Eastwood, DeNiro, Rivette: Bei der Berlinale geben in diesem Jahr die cineastischen Schwergewichte den Ton an. Warum wir uns viel erwarten können - und welche Chancen der Nachwuchs dabei hat.
Man weiß natürlich nie vorher, ob ein Filmfestival gut wird oder nicht. Aber es gibt Programme, bei denen kann nicht mehr viel schiefgehen. Robert DeNiro und Clint Eastwood, André Téchiné und der Nouvelle-Vague-Mitbegründer Jacques Rivette - das sind Filmemacher, um die sich die Festivalchefs reißen, denn sie sind im Reich der Legenden angekommen.
(© Foto: ddp)
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Und dann auch noch Steven Soderbergh, François Ozon und der Koreaner Park Chan-Wook - von denen glauben sehr viele Leute, dass sie der nächsten Legendengeneration angehören werden. Ein Programm, in dem sie alle vorkommen, wird sogar interessant, wenn sie nicht alle bei den Dreharbeiten in Höchstform gewesen sein sollten. In Berlin sind sie in diesem Jahr tatsächlich alle dabei.
Es ist ein Allstar-Wettbewerb, den Festivalchef Dieter Kosslick bei der diesjährigen Berlinale präsentiert. Er ist so sehr auf der sicheren Seite, dass selbst die eine oder andere Absage für den Auftritt auf dem roten Teppich ihn nicht weiter kümmern muss.
Große Namen, weniger deutsche Produktionen
Dass Regisseur Steven Soderbergh und Hauptdarstellerin Cate Blanchett ohne George Clooney anreisen werden, um den Wettbewerbsbeitrag "The Good German" vorzustellen, fällt wahrscheinlich nicht weiter auf - auch wenn es schade ist, denn der Krimi spielt im Nachkriegs-Berlin.
DeNiro stellt seine Regiearbeit "Der gute Hirte" vor und bringt seinen Hauptdarsteller Matt Damon mit, der in der Geschichte um die Gründung der CIA einen Agenten spielt, dem mit den Jahren alle Emotionen abhanden kommen.
Die beiden werden die Aufmerksamkeit am ersten Berlinale-Wochenende teilen müssen mit "Letters from Iwo Jima", auch da ist der Regisseur der Star - Clint Eastwood stellt, außer Konkurrenz, den zweiten Teil seines Pazifikkriegsdramas vor, eine düstere, todtraurige Geschichte aus der Verliererperspektive.
Auch ansonsten sind im Wettbewerb einige cineastische Schwergewichte vertreten. Allen voran Jacques Rivette - sein "Die Herzogin von Langeais", mit Michel Piccoli und Guillaume Depardieu, erzählt eine Geschichte aus der Restaurationszeit, nach einer Novelle von Balzac.
François Ozon hat mit "Angel" einen britischen Gesellschaftsroman verfilmt, es geht um Aufstieg und Sturz einer Schriftstellerin. Für Ozon war die Berlinale das Sprungbrett, er gewann 2002 mit seinen "8 Frauen" den silbernen Bären. Auch die beiden deutschsprachigen Beiträge - so wenige hat es noch nie gegeben, seitdem Dieter Kosslick die Berlinale leitet - kommen von renommierten Regisseuren.
Stefan Ruzowitzky, mit "Die Fälscher" im Wettbewerb, hatte großen kommerziellen Erfolg mit "Anatomie". Und der zweifache Grimmepreisträger Christian Petzold, mit seiner geisterhaften "Yella" dabei, ist seit Jahren einer der inspiriertesten Vertreter des deutschen Kinos.
Schlechte Chancen für den Nachwuchs
Diese Form der Qualitätssicherung hat sich in den letzten Jahren auch in Venedig und Cannes durchgesetzt. Seitdem Marco Müller 2004 die Leitung in Venedig übernahm, hat er Wettbewerbsprogramme gestaltet, in denen er ehrenwerten Hollywood-Produktionen - Soderberghs letzten Film beispielsweise, Ang Lee mit "Brokeback Mountain" und George Clooneys "Good Night, and Good Luck" - erprobte Vertreter des asiatischen Kinos gegenüberstellte, Park Chan-Wook zum Beispiel oder Kim Ki-Duk.
Und in der Tat: In Cannes ist es inzwischen fast unmöglich für einen jungen Regisseur, der noch auf keinem der großen Festivals dabei war, einen Film im Wettbewerb zu zeigen, denn an der Konkurrenz nehmen fast ausschließlich Veteranen teil.
Vor zwei Jahren gewannen dort die Gebrüder Dardenne mit "L'enfant" ihre zweite Palme, im vergangenen Jahr bekam Ken Loach sie für "The Wind that shakes the Barley". Es war seine achte Auszeichnung in Cannes, er hatte vorher schon mehrere Jury-Preise bekommen.
Mit der Bevorzugung der Altmeister schotten sich die drei großen Wettbewerbe gegen große Reinfälle ab. Andererseits verpassen sie damit auch große Entdeckungen. Unerwartet schöne Filme von Leuten, von denen auch Cineasten noch nie gehört haben - die sieht man fast nur noch in den Nebenreihen. Umso wichtiger ist es, dass die Wettbewerbsprogramme einen Zusammenhalt finden, man also Neues dadurch entdeckt, dass die Filme nebeneinander stehen.
In Cannes stand im vergangenen Jahr die Politik im Vordergrund, sei es im Genre-Film, sei es als Horrorstück oder als Fantasy wie in dem Film "Pans Labyrinth" über den spanischen Bürgerkrieg. In Venedig tauchten immer wieder Bezüge zur Protestbewegung der Sechziger auf, wobei die Parallele zwischen Vietnam- und Irakkrieg betont wurde. Der Irakkrieg wird auch in Berlin eine Rolle spielen, mindestens mit "Iwo Jima" - auch wenn das nicht immer zur Partystimmung eines Festivals passt.
(SZ vom 8.2.2007)
Partyzone Flußufer
Gut, Berlin möchte ein "A"-Festival sein. Nun mit einem Wettbewerb voller Altmeister.
Seit fünf Jahren lebe ich in Berlin und nehme auch Teil an der diesem Festival.
Zuvor lebte ich fünf Jahre in Mannheim mit seinem "B"-Festival (alles Premieren).
Ein Vergleich:
Im ersten Fall bekommt man kaum Karten und sieht im Wettbewerb Filme, die man ohnehin später im Kino sehen wird (bei all den Altmeistern erst recht). Das Interessanteste sind die (genauso überlaufenen) Nebenreihen wie "Panorama", "Forum" etc.
Und in Mannheim-Heidelberg oder Hof und anderswo? Eine preiswerte Wochenkarte, Filme die nicht nur wegen dem Glamoureffekt ihrer Stars, sondern aus Liebe zum Geschichtenerzählen ausgewählt sind. Und das Besondere: viele davon wird man nicht wieder sehen, was schade ist, aber das Erlebnis ungeheuer steigert. Dazu eine wirkliche Festival-Szene, an der man teilhaben kann - kommunikativ und inspirierend. Hier kann man sehr wohl noch den Regisseur kennenlernen und Podiumsdiskussionen sind für jeden offen.
Wer Filme liebt, ist bei "B" und "C" besser aufgehoben und erlebt einmal im Jahr, wenn er(sie) sich die Zeit für diesen cineastischen Urlaub nimmt, tausendmal mehr.
Wobei die Qualität mehr als stimmt!
Zuletzt eine Bitte an meine geliebte SZ: berichtet mehr von dort. Auch Euren Redakteuren wird es gefallen. :-)