Nach 46 Jahren Durststrecke geht der Goldene Bär erstmals wieder in die Türkei. Auch Roman Polanski gewinnt einen Preis und lässt aus dem Hausarrest einen Witz ausrichten.
Der Goldene Bär der 60. Berlinale geht an den türkischen Film "Bal" ("Honig"). Das teilte die Jury der Internationalen Filmfestspiele Berlin am Samstagabend mit. Regisseur Semih Kaplanoglu erzählt in "Honig" von einer Kindheit im ländlichen Anatolien. Nach 46 Jahren gewann damit erstmals wieder ein Film aus der Türkei einen Goldenen Bären.
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Regisseur Semih Kaplanoglu, Gewinner des Goldenen Bären 2010. (© Foto: ddp)
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"Honig" ist nach "Milch" und "Ei" der Abschluss Kaplanoglus autobiografisch geprägter Trilogie über Yusuf als kleinen Jungen, Studenten und alten Mann. In dem ganz ohne Musik gedrehten "Honig" spielt die Natur eine der Hauptrollen. Ruhige Bilder zeigen den Kosmos des Kindes, seine Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste. Der Film ist eine deutsch-türkische Koproduktion.
Botschaft von Polanski
Mit dem Silbernen Bären für die beste Regie wurde der in der Schweiz unter Hausarrest stehende Roman Polanski für seinen Politthriller "Der Ghostwriter" ausgezeichnet. Auch seine Hauptdarsteller Pierce Brosnan und Ewan McGregor waren der Gala fern geblieben.
Stattdessen nahmen die Produzenten den Preis entgegen und richteten eine Botschaft von Polanski aus: "Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gekommen bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet."
Die Darstellerpreise gingen nach Japan und Russland. Den Großen Preis der Jury erhielt der Rumäne Florin Serban für das Jugenddrama "Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich".
Der Silberne Bär für die beste Schauspielerin ging an die Japanerin Shinobu Terajima. Sie spielt in dem Antikriegsfilm "Caterpillar" (Raupe) von Koji Wakamatsu eine junge Ehefrau, die ihren sadistischen Ehemann pflegen muss, als dieser ohne Arme und Beine aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrt.
Deutsche gehen leer aus
Den Preis für die besten männlichen Darsteller teilen sich die Russen Grigori Dobrygin und Sergej Puskepalis. Sie spielen in Alexei Popogrebskys "How I Ended This Summer" (Wie ich diesen Sommer zu Ende brachte) zwei Männer auf einer einsamen Wetterstation in der Arktis.
Für seine Kameraführung in dem Film erhielt Pavel Kostomarov einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung.
Den Preis für das beste Drehbuch gab es für den chinesischen Regisseur Wang Quanan, der mit seiner Tragikomödie "Tuan Yuan" (Getrennt zusammen) die Berlinale eröffnet hatte. Er erzählt von einem Ex-Soldaten, der einst vor den chinesischen Kommunisten nach Taiwan floh und bei einer Reise in die alte Heimat seine ehemalige Geliebte wiedertrifft.
Die mit drei Filmen im Wettbewerb vertretenen Deutschen gingen bei den Hauptpreisen leer aus. "Shahada" des Deutsch-Afghanen Burhan Qurbani erhielt aber den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater.
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(sueddeutsche.de/dpa/jab)