Berliner "Boulevard der Stars" In den Sternen

Illustre Namen wie Marlene Dietrich, "Bully" Herbig und Thomas Gottschalk zieren die Sterne am Potsdamer Platz. Berlin hat sich den "Boulevard der Stars" viel Geld kosten lassen, damit er zum "Walk of Fame" der Hauptstadt wird. Nun soll er für eine Straßenbahn weichen. Kein Grund, ihn nicht noch einmal pompös wiederzueröffnen.

Von Leonard Goebel

Der Potsdamer Platz ist für viele Berliner kein richtiger Teil ihrer Stadt. Zu viele Touristen, zu wenig Authentisches. Ein markantes Beispiel dafür bildet der Boulevard der Stars, der am Montag feierlich wiedereröffnet wurde. Thomas Gottschalk, Michael "Bully" Herbig, Hannelore Hoger und andere Prominente sind nun mit einem Stern im Boden des rot asphaltierten Mittelstreifens der Potsdamer Straße verewigt und leisten dort Mario Adorf und Marlene Dietrich Gesellschaft.

Er glänzt immer noch, fragt sich nur wie lange: Marlene Dietrichs Stern war einer der ersten auf dem zwei Jahre alten Boulevard der Stars in Berlin.

(Foto: dapd)

Die Idee für den Boulevard der Stars stammt aus Hollywood. Dort sind inzwischen 2500 Showgrößen auf dem sogenannten Walk of Fame verewigt. Am Potsdamer Platz sind es nunmehr 81. Und selbst deren Zukunft ist ungewiss, denn der Mittelstreifen soll eigentlich bald einem weniger glamourösen Zweck zugeführt werden: einer Straßenbahntrasse.

Doch bis dahin wird der Boulevard der Stars kurioserweise erst einmal vergrößert: Auf den 20 neuen Messingplatten stehen unter anderem auch die Namen der Schauspieler Ulrich Tukur und Hans Albers, des Regisseurs Volker Schlöndorff und des James-Bond-Szenenbildners Kenneth Adams, der wie Thomas Gottschalk am Montag nach Berlin reiste, um dabei zu sein, wenn der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Sterne einweiht. Ausgewählt wurden sie von einer fünfköpfigen Jury, darunter der Filmwissenschaftler und Initiator des Projekts, Gero Gandert.

"Sowas schafft man nicht ab"

Er hatte vor etwa zehn Jahren die Idee, im Umfeld des Potsdamer Platzes, wo schon das Filmmuseum Berlin und die Berlinale angesiedelt sind, herausragende Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen auszuzeichnen. Getragen wird der Boulevard der Stars von einer gleichnamigen gemeinnützigen Gesellschaft unter der Leitung von Georgia Tornow. "Am Anfang haben viele gefragt, warum wir Hollywood kopieren", sagt sie. Das mache jetzt keiner mehr. Trotzdem wünsche sie sich mehr Unterstützung, vor allem von Sponsoren.

Über die Unterstützung der Stadt hingegen beklagt sie sich nicht. Knapp 240.000 Euro zahlte das Bezirksamt Mitte dieses Jahr an den Boulevard der Stars, denn der Gesellschaft fehlte das Geld. Auch am ursprünglichen Bau beteiligte sich das Land Berlin mit etwa 200.000 Euro. Im letzten Jahr übernahm die Stadt zudem die Reinigungskosten des immer wieder von Vandalismus und Verschmutzung betroffenen Boulevards von 36.000 Euro. Wenn Berlin sich rausputzt, wird es teuer.

Das sorgt für Kritik, zumal die Zukunft des Boulevard der Stars wegen der geplanten Straßenbahntrasse sozusagen in den Sternen steht. Claudia Reich-Schilcher von der Senatsverwaltung kann die Kritik nicht nachvollziehen: "Es ist völlig offen, ob und wann die Straßenbahn auf den Mittelstreifen kommt." Die Stadt werde Alternativen prüfen. "Ich persönlich vermute eher, dass er bleiben kann. So etwas schafft man nicht wieder ab."

Für den Berliner Fahrgastverband IGEB wäre das ein Skandal, der Mittelstreifen sei seit Jahren für die Straßenbahn reserviert. "Die Stadt sollte sich überlegen, welche Prioritäten sie setzt. Falls man den Boulevard überhaupt braucht, muss er woanders hin", sagt der stellvertretende Vorsitzende Jens Wieseke. Er selbst hält ohnehin nicht viel vom Boulevard der Stars. "Das ist ein albernes Nachmachen von Hollywood, das passt nicht zu Berlin."