Berliner Zeitung: Ungewisse Zukunft Wunschpunsch

Finanzinvestor David Montgomery ist in Finanznot. Ein Verkauf des Berliner Verlags könnte das nötige Kleingeld bringen - einen Interessenten gibt es offenbar schon.

In der schmalen Zeitfuge zwischen Weihnachten und Neujahr, also zwischen Lukasevangelium und Dinner for One, träumen die Menschen von einem guten neuen Jahr. Auch Journalisten dürfen sich was wünschen, und an diesem Freitag brachte der Branchendienst kress die Meldung, dass der klamme Investor David Montgomery den Berliner Verlag mitsamt der Berliner Zeitung verkaufen wolle und dass der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg sehr interessiert sei.

Berliner Zeitung: Ungewisse Zukunft

Ungewisse Zukunft: Der Finanzinvestor David Montgomery will offenbar den Berliner Verlag abstoßen.

(Foto: Foto: ddp)

Ob es sich um eine der Jahreszeit entsprechende Wunschgeschichte oder um Realität handelt, ist unklar, weil keiner der Beteiligten zu erreichen war oder in den Weihnachtstagen darüber reden wollte. Angeblich strebt der Kölner Verlag eine weitreichende Kooperation der Berliner Zeitung mit der Frankfurter Rundschau (FR) an, die ebenso wie der Kölner Stadt-Anzeiger und ein paar anderer Zeitungen zu DuMonts Reich gehört.

Gesamtdeutsches Projekt

Passenderweise war FR-Chefredakteur Uwe Vorkötter Chefredakteur der Berliner Zeitung. Er hatte im Herbst 2005 öffentlich vor dem Verkauf des Berliner Blattes an den Finanzinvestor Montgomery gewarnt und eine andere Lösung empfohlen: Alfred Neven DuMont, "einer der namhaftesten deutschen Zeitungsverleger", habe "nachhaltiges Interesse", aber Montgomery und die Mecom-Gruppe erhielten schließlich den Zuschlag.

Eigentlich gehörte die Berliner Zeitung, die ein gesamtdeutsches Tageszeitungsprojekt ist, dem Verlag Gruner + Jahr, der das Blatt an den Holtzbrinck-Verlag verkaufte, weil G+J die Lust an Regionalzeitungen verloren hatte. Da aber Holtzbrinck auch den Berliner Tagesspiegel besitzt, legte sich das Bundeskartellamt quer. Gut drei Jahre lang war Vorkötter Chef einer Zeitung, von der niemand genau zu sagen wusste, wem sie wirklich gehörte, und im Rückblick waren es keine schlechten Jahre für das Blatt.

Frist bis Ende Februar

Nachdem Montgomery das Sagen hatte, ging es bergab. Die Auflage sank, circa zwei Dutzend Redakteure verließen in den vergangenen Monaten das Blatt, auch Verlagsmanager gingen, und außer dem Willen zu sparen, um Rendite zu machen, war kein Verlagskonzept erkennbar.

Der Eigentumswechsel könnte sinnvoll erscheinen, weil Montgomerys Mediengruppe in noch weit größeren Schwierigkeiten als die Berliner Zeitung steckt. Insgesamt 587 Millionen Pfund schuldet der britische Medienunternehmer - den alle nur "Monty" nennen - seinen Gläubigern, und die sollen ihm noch eine Frist bis Ende Februar gewährt haben. Die Mecom-Aktie lag noch im Sommer vorigen Jahres bei 97 Pence und stürzte auf ein Tief von 0,86 Pence.

Falls das Blatt im neuen Jahr an einen seriösen Verlag verkauft würde, würden vermutlich auch nach Silvester noch in Berlin die Böller krachen; aber danach wird auch die Böllerpappe nass und von Autos zermantscht. Eine enge, synergetische Zusammenarbeit zwischen der Berliner Zeitung und der FR würde vermutlich wieder Arbeitsplatze kosten.