Bloß keine Liebesfilme mehr: Leonardo DiCaprio erklärt, warum er in Martin Scorseses Schizophrenie-Thriller Shutter Island wieder einen Geisteskranken spielt.
SZ: Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio beginnen mit der Zusammenarbeit an einem neuen Film - wie muss man sich diesen Prozess vorstellen?
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Leonardo DiCaprio im Film Shutter Island. Das Werk von Regisseur Martin Scorsese läuft auf der Berlinale außerhalb des Wettbewerbs. (© Foto: Concorde)
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Leonardo DiCaprio: Wie bei allem, was Scorsese anpackt, fangen wir mit der Filmgeschichte an. Im Fall von Shutter Island hat er mich gebeten, bestimmt ein Dutzend Filme zu sehen, von denen mir Otto Premingers Laura und Jacques Tourneurs Out of the Past besonders nachdrücklich in Erinnerung geblieben sind - als Studien der Besessenheit. Der Rest der Filme war eher obskur. Meist ging es Marty dabei um spezifische Sequenzen, etwa um Details der Arbeit eines US-Marshals in den fünfziger Jahren. Das gehört zum aufregendsten Teil der Arbeit mit Scorsese: Er sagt dir nicht, wie du etwas zu spielen hast, sondern nimmt dich an die Hand und taucht mit dir in die Filmgeschichte ein. Sich gemeinsam von den Besten inspirieren zu lassen - das ist der Plan.
SZ: Die Beschreibung des Schizophrenie-Thrillers Shutter Island hört sich ausgesprochen klaustrophobisch an.
DiCaprio: Eine Gefängnisinsel für Geistesgestörte, klar. Scorsese schöpft dieses Potential der Klaustrophobie auch voll aus. Ich spiele einen US-Marshal, dessen polizeiliche Untersuchung durch traumatische Erinnerungen und geheime medizinische Einflüsse sehr behindert wird. Ich wusste beim Spielen zwar immer, an welcher Stelle der Abwärtsspirale sich die Figur befand. Doch Scorsese schuf eine so vielschichtige Atmosphäre der Bedrohung und Desorientierung, dass man nach Drehschluss unmöglich die Füße aufs Sofa legen konnte. Der Geist des Films hat uns alle über Monate heimgesucht.
SZ: Haben Sie sich im Vorfeld über geistige Erkrankungen informiert?
DiCaprio: Ich habe mit Ärzten gesprochen und Fachbücher gelesen - aber der wichtigste Einfluss am Set war der Regisseur Frederick Wiseman. Der hat in den Sechzigern mit Titicut Follies den wichtigsten Dokumentarfilm zum Thema gedreht. Darin sieht man die brutalen Praktiken, denen Patienten früher ausgesetzt waren. Shutter Island spielt ebenfalls in der Zeit von Lobotomien und Elektroschock-Therapien, bevor Psychopharmaka eine erträglichere, aber keineswegs weniger tragische Behandlung ermöglicht haben. Es geht einem schon sehr nah, wenn Menschen so losgelöst von ihrer Lebensrealität existieren müssen - ohne selbst davon zu ahnen.
SZ: Stimmen Sie Dennis Lehane zu, dem Autor der Romanvorlage, der die Geschichte als eine Kreuzung aus Die Schwestern Brontë und Invasion der Körperfresser bezeichnet hat?
DiCaprio: Er hat das Buch geschrieben, also ist er der Experte. Wobei mir der Bezug zu den "Körperfressern" zu sehr nach Horror klingt. Auch unser Trailer arbeitet mit solchen Assoziationen - wer sich erschrecken lassen möchte, wird hier nicht enttäuscht werden. Aber der Grusel ist kein Selbstzweck. Scorsese nutzt das nur als Sprungbrett, um das Publikum tiefer in die Welt dieser Figuren zu locken, die extreme Verschiebungen ihrer Wahrnehmung durchmachen.
SZ: Es heißt, Shutter Island sei Scorseses Hitchcock-Film.
DiCaprio: Sagen wir, es ist ein Scorsese-Film, der mit einigen klassischen Hitchcock-Tricks operiert - zum Beispiel damit, dass auf der Leinwand manchmal etwas ganz anderes passiert, als man zu sehen glaubt. Mehr wird nicht verraten...
SZ: Wie hat sich denn die Zusammenarbeit mit Scorsese seit den Gangs of New York vor acht Jahren entwickelt?
DiCaprio: Inzwischen können wir uns blind aufeinander verlassen und ohne viele Worte kommunizieren. Scorsese verlangt, dass du zum organischen Teil seiner Arbeit wirst - und überlässt es dir, eine Szene zu steuern. Natürlich wird er dich korrigieren, wenn du dich zu weit von seinen Vorstellungen entfernst. Doch sein Vertrauen überwiegt. Er setzt voraus, dass du tief in der Materie steckst und dir Gedanken über deine Figur gemacht hast, zu denen er keine Zeit hatte. In neun von zehn Fällen akzeptiert er deine Entscheidungen - weil er Schauspieler mehr respektiert als jeder andere mir bekannte Regisseur.
Erfahren Sie auf der zweiten Seite, warum die heutigen Mechanismen im Filmbusiness unbegreiflich sind.
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Debatte über Urheberrecht
... und LdC kommt sehr sympathisch rüber.
es hätte nur etwas länger sein können - wie so viele der guten artikel, die ab und an in der SZ erscheinen (trotz aller notwendigken kritik)!