Von Hans Hauert

Mit einer ganzseitigen Annonce in der taz sucht die Redaktion der Berliner Zeitung einen Verleger, der eine Zeitung für Leser statt für Aktionäre machen will. Man bietet: Hauptstadterfahrung und "meist gutes Deutsch".

Am heutigen Mittwoch rauscht es auf der "flimmern und rauschen" benannten Medienseite der taz ganz gewaltig aus dem Blätterwald. Denn über dem Fernsehprogramm wird die komplette Seite von einer ungewöhnlichen Anzeige gefüllt: Die Redaktion der Berliner Zeitung sucht einen neuen Verleger.

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Sie bietet "Hauptstadterfahrung, meist gutes Deutsch profilierter Autoren" und "eine beträchtliche Rendite, die sich aufgrund unserer Nachhaltigkeitsstrategie allerdings nicht beliebig steigern lässt". Dafür sucht man einen Verleger, "dem man nicht erklären muss, dass der Adressat einer Zeitung zuerst der Leser ist und nicht der Aktionär".

Wichtig für Verlegerinnen und Verleger, die Lust auf diese Herausforderung haben: Ernstgemeinte Angebote dürfen sie keinesfalls an die Chefredaktion schicken, sondern nur zu Händen des Redaktionsausschusses, und zwar an die Abteilung "Demergers & Acquisitions" (Entflechtungen & Ankäufe).

Klage zurückgewiesen

Hintergrund für die Aktion ist die Unzufriedenheit der Redaktion mit dem amtierenden Chefredakteur Josef Depenbrock, der sich am heutigen Mittwoch vorm Berliner Arbeitsgericht verantworten musste. Seine Redaktion hatte ihn verklagt, weil sie der Ansicht ist, dass seine Doppelfunktion als Chefredakteur und Geschäftsführer der Holding im Widerspruch zum Redaktionsstatut steht.

Das Gericht wies die Klage zurück. Aus dem vereinbarten Redaktionsstatut ergäben sich keine Ansprüche, um die Personalunion zu verhindern. Nach der Übernahme des Verlages durch den Medieninvestor David Montgomery hatten Redaktion und Verlagsspitze Regelungen für die Zusammenarbeit getroffen. Die Redaktion habe ein Mitspracherecht, könne aber die Ernennung des Chefredakteurs nicht verhindern, erklärte das Gericht.

Es handele sich um eine reguläre Anzeige, sagt taz-Medienredakteur Steffen Grimberg, für die ein Sonderpreis im vierstelligen Bereich bezahlt worden sei. Redakteure der Berliner Zeitung hätten das Geld gemeinsam aufgebracht. Die Entscheidung, zugunsten der Annonce auf redaktionellen Inhalt zu verichten, sei nicht schwergefallen. Man habe die Medienthemen eben im Internet auf taz.de veröffentlicht.

Dies ist nicht die erste solidarische taz-Aktion für die Berliner Zeitung: Am 30. Mai 2006, als Josef Depenbrock überraschend zum Chefredakteur bestellt worden war, hatte man die erste Seite der Berlin-Ausgabe für eine Erklärung der Redaktion zur Verfügung gestellt.

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(sueddeutsche.de/dpa/jja)