardian im Visier von Boulevarddetektiven: Gwyneth Paltrow. (© Foto: rtr)
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Dies jedenfalls berichtet die Londoner Tageszeitung The Guardian unter Berufung auf einen anonymen Informanten bei Scotland Yard. Nach diesen Informationen sollen Journalisten des Verlags News Group, der in Großbritannien die Tageszeitung The Sun und die Sonntagszeitung News of the World herausgibt, über einen langen Zeitraum hinweg die Mobiltelefone von Abgeordneten, Ministern, Stars und Sportgrößen elektronisch angezapft und abgehört haben, um auf diese Weise an Exklusivgeschichten zu gelangen.
Eine vom Guardian zitierte Quelle gibt die Zahl der betroffenen Personen mit "zwei- oder dreitausend" an. News Group ist Teil von News Corporation, dem globalen Medienkonzern des australischen Unternehmers Rupert Murdoch, der unter anderem auch die Londoner Times und das New Yorker Wall Street Journal herausgibt.
Ferien? Zu früh gefreut
Im vorsommerlichen Westminster, das sich nach den Skandalen der vergangenen Monate auf eine hoffentlich geruhsamere Ferienzeit zu freuen begann, ist die Exklusivgeschichte wie eine Bombe detoniert. Dazu trägt nicht nur bei, dass die Journalisten, die sich bei ihrer Abhöraktion der Hilfe professioneller Privatdetektive bedient haben sollen, das Gesetz übertreten hätten und strafrechtlich verfolgt werden könnten.
Mindestens ebenso schwer wiegt, dass das Medienunternehmen nach Angaben des Guardian an einige Betroffene insgesamt eine Million Pfund (1,15 Millionen Euro) Schadenersatz gezahlt haben soll, um ein Gerichtsverfahren abzuwenden. Vor diesem Hintergrund muss sich auch die Londoner Polizeibehörde die Frage gefallen lassen, warum sie nur einige, aber nicht alle Abhöropfer, von denen sie Kenntnis hatte, über die Aktion informierte.
In den politischen Mittelpunkt des Skandals freilich rückt der Guardian Andy Coulson, den Kommunikationsdirektor des konservativen Parteiführers David Cameron. Er war von 2003 bis 2007 Chefredakteur der News of the World, und in seine Amtszeit fiel der einzige bislang bekannt gewordene Fall einer Lauschaktion.
Clive Goodman, ein Reporter des Blattes, war im Januar 2007 zu einer Haftstrafe verurteilt worden, nachdem er für schuldig befunden worden war, die Handys von drei weniger bedeutenden Mitgliedern der königlichen Familie abgehört zu haben. Coulson hatte damals zwar bestritten, von dem Vorgehen des Journalisten gewusst zu haben. Er hatte jedoch die Verantwortung übernommen und war als Chefredakteur zurückgetreten. Kurz darauf war er von Cameron eingestellt worden.
Der Verlag und die Redaktion hatten damals beteuert, dass es sich bei Goodman um einen Einzelfall gehandelt habe. Auch jetzt betonten Verleger Murdoch, sein ehemaliger Chefredakteur Coulson und andere Vertreter von News Corporation, dass sie keine Kenntnis über Abhöraktionen gehabt hätten. Es ist aber durchaus denkbar, dass sie sich vor einem Untersuchungsausschuss des Unterhauses äußern müssen, dessen Einsetzung nun gefordert wird.
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(SZ vom 10.07.2009/korc)
Griechenland in der Schuldenkrise
Im Guardian 'Comment is Free' laufen im Moment einige Artikel, die sich damit befassen...aber grundsaetzlich stimme ich zu: Weiterberichten, SZ.
Das koennte durchaus einen herben Rueckschlag fuer David Cameron geben und endlich mal das Murdochempire etwas angreifen.
Danke SZ online.
Hier auf der Insel fragt sich jetzt jeder, wie viele Privatdetekive haben wie viele Menschen angezapft und sind im Besitz welcher Daten.???
Neben den Telefongespraechen wurden auch Bankdaten, Steuerbescheide etc. "runtergeladen"
Was ist das für eine Zunft ? Journalisten sind die Mitglieder der Murdoch-Bande sicherlich nicht. Überhaupt : Diese Zusammenarbeit mit Privatdetektiven.
Und welche Rolle spielt Scotland Yard in diesem Skandal ? Erst Dienstag mußte die Met zugeben, dass sie Daten von Demonstranten gespeichert und weitergegeben haben.
Da hat Prescott recht : Welche Rolle spielt in diesem Sumpf die Polizei ?
Und der Spin Doctor ? Welche Informationen wollte er für den nächsten Wahlkampf aufheben um sie dann zur richtigen Zeit an Murdoch Medien zu zuspielen ?
Das Drama nimmt gerade Anlauf....Bitte weiterberichten !
Wie ich bereits waehrend des Spesen-'Skandals' behauptet habe ist die Medienwelt der Murdochs, Barclay Bros u.a. gefaehrlich fuer die Demokratie. Sie sind zutiefst daran interessiert demokratische Strukturen zu unterwandern und sie durch Medienrummel zu ersetzen. Ich befuerchte immernoch, dass wir in den naechsten 20 Jahren das erste Land erleben werden, das eine Art Big Brother Parlament einfuehrt.
Allein deshalb sollte sich Deutschland von der mediengeilen FDP distanzieren. Die bringen so etwas noch am ehesten zu Stande.
Verfallsdatum haben und dann anfangen zu stinken?
Da muessen wir in Deutschland aber aufpassen bei unserem konformistischen Politikstiel. Sonst geht es uns wie den Brits.Zumal wir die westlichen Siegermaechte so gerne kopieren.( vgl. Blaier- Schroeder)
Mehr ist auch nicht zu sagen nötig. Millionen ÜW-Kameras allein in der Stadt London.
Und auch sonst leiden solche Briten unter einem Wahn, den man Imperialismus durch die Hintertür nennen kann. Warum stehen dem deutsche Medien nicht kritisch gegenüber - mit Ausnahme dieses Artikels?
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