David Kross formuliert seine Sätze behutsam und lässt sie gerne nachklingen. Wenn ihm das zu bedeutungsschwanger wird oder er den Faden verloren hat, füllt er den Raum plötzlich mit einem überraschend tiefen Lachen. Sein bubenhaftes Gesicht passt nicht recht zu der Stimme des Erwachsenen.
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Kapitän Ahab in der Badewanne
Nur ein paar Monate nachdem "Knallhart" auf der Berlinale 2006 für Aufsehen gesorgt hatte, stand David Kross schon wieder vor der Kamera. Auch in der Verfilmung von Otfried Preußlers Jugendbuch "Krabat" übernahm er die Hauptrolle. Erfahrene Jungstars wie Daniel Brühl und Robert Stadelober mussten sich mit Nebenrollen begnügen.
Gleich nach "Krabat" begangen im Herbst 2007 die Dreharbeiten für "Der Vorleser". Die Schule muss seitdem warten, dafür arbeitet Kross mit Kate Winslet, Ralph Fiennes und Bruno Ganz. Doch der 18-Jährige wirkt bescheiden, wenn er von der internationalen Produktion spricht. Natürlich sei er aufgeregt gewesen und die Sexszenen mit der fast doppelt so alten Kate Winslet, die in dem Film die KZ-Aufseherin Hannah Schmitz spielt, hätten ihn viel Überwindung gekostet. Sie haben mit diesem pikanten Teil des Drehs extra auf seine Volljährigkeit gewartet. Aber "dann steht man eben irgendwann einfach nackt in der Badewanne und spielt Kapitän Ahab". Bei Kross klingt das sehr einfach.
Auf der Suche nach einer günstigen Wohnung
Das Vorlesen hat der Schauspieler für den Film nicht nur mit einem englischen Sprachtrainer einstudiert, sondern auch vor seinen beiden jüngeren Geschwistern in Bargteheide geprobt. Kross lebt, wenn er nicht filmt, noch zu Hause. Für die Dreharbeiten zu "Der Vorleser" wohnte er jetzt aber in Berlin und genoss die Anonymität dort. Deswegen möchte er auch bald in die Hauptstadt ziehen, nur die Wohnungssuche macht ihm noch Sorgen. "Eine billige und gute Wohnung zu finden, ist schwierig", sagt Kross. Schauspielerallüren sind dem Jungstar noch fremd.
Hat er Vorbilder? "Vorbilder versucht man nachzuahmen, aber wenn man sein Vorbild nachahmt, dazu man selber ist und auch noch einen Charakter spielen muss, spielt man auf einmal drei Leute und das ist zu viel", erklärt Kross. Gleichwohl hält er Kate Winslet für die beste Schauspielerin der Welt - natürlich - und Bruno Granz bewundert er sehr. Mit sich selbst ist er kritischer: "Ich bin nie hundert Prozent zufrieden", sagt er und fügt hinzu, dass er sich nicht gerne auf der Leinwand sieht. Die Hände verschwinden wieder in der Sofaritze.
Die erste Liebe ist ein Monster
Ähnlich wie bei "Krabat" ist auch "Der Vorleser" die Verfilmung eines Bestsellers. Dass er mit seiner Darstellung des Michaels nicht alle Leser des Romans von Bernhard Schlink zufriedenstellen kann, sieht er gelassen: "Jeder hat ja seinen eigenen Michael und dem kann ich gar nicht gerecht werden. Ich muss meinen Michael geben", sagt er artig. Wer den Schauspieler im Film sieht, merkt aber, dass sein Michael funktioniert. Genauso wie die Vorfreude des Jugendlichen über die erste Liebe, spiegelt sich später die Entdeckung, ein Monster geliebt zu haben, wie Wetterleuchten in seinem Gesicht wider.
Wenn Kross jetzt auf dem roten Teppich der Berlinale steht, hat er bereits einen weiteren Film im Kasten. In Bucks neuem Werk spielt er wieder die Hauptrolle. Ähnlich wie seine Filmfigur, die nach dem Abitur nach Kambodscha reist, habe er keinen Plan wie es mit ihm weitergeht. Wenn David Kross auf seinem Weg bleibt, geht es für ihn ganz einfach nach oben.
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(SZ vom 04.02.2009/holz)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Ich war gestern in einem Kino in Scottsdale, AZ und dort hing das Plakat zum Film The Reader mit dem Hinweis coming soon. Bemerenswert war, daß David K. dort nicht als Hauptdarsteller, sondern nur als Nebendarsteller aufgeführt wird. Seine Filmfirma sieht ihn also weniger wichtig, als uns das Frau Weißmüller in ihrem Jubelartikel weiß machen will. Aber so ist das in Deutschland: man hoftt immer, daß man irgendwie wichtig ist. (Anmerkung: Der jüngste Besuch von Steinmeier in Washington bei Hillary Clinton - natürlich auf Kosten er Steuerzahler - wurde in keiner der amerkanischen Nachrichtensendugen erwähnt). Da man nicht wichtig ist, wird diese Wichtigkeit eben künstlich erzeugt. In diesem Fall profitiert zunächst die Autorin, daß sie einen Artikel an die SZ verkaufen konnte und im weiteren Verlauf wird die Berlinale davon profitieren, in dem man dort sagen wird, daß der deutsche Film und hier vor allem die vom Steuerzahler bezahlte Filmförderung nachwievor einen Berechtigung hat. So schafft man sich einen eigene Welt, aufgebaut auf lauter kleine Lügen.