Der Journalist Kai Hermann, 72, schrieb als Ko-Autor die Biographie von Udo Lindenberg "Panikpräsident". Mit dem Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" aus dem Jahr 1978 wurde er weltweit bekannt.
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Kai Hermann schrieb als Ko-Autor an der Biographie von Udo Lindenberg mit. (© Foto: dpa)
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Ich kenne Udo Lindenberg seit den siebziger Jahren. Während einer gemeinsamen Kuba-Reise entstand bei einigen Cocktails die Idee, ich könnte ein Buch für ihn über sein Leben schreiben, das in den Bars dieser Welt entstehen würde. Ganz so lustig wurde die Zusamenarbeit dann nicht.
Udo ist ein ruheloser Mensch. Unsere Treffen haben meistens im Auto stattgefunden. Immer nachts. Wir sind zwischen Nordsee und Ostsee gependelt, Udo am Steuer, ich daneben auf dem Beifahrersitz. Es war völlig dunkel. Das wenige, das Udo erzählte, musste ich mir merken. Ich konnte ja in der Dunkelheit nichts aufschreiben, und mein Diktiergerät funktionierte bei Udos Genuschel nicht.
Viele Menschen können nicht über ihr Leben reden. Udo ist eine Kunstfigur, vom Hut bis zum typischen Slang. Es widerstrebt ihm, dieser Figur etwas Reales hinzuzufügen. Ich behaupte, die meisten Berühmtheiten sind irgendwann in ihrer Rolle gefangen. Ein Buch über die eigene Lebensgeschichte ist aber etwas, dass wieder den ganz normalen Menschen hervorholt. Udo hatte eine Abwehrhaltung, es überhaupt zu lesen. Seine einzige Rückmeldung war: "Mach weiter so, Alter."
Inhaltlich hatten wir keine Konflikte, es bestand einfach ein Vertrauensverhältnis. Aber Udo tat sich schwer, etwas über sich preiszugeben. Außer über Musik, darüber, wie Songs entstanden sind. Über Karrieresprünge oder Erfolge hat er wenig gesprochen. Jugendfreunde und langjährige Bandmitglieder haben da wesentlich mehr beigetragen.
Einmal erinnerte sich Udo dann doch, wie er nach seinem ersten Plattenvertrag eine Villa für seine Mutter suchte, oder wie er als Kind auf einem alten Blechfass getrommelt hat. Ganz wichtig war ihm sein Engagement gegen rechts. Was er da macht, ist übrigens absolut ehrlich. Er wird regelrecht davon beherrscht.
Meine Bedingung ist: Vertrauen. Ich versuche nicht, die Sprache der Person, für die ich schreibe, zu imitieren, sondern entwickele eine Kunstsprache und transportiere den Jargon. Dadurch und durch umfangreiche Recherchen, entsteht eine Biographie in Ich-Form. Ich sehe mich als Ko-Autor und bestehe deshalb auf Nennung meines Namens. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil der Leser sonst getäuscht würde.
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(SZ vom 18.2.2010/kred)
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