Erst eine Annonce, dann eine Drohung der Redaktion: Warum Chefredakteur Josef Depenbrock nicht zur Berliner Zeitung passt.
Morgens zeigte sich Josef Depenbrock noch entschlossen. Nein, sagte er am Mittwoch, er werde der Einladung zur Betriebsversammlung am Nachmittag nicht folgen. "Es gibt nichts Neues zu sagen", lautete die Begründung des Mannes, der Chefredakteur der Berliner Zeitung und Geschäftsführer des Berliner Verlages zugleich ist. Es kam anders.
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Die 300 Mitarbeiter des Berliner Verlags, die zur Betriebsversammlung erschienen waren, schickten eine Delegation zu Depenbrocks Büro: Er solle sich den Fragen stellen, andernfalls würden die Beschäftigten nicht zur Arbeit zurückkehren, so das Ultimatum, und damit die Zeitung nicht erscheinen. Depenbrock lenkte ein und kam schließlich doch nach 20 Minuten zu den Redakteuren.
Verheerend
Die Geschichte ist ein weiteres Beispiel für die verheerende Stimmung, die bei der Berliner Zeitung herrscht. Das Hauptstadtblatt (Auflage: 170000 Exemplare) ist in einer Krise, jede Seite kämpft verbissen.
Erst am Mittwoch hatte das Arbeitsgericht eine Klage der Redakteure gegen die Doppelfunktion Depenbrocks als Chefredakteur und Geschäftsführer abgeschmettert. Doch Depenbrock nutzte den Triumph keineswegs dazu, die Wogen zu glätten und auf seine Widersacher zuzugehen, was zweifellos dringend geboten wäre. Im Gegenteil: Er machte markige Sprüche und brachte die Belegschaft weiter gegen sich auf. Die Berliner Zeitung sei kein "Wohlfühlverein". Schon sprach er von Plänen, einzelne Ressorts bei der Berliner Zeitung zusammenzulegen, was für weitere große Unruhe sorgt.
Depenbrock, 46, ist Westfale, in Ahaus im Westmünsterland geboren, den Menschen in diesem Landstrich wird eine gewisse Sturheit nachgesagt. "Ich bin Journalist, ich habe nichts anderes gelernt", sagt er.
1983 hat er als Volontär und dann als Lokalredakteur bei den Westfälischen Nachrichten angefangen, wechselte in den Boulevardjournalismus zu Bild und Berliner Kurier. Von 1993 bis 2000 war er Chefredakteur des Anlagemagazins Cash, bis er bei der Hamburger Morgenpost landete. 2006 wurde er schließlich Chefredakteur der Berliner Zeitung und ein Jahr später auch Geschäftsführer, und damit Deutschland-Statthalter des britischen Medieninvestors David Montgomery.
Ablehnend
Depenbrock ist zudem mit 27 Prozent an der Cash Medien AG beteiligt und nebenbei Herausgeber der Kreuzfahrtmagazins Azur. "Das Paradies hat einen Namen", lautet die Überschrift einer aktuellen Azur-Story über Tahiti.
In Berlin ist Depenbrocks Job derzeit alles andere als das Paradies. Dabei gab es auch andere Zeiten: Als er anfing, hatte er zusammen mit der Redaktion mit viel Elan an einer Sonntagsausgabe gearbeitet. Das Projekt wurde dann aber nicht realisiert.
"Im Moment spielt Herr Depenbrock den harten Manager", sagte Thomas Rogalla vom Redaktionsausschuss resigniert. In der täglichen Redaktionsarbeit sei er fast nicht mehr präsent. Wichtige Leitartikel schreibt Depenbrock auch selten.
Die Zeitung, die sich als Autorenblatt bezeichnet, will aber Führung und träumt von einem brillanten Schreiber. Manche behaupten, Depenbrock werde immer ablehnender je mehr Widerstand es gegen ihn gibt. Und der wächst: Einige aus der Redaktion suchten per Anzeige nach einem neuen Investor. Die Gewerkschaft Verdi will die Voraussetzungen für einen offiziellen Streik prüfen. Die Zeichen stehen auf Kampf. Einige sprechen von zwei Zügen, die aufeinander zurasen. Am Ende könnte die Berliner Zeitung auf der Strecke bleiben.
Depenbrock selbst sieht sich offenbar verfolgt, er spricht von Propaganda, von einer Dämonisierung des Investors Montgomery. "Wir holen etwas nach, was andere schon lange gemacht haben. Und wir beziehen jetzt Prügel dafür", klagte er vor kurzem. Aber in Wirklichkeit wird vor allem gespart.
(SZ vom 04.07.2008/rus)
Wettmanipulation im Fußball
Unter dem Begriff:
"Gesellschaftspolitische Ausrichtung im Kontext des Investors"
kann man sehr schnell Parallelen finden. Die Tradition der SZ als ehemals liberale, imZweifelsfall linksliberale Zeitung ist Vergangenheit. Weitere (gefühlte) Details und darüber hinaus eigene Interpretationen zu mancher Märchenstunde stelle ich erst mal zurück...
jnpeters:
Ich habe mit keiner Silbe behauptet, daß man BZ und SZ tatsächlich in irgendeiner Weise miteinander vergleichen sollte.
Ich frage mich, warum die SZ ausgerechnet über die BZ schreibt, wo es doch sicherlich tausende von Firmen mit einer vergleichbaren Mitarbeiterzahl gibt und einige davon sicherlich auch irgendwelche Probleme haben. Da steht allerdings nichts zu lesen. Und darauf wollte ich hinweisen. Wenn man denn keine dieser Firmen kennt, dann kann man ja im eigenen Haus eine lange Serie anfangen.
Das Problem bei der Berliner Zeitung ist, dass Redaktion und Geschäftsführung nicht klar getrennt sind - wie es sich für seriöse Zeitungen eigentlich gehört.
Bei der Berliner Zeitung ist der Chefredakteur gleichzeitig auch der Geschäftsführer der Zeitung.
Hinzu kommt, dass der vor einigen Jahren eingestiegene "Investor" irrwitzige Renditeforderungen stellt.
@McKiri: ich kann keine Schadenfreude erkennen. Der Vergleich hinkt auch gewaltig - bei der SZ sind Geschäftsführung und Redaktion klar getrennt. Bei der Berliner Zeitung hat es in den letzten Jahren eine massive Abwanderung von Journalisten zu anderen Zeitungen gegeben. Und das waren oft gerade die guten Leute der dortigen Redaktion.
Daher: wer über die Angelegenheit (Berliner Zeitung) keine Ahnung hat, sollte besser schweigen. Die dortigen Vorgänge sind leider seit einigen Jahren ein reines Trauerspiel.
"""Nur so, um zu sehen, ob bei der SZ wirklich alles besser ist, als bei der BZ. """
Besser? Bei der SZ geht die Angst um..........
Da stellt sich sofort ein ganz fader Geschmack ein, wenn eine Zeitung über die Internas einer anderen Zeitung schreibt. Ich weiß nicht, warum mir gerade das Wort Schadenfreude einfällt. Aber wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. In diesem Sinne wäre es doch mal ganz interessant, das Protokoll der letzten Versammlung der SZ-Gschäftsführung zu veröffentlichen. Nur so, um zu sehen, ob bei der SZ wirklich alles besser ist, als bei der BZ.