Silvio Berlusconi belegt den Sender seines Rivalen Rupert Murdoch mit einer Strafsteuer. Der australische Medientycoon ruft zum E-Mail-Protest gegen den italienischen Premier auf.
Silvio Berlusconi beherrscht die italienischen Bildschirme. Diese Aussage ist richtig und falsch zugleich. Tatsächlich kontrolliert Berlusconi mit seiner Familienfirma Mediaset die wichtigsten Sender des Privatfernsehens. Als Premier kann er zugleich die staatliche Rundfunkanstalt Rai beeinflussen.
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Konkurrenten auf dem italienischen Fernsehmarkt: Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi. (© Foto: Reuters)
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Zwischen Rai und Mediaset aber gedieh in den vergangenen Jahren ein dritter Akteur. Er heißt Sky Italia und gehört dem australisch-amerikanischen Medientycoon Rupert Murdoch.
Fast fünf Millionen Bürger haben mittlerweile die Satelliten-Programme von Sky abonniert. Diese senden Fußball, Spielfilme, Kinderprogramme, Dokumentarfilme und ausgewogene, qualitätsvolle Nachrichten.
Mit anderen Worten: Sky bereichert Italiens Fernsehhimmel. Zugleich gelingt es diesem Bezahlsender allmählich, in den von Berlusconi dominierten Werbemarkt einzudringen. Ausgerechnet jetzt, vor Weihnachten, da der Abo-Markt brummen sollte, kommt Sky jedoch in Nöte. Bislang lag auf seinen Abonnements ein Mehrwertsteuer-Satz von zehn Prozent. Nun hat ihn die Regierung Berlusconi auf 20 Prozent erhöht. Sky wird diese Kosten auf die Kunden umwälzen müssen - und diese werden teilweise kündigen.
Sky-Manager, Oppositionspolitiker und Zeitungskommentatoren argwöhnen, Berlusconi wische so einem lästigen Konkurrenten eins aus. Sky schlägt auf seinen Sendern mit Spots zurück. Die Regierung verspreche in der Wirtschaftskrise, Steuern zu senken, und tue das Gegenteil. Dadurch würden Millionen Familien belastet. Sie sollten nun Protest-E-Mails an Berlusconi schreiben. Zugleich zählt der Murdoch-Sender auf, welche Produkte von einem niedrigen Mehrwertsteuer-Satz profitieren: Zeitungen etwa, Rohtabak und Straußeneier. Warum Straußeneier und nicht Sky?
Zwischen Rivalität und Vertrautheit
Die Regierung verweist auf Europa. Tatsächlich hat Brüssel Italien aufgefordert, die Steuersätze auf das Bezahlfernsehen anzugleichen. Bislang wurden die Sky-Programme, die via Satellit ausgestrahlt werden, gegenüber Antennen-Programmen begünstigt. Die EU schlug vor, die Sätze einheitlich auf zehn Prozent zu senken. Die Regierung Berlusconi hob sie stattdessen auf das Doppelte an. Dies trifft vor allem Murdochs Sky, das etwa 90 Prozent des gesamten Bezahlfernsehens in Italien ausmacht.
Berlusconi und Murdoch kennen sich seit langem. Ihr Verhältnis schwankt zwischen Rivalität und Vertrautheit. Immer mal wieder wollte Murdoch die Firma Mediaset kaufen. Berlusconi wehrte ab. Derzeit versucht Mediaset, auch im italienischen Bezahlfernsehen Fuß zu fassen, was die Konkurrenz zu Murdoch verschärft. Zudem kaufte Mediaset Anteile am deutschen Sender Premiere, an dem Murdoch beteiligt ist. Die Mehrwertsteuer-Erhöhung wirkt da wie ein weiterer Vorstoß gegen das Murdoch-Imperium.
Berlusconi aber wittert hinter aller Kritik ein Komplott der Linken, die mit seinem konservativen Rivalen kungele. Besonders ärgert es ihn, dass auch die großen Qualitätszeitungen Corriere della Sera und La Stampa den Steuer-Coup seiner Regierung missbilligen.
Berlusconi forderte die Chefredakteure daher auf, ihr "Handwerk" zu wechseln. Der Corriere antwortete auf Seite eins, sein Handwerk sei es, zu informieren. "Das wird die Zeitung weiter tun, auch wenn dies dem Ministerpräsidenten manchmal missfällt." Die Moral der Geschichte: Berlusconi mag die Bildschirme beherrschen - doch in Italien herrscht immer noch Pressefreiheit.
(SZ vom 05.12.2008/jb)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Lieber Herr Ulrich,
haben Sie noch nie von dem riesigen Interessenkonflikt Berlusconis gehört, der
einfach in allen Bereichen macht, was er will, natürlich Gesetze für den Eigenbedarf
eingeschlossen. ("er macht was er will", Model-"Ministerin" Garfagna, Regierung Ber-
lusconi , jüngst in TV-Interview) ?
Daß der Interessenkonflikt bei der Sky-Steuererhöhung wieder massiv im Spiel ist, dürfte jedem zivilisierten Europäer klar sein !
Von wegen Qualitätszeitung Corriere ! Ci ridono i polli ! Der Corriere ist zu gut 80% der
der leitenden Kommentatoren belusconiano !
Ich nenne nur die Namen Panebianco, Battisti
della Loggia und Vicedirettore Magdi Allam.
Herr Ullrich, Sie berichten viel zu schönfärberisch von Italien. Die schlimmen Ent-
wicklungen in Italien erfährt in der SZ leider niemand-frei nach dem Motto:..Sind halt Italiener,das darf mann nicht so ernstnehmen,schließlich mögen wir bella Italiaaa!!
...gürtig = ...bürtig
Na, da haben sich ja zwei ebenbürtige getroffen. Was sag ich, "ebengürtig"? Nee: einer ist schlimmer als der andere.
Berlusconi, der kriminelleste Politiker in Europa. Ich habe ja oft und gerne in Richtung von George W. BUsh gewettert, aber so richtig mit dem Finger auf ihn zeigen konnte ich auch nicht, solange sich Europa in einem Mitgliedsland der EU einen durch und durch korrupten Berlusconi leisten kann.
Da send ich ihm doch gerne ein paar Grüße aus Sizilien. Die Mafia kann ich ihm nicht auf den Hals hetzten, er ist selbst der Ober-Mafiosi:
Berlusconi, sei un stronzo e un ladro!
Don Vito Corleone