Weil mehrere Redakteure für die Stasi gespitzelt hatten, setzte die Berliner Zeitung eine Kommission zur Aufklärung ein. Jetzt hat sie ihren Bericht vorgelegt.
Der so genannte Ehrenrat der Berliner Zeitung hat seinen Bericht über Stasiverstrickungen von Mitarbeitern veröffentlicht. Darin sprach sich das verlagsunabhängige Gremium für eine Weiterbeschäftigung von drei belasteten Journalisten aus. Die Redakteure Thomas Leinkauf und Ingo Preißler hätten sich mit ihrer Vergangenheit ernsthaft und aufrichtig auseinandergesetzt, heißt es in einer der Erklärung. Chefredakteur Josef Depenbrock habe dem Vorschlag unter der Bedingung zugestimmt, dass sie keine Leitungsfunktion mehr ausüben. Leinkauf, für die Seite 3 und das Magazin zuständig, und der frühere Politikchef Preißler hätten dies akzeptiert.
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Der Sitz der "Berliner Zeitung" am Alexanderplatz (© Foto: dpa)
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Im Fall des Politikredakteurs Roland Heine, der als IM tätig gewesen sei, schlug die Kommission vor, ihn nicht mehr im Bereich Politik/Nachrichten/Kommentierung zu beschäftigen, da dies hohe Anforderungen an die Glaubwürdigkeit eines Journalisten stelle. Die Chefredaktion sei gewillt, diesem Vorschlag zu folgen.
Der Ehrenrat war durch einen Beschluss der Redaktion eingesetzt worden, nachdem mehrere Stasi-Fälle bei der Zeitung bekanntgeworden waren. Mitglieder sind der ehemalige Direktor der Stasi- Unterlagenbehörde Peter Busse, der Schriftsteller Adolf Endler, der CDU-Politiker und Pfarrer Rainer Eppelmann sowie der Regisseur Thomas Langhoff. Sie werteten für ihren Bericht Akten der Birthler-Behörde aus - allerdings mussten die Redakteure die Akteneinsicht selbst beantragen.
Insgesamt hätten neun Redakteure der Berliner Zeitung Verbindungen zur Stasi gehabt, so der Bericht. Fünf von ihnen waren beim Stasi-Wachregiment "Feliks Dzierzynski". Dies allein sei aber kein Anlass für dienstrechtliche Folgen - als Wachsoldaten gehörten die Mitarbeiter zwar der Stasi an, waren aber nicht automatisch als Spitzel tätig. Es bleibe Sache der Redaktion, den Prozess der Aufklärung zu Ende zu führen.
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(sueddeutsche.de/dpa/che/bosw)
Partyzone Flußufer
Vorbildlich ist es auf der einen Seite, dass die Redaktion der Berliner Zeitung um Aufklärung bemüht ist und ihre Vergangenheit durchleuchtet. Das hört sich als Außenstehender recht vernünftig an. Und als IM oder als Wachsoldat zu arbeiten ist auch ein großer Unterschied der in der Beurteilung des Menschen berücksichtigt werden sollte.
Unabhängig von STASI und Berliner Zeitung würde ich persönlich auch mal gerne wissen, wie viele Redakteure in westdeutschen Zeitungen für den Verfassungsschutz oder vergleichbare Institutionen geabeitet haben. Ich glaube dieses Kapitel der deutschen Publizistik wird nur sehr vorsichtig behandelt, wenn überhaupt.