Ein Film der Angst ist "Na Putu/On the Path" der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic, deren Debüt "Grbavica/Esmas Geheimnis" 2006 den Goldenen Bären gewann. Es ist die Angst vor dem (tatsächlich wachsenden?) religiösen Fundamentalismus in ihrer Heimat und revanchistischen Bestrebungen, die damit verbunden sind. Angst aber ist kein guter Drehbuchautor, holzschnittartig und vorhersehbar spult sich die Geschichte ab. Amar, ein weltoffener, seine Frau liebender junger Mann, hat ein Alkoholproblem und verliert deshalb seinen Job als Fluglotse. Als er von einem alten Kriegskameraden Arbeit in einem wahhabitischen Feriencamp erhält, sagt er zu - und wird, kaum angekommen, in einen Gläubigen verwandelt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Luna (Zrinka Cvitesic), seiner Freundin, die ihren Amar herzlich liebt, mit Allah aber nichts am Hut hat, seit ihre Eltern im Krieg erschossen wurden. So schlicht das erzählt wird, fühlen sich die Ängste der Regisseurin doch authentisch an, zumal sie die Kriegserfahrung ihrer Landsleute in ihr Psychogramm geschickt einzuarbeiten versteht.
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Göttliche Größe und Gleichgültigkeit
Menschenleere Landschaften, in denen zivilisatorische Gewissheiten außer Kraft gesetzt sind, prägten schon Alexei Popogrebskys Debüt "Koktebel", sie kennzeichnen nun auch "Kak ya provel etim letom/How I Ended This Summer". Zwei Männer verbringen den Sommer auf einer Forschungsstation im arktischen Meer: der erfahrene Meteorologe Sergei (Sergei Puskepalis) und der junge Pavel (Grigory Dobrygin), ein Praktikant. Der Ältere absolviert den Dienst mit klösterlichem Ernst, er fürchtet die Natur, die ihn umgibt, kann aber ohne sie nicht sein, während der Junge sich abschottet, die Zeit mit seinem MP3-Player totschlägt oder beim Videospiel. Es ist eine symbolische Landschaft, von göttlicher Größe und Gleichgültigkeit. Ihre Schönheit kann berauschend sein, ihre Leere einem die Luft rauben - vielleicht hat Popogrebsky den Film dieser Landschaft wegen gemacht.
Wer von besessenen Männern die Nase voll hat, ist in den Filmen, die hier außer Konkurrenz starten, derzeit besser aufgehoben. Nach Nicole Holofceners "Please Give" bringt nun Lisa Cholodenko mit "The Kids Are All Right" komödiantische Frischluft in den Wettbewerb. Im Grunde stellt das Kino ja immer wieder dieselben Fragen: Wie hält man den Marathon einer Ehe aus? Was, wenn der Eros auf Abwege lockt? Die alten Fragen fühlen sich in dieser Komödie wieder ganz frisch an, weil die Regisseurin mit einer kleinen Rollenverschiebung das traditionelle Erzählgefüge belebt: Der Mann im Haus ist hier ebenfalls eine Frau, Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) führen eine lesbische Ehe.
Spießige Lesben
Turbulent wird es, als die Kinder der beiden ihren leiblichen Vater kennenlernen wollen, und der Samenspender in der virilen Gestalt von Mark Ruffalo in das Familienleben tritt. Pauls erdverbundene, sinnenfrohe Art zieht die feminine und gefühlsstarke Jules an. Es geht hier nicht mehr darum, zu zeigen, dass lesbische Liebe "normal" ist, es geht um die Probleme, die aus dieser Normalität entstehen. Unter emanzipatorischen Aspekten betrachtet, ist das in jedem Fall ein Fortschritt. Homo, hetero - es gerät jedenfalls einiges durcheinander in dieser Ehe, was sich mit Klischeevorstellungen schlecht verträgt. Moore und Bening spielen dieses Durcheinander lustvoll aus, und auch das postfeministisch konservative Ende lässt sich kaum in einer weltanschaulichen Schublade versenken: Ist das nun spießig, wenn Lesben einander treu bleiben?
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(SZ vom 19.2.2010/kar)
das ist ein sehr schwer lesbarer Text - teilweise sogar unverständlich (z.B. "diese radikalisierte ... "usw.) : wie wär's, wenn Sie den Text nochmals in die Hand nähmen?
Man hätte einen grandiosen Stoff daraus machen können....Hätte.
wenn an Hand einer Dokumentation gezeigt wird, wie sich der Einfluss von Filmen auf die Meinungsbildung des Publikums auswirkt.
Die literarische Vorlage von Lion Feuchtwanger wurde im Film Jud Süß in sein Gegenteil verfälscht und aus dem zu Unrecht verurteilten historischen Juden Süß wurde ein Monster konstruiert.
Wenn es gelingt, diesen Missbrauch von Film und Literatur zu verdeutlichen und auch auf ähnliche Propagandawerke der Gegenwart zu beziehen, könnte es ein wertvoller Film werden.
Das scheint aber hier wohl nicht recht gelungen zu sein.
schauspielerische Talente. Aber wer kommt bitte auf die Idee, den als Goebbels einzusetzen.
Das kann doch schon rein pysiognomisch und von der Statur her niemals funktionieren. Als Göring meinetwegen, aber als Goebbels...
Oskar Roehler ist meines Erachtens leicht überschätzt. Seine Filme, die er konsequent irgendwo zwischen Trash und Melodram ansiedelt, zeigen eine gewisse Stereotypie. Nicht nur thematisch, sondern auch was Besetzung, filmische Gestaltung und Umsetzung anbelangt. Man mag ihm beinahe den Adenauerischen Grundsatz "Keine Experimente" unterstellen (verzeihen Sie mir, lieber Oskar Roehler). "Jud Süß" hätte eine Zäsur in Roehlers bisherigem Werk darstellen können, aber auch bei diesem, seinem jüngsten und Thema her wohl ambitioniertesten Film, scheint das Roehlersche Dogma erneut die Oberhand behalten zu haben, wenn man die Besprechungen liest.
Doch leider haben wir in der aktuellen deutschen Filmlandschaft keinen wirklich Wagemutigen. Keinen Herzog, keinen Fassbinder, keinen Verhoeven, keinen Wenders, keinen Fengler und auch keinen Lilienthal. Es gibt keinen Filmverlag der Autoren, sondern scheinbar nur noch Eichinger, das ZDF und die ARD. So gesehen kann und muss ein Oskar Roehler glänzen und sich als König fühlen (unter Einäugigen).
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