Die "Bad Boys" von Hollywood: Bernard-Henri Lévy verdammt Tarantinos Inglourious Basterds, Scorseses Shutter Island und den neuen Umgang des Kinos mit Hitler.
Er ist nicht immer der schnellste mit seinen Wortmeldungen, aber wenn er sich mal aufrafft, dann ist er schnell mit entsprechenden Schlüssen und Kurzschlüssen dabei. In einem neuen Eintrag auf seiner Webseite "La règle du jeu" nimmt sich Bernard-Henri Lévy den neuen Umgang des amerikanischen Kinos mit Hitler und den Nazis vor, exemplifiziert an zwei Meistern, Tarantino und Scorsese, die bei aller Meisterschaft einen fahrlässigen Umgang mit der Geschichte des Dritten Reichs pflegten.
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Kaum mit dem Oscar versehen, schon wird der Film angegriffen: Christoph Waltz als Nazi-Oberst in Quentin Tarantinos Film "Inglourious Basterds". (© Foto: dpa)
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Man erinnert sich, es geht um die seit der Premiere von "Inglourious Basterds" in Cannes immer wieder diskutierte Frage, ob man Hitler, wider alle historische Faktizität, in einem spektakulären Showdown in einem Pariser Kino sterben lassen darf, "an einer Überdosis von Film" gewissermaßen.
Und es geht um die Frage, ob Scorsese in seinem "Shutter Island" Szenen vom KZ Dachau wachsfigurenkabinetthaft mit den Visionen des verstörten Leonardo DiCaprio und der amerikanischen Fünfziger überblenden darf.
Lévy rekapituliert die bekannten Stationen der Diskussion um die - ästhetische - Darstellbarkeit der Lager, Rivettes Kritik an Pontecorvos "Kapo", Lanzmanns Kritik an Spielbergs "Schindlers Liste", und sieht in den neuen Produkten nun einen Revisionismus am Werk.
"Der Nazismus ist dabei, eine Art neue Spielwiese zu werden, wo sich die Bad Boys eines Hollywood vergnügen, deren Moguln, dem Gott in der Philosophie Berkeleys vergleichbar, der jede Minute seine Schöpfung ändert, beschlossen haben, dass es an ihnen ist, zu entscheiden, was jeweils wirklich ist und was nicht ... Die Kunst kommt hier auf ihre Rechnung. Die Erinnerung nicht."
Lévy ist selbst schon mulmig beim Wort Revisionismus, der Wortführer einer Postmoderne steht da schon halb in der Ecke der politischen Korrektheit. Es fehlt nicht mehr viel - vielleicht sollte er sich schleunigst Oskar Roehlers Jud-Süß-Film anschauen, wo aus dem Süß-Darsteller Ferdinand Marian ein melodramatisches Opfer des Naziregimes wird.
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(SZ vom 10.03.2010/rus)
Wenn Sie lediglich zu polemischer Schwarz-Weiß-Malerei fähig sind und Ihnen der intellektuelle Zugang zum Werk von Kunst- und Medienschaffenden gänzlich fehlt, so dürfen Sie meine aus dem Kontext gerissenen Zitate in künftigen Diskussionen sehr gerne zum Zwecke der Selbstentlarvung verwenden.
"Nur durch unterschiedlich und immer neue Herangehensweisen an das Thema bleibt Diskussion lebendig."
Darf ich das diversen Holocaustleugnern ins Gaestebuch schreiben? Ich verspreche auch immer mit Ihrem Nicknamen zu zitieren.
@wasdwieimahn
"Bei "Inglorious Basterds" hat wohl kaum jemand, zumindest innerlich, beim "Abschuss" eines Nazis frohlockt."
Ich vermute Sie heben da ein Wort vergessen, wenn nicht lesen Sie mal die im Internet was der ein oder andere "zivilisierte" Zeitgenosse so von sich gegeben hat.
In dem Zusammenhang, in der englischen Fassung die ich geschaut habe, werden die "Nazis" als Germans oder Krauts bezeichnet, aber solche Kleinigkeiten sind eher nebensaechlich.
...und gerade Filme wie "Schindlers Liste" zeigen juengeren Generationen die unfassbare Grausamkeit dieses Regimes auf. Bei "Inglorious Basterds" hat wohl kaum jemand, zumindest innerlich, beim "Abschuss" eines Nazis frohlockt. Ich finde den Schluss unglaublich faszinierend und wuenschte, es haette wirklich so geendet. Mir gehen diese schon Routine maessigen Aufschreie der Empoerung von Vertretern juedischer Interessen-
gruppen auf den Geist. Frau Knobloch ueber "Bruder Barnabas" und eben Herr Levy ueber Tarantino. Wenn ein Daene den Propheten Mohamed zeichnet ist das Pressefreiheit, soviel Tolleranz muss schon sein, gell?!
So ist es. Zudem birgt das "Ritualisieren" auch die Gefahr der Abstumpfung. Unzählige Dokumentationen über die beiden Weltkriege und den Holocaust flimmern wöchentlich über die deutschen TV-Sender - da wird schnell mal weitergezappt mit dem Gedanken: "Ach, schon wieder."
Fiktion dagegen ist mächtig und abwechslungsreich: "Im Westen nichts neues", "Corelli's Mandoline", "Der schmale Grat" - alles Kriegsfilme, alle wertvoll, alle interessant und unterhaltsam. "Das Leben ist schön" - im Vorfeld verunglimpft als Holocaust-Komödie - einer der bittersten, bedrückensten und fesselnsten Filme zum Thema.
Nur durch unterschiedlich und immer neue Herangehensweisen an das Thema bleibt Diskussion lebendig.
Wir sollten uns auch mal Gedanken über Western und die Verharmlosung des Völkermords an den verschiedenen Völkern der Amerikanischen Ureinwohnern.
Oder wir lassen es wie es ist. Nennen es Popcorn Unterhaltung und trauen den Leuten zu den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Fiktion von ganz alleine zu erkennen!
Paging