Berlinale Unter Katzenhassern

Anders als die routinierten US-Stars: Mit Julie Delpy und ihrem Film "Deux Jours à Paris" kommt echte Starpower nach Berlin. Sie ist ein kleines bisschen schüchtern.

Von Fritz Göttler

Der Großen Nation hat das Festival diesmal seine ganze Liebe geschenkt. Das herzzerreißende Leben der Piaf - vom deutschen Verleih "La vie en Rose" betitelt - durfte eröffnen, zum Abschluss gibt es François Ozons "Angel". Dazwischen Neues von André Téchiné und Jacques Rivette.

Aber dann hat doch das Panorama das wirklich schöne Leben von Paris präsentiert, und das verkörpert Julie Delpy. Sie ist mit ihrer zweiten Regiearbeit "Deux jours à Paris" nach Berlin gekommen und hat wahre Kinopräsenz gezeigt - was dann doch etwas anderes ist als die manchmal etwas routinierten Starauftritte der Amerikaner.

Ein bisschen blass und unsicher

Delpy versteht sich einfach als Entertainerin, und das was sie macht als Volkskunst - mit den populären Formen hat man in Frankreich noch nie Probleme gehabt. Delpy schreibt Lieder und Scripts, gibt Konzerte und macht CDs, sie spielte für die europäische Regisseurs-Elite von Schlöndorff, "Homo Faber", bis Kieslowski, "Drei Farben Rot", und natürlich in den Linklater-Stücken "Before Sunrise" und "Before Sunset", und hatte es in einige Folgen von "Emergency Room" geschafft.

Viel von dem was sie in den USA machte, ist bei uns nicht ins Kino gekommen, zuletzt hat man sie Bill Murray den Laufpass geben sehen in Jarmuschs "Broken Flowers", bald wird sie neben Richard Gere auftauchen, der den Fälscher Clifford Irving spielt in Lasse Hallstroms "The Hoax".

Der Star Julie Delpy trat in Berlin wie eine junge Autorenfilmerin auf, ein bisschen blass und unsicher, nur die zwei blonden Strähnen torkelten frech vor ihrem konzentriertem Gesicht. Im Profil wirkte sie wie eine erwachsene Frau, beim frontalen Blick war dann die vertraute Jugendlichkeit wieder da.

Nein, rückte sie falsche Vorstellungen zurecht, es war auch für sie nicht leicht, die Finanzierung für einen Film in eigener Regie hinzukriegen, trotz ihrer Erfolge als Schauspielerin. Zumal der Blick, den sie in "Deux jours à Paris" auf ihre Heimatstadt wirft, ziemlich gnadenlos ist - der Blick einer jungen Frau, die inzwischen nicht mehr dort lebt, sondern in Los Angeles.

Ein Katzenhasser von Schwiegervater

Delpy spielt selbst eine junge Französin, die mit ihrem amerikanischen Lebensgefährten Jack (Adam Goldberg) Venedig erkundete und kurz in Paris Zwischenstation macht, um den Mann ihrer Familie zu vermitteln und ihre Heimat. Jack kommt sich ziemlich hilflos vor, zwischen Fascho-Taxlern und undurchsichtigen Künstlertypen, dazu ein Katzenhasser von Schwiegervater, der, wie fast ganz Paris, vom bösen Sechzigerjahre-Revoluzzer-Geist immer noch heillos versifft scheint.

Ein Anti-"Before Sunset"! Um den Ankunftsschock abzuschütteln, schickt Jack gnadenlos eine Truppe louvrelüsterner amerikanischer Touristenweiber auf den falschen Weg. Das ist nicht nur eine saukomische Szene, sie ist auch prägnant inszeniert - nein, erklärt Julie Delpy zu unserer Verblüffung, vor der Regie hat sie nie Angst gehabt, mehr vor dem Schauspielern.

Man braucht anscheinend wirklich nichts als ein gutes Team, ein Drehbuch mit superben Situationen und Dialogen, ein wenig Mut zum Risiko. Natürlich gibt es unliebsame Begegnungen - gegen Ende taucht die Louvre-Truppe ramponiert wieder auf und schenkt dem Mann einen traurigen, verachtungsvollen Blick.